Bistro Erminig

Vive l’Erminig!

Wer ist den Spuren des blau-weißen Hermelins der Mutter-Ey-Straße bereits gefolgt und hat beim Überqueren der Schwelle ein Stück Frankreich betreten? Hermelin heißt auf Bretonisch „Erminig“ und genau so heißt das Lokal in der Altstadt. Seit anderthalb Jahren lädt die Crêperie aus der Bretagne zu saftigen Crêpes und knackigen Galettes ein, begleitet von einer Tasse Cidre oder einem bretonischen Bier. Galette, das ist die herzhafte Variante des hier bekannteren Crêpe. Die Galette besteht aus genau drei Zutaten: Buchweizenmehl, Wasser und Salz und bietet die perfekte Basis für unzählige, köstliche Variationen der französischen Küche.

Mathieu Delacourt, der ausgebildete Maître Crêpier und Besitzer des bretonischen Erminigs, bekam sein erstes Crêpe-Gerät von seinen Eltern zum zwanzigsten Geburtstag geschenkt. Mathieu studiert zu der Zeit in Deutschland und die Crêpière soll gegen sein Heimweh helfen. So schmeißt er jeden Freitag zu Hause Crêpe-Parties. Er selbst begrüßt seine Gäste stets im blau-weißen Ringelshirt.

Mitten in der Altstadt stellt sich die Frage: Wie kommt ein waschechter Bretone in Düsseldorf auf die Idee, eine französische Crêperie aufzumachen? Nachdem Mathieu die Bretagne bereits für Aufenthalte in Kanada und Shanghai verlassen hatte, nimmt er für vier Jahre eine Stelle bei der L’Oréal-Dépendance in Düsseldorf an, bis er schließlich all seinen Unternehmer-Mut zusammen nimmt und den Sprung in die gastronomische Selbstständigkeit wagt.

Ehrlich, kompromisslos und authentisch, wie er die Bretonen beschreibt, gibt er allerdings zu: „Erst dachte ich: Naja Düsseldorf, Dorf, klingt klein und nicht so spannend, aber die Stadt ist eigentlich echt cool, nicht so groß, hat viel zu bieten. Ich wollte immer selbständig werden und es gab hier keine französische Crêperie“
 Seinen Urlaub verbringt Mathieu trotzdem noch in der Bretagne. „Wäre Düsseldorf eine Dreiviertelstunde entfernt vom Meer, wäre es für mich die perfekte Stadt“, gibt er zu. Er schätzt die hohe Lebensqualität am Rhein. „Düsseldorf ist ein guter Kompromiss zwischen allem.“

Vom Bubble-Tea über den Handyladen zur Crêperie: das Lokal hat oft den Besitzer gewechselt bevor es sich zur Bistroküche gemausert hat. Nutzungsänderungsanträge, Wartezeiten auf Genehmigungen und einige Renovierungseinsätze später, wird Mathieus Mut, sich selbständig zu machen belohnt und das Erminig öffnet die Türen. „Ich hatte gar nicht an die Altstadt gedacht, weil ich dachte, es ist zu teuer und ich bin nicht so der Bolker“. An die perfekte Lage glaubt Mathieu glücklicherweise ohnehin nicht. Ob aus der Kunstakademie oder der Oper, die Leute fühlen sich wohl bei Mathieu.

Trotzdem war er mit Werbung zunächst zurückhaltend, um Zeit zu gewinnen, sich, sein Team und die Crêpièren warmlaufen zu lassen. Ein zufriedener Gast auf der Facebook Seite „Bonjour Düsseldorf“ und ein Artikel in der Rheinischen Post brachten die Mundpropaganda doch schneller ins rollen als gedacht. Wehmütige Exil-Franzosen kommen beispielsweise über das Institut francais, das Lycée francais de Düsseldorf oder über L’Oréal hierher, finden ein Stück zu Hause und bringen als Galette-Botschafter ihre Freunde mit.

Familienfreundlichkeit, Einfachheit oder individuelle, vegane Alternativen wie Crêpe mit Grand Manier oder Kastaniencreme locken die unterschiedlichsten Gäste ins Erminig. Der typisch französische Akzent allein macht Mathieu schon zum sympathischen Gastgeber. Seine Ideen, das kleine Bistro immer wieder zu verändern und weiterzuentwickeln, ob mit der Galette des Tages, oder kleinen Hinweisen, Geschichten und Menüideen in der Karte stecken an. Sein Lokalpatriotismus spiegelt sich in den alten Plakaten und Reiseführern wider, die von der Bretagne erzählen. Das Angebot an original bretonischen Produkten, vom Cidre bis zum bretonischen Porzellan, der „Fayance“ sprühen vor Leidenschaft für die Sache. Der Besuch im Erminig verführt zum „für immer bleiben“ oder gleich nach dem Essen nach Frankreich aufzubrechen.

Das Hermelin als Symbol der bretonischen Flagge, wacht treu über alle Gäste, die ein und ausgehen. Traditionell isst man in der Bretagne freitags Galettes „weil Freitag der Tag in der katholischen Religion ist, an dem man kein Fleisch isst“, erklärt Mathieu . „Historisch gab es keinen Schinken auf den Galettes, sondern nur „Beurre“ oder Ei. Das war eigentlich das Brot für die armen Leute.“ 
Heute wird der Buchweizenfladen, der sich seit den 50ern in der Gastronomie weiterentwickelt hat, mit den verschiedensten herzhaften Zutaten, mit Lachs, Spinat, oder wie bei „La Tartiflette“, mit Reblochon, dem französischen Weichkäse belegt, der in Weißwein geschmolzen und gemeinsam mit Crème fraîche, Speck und Kartoffeln ein echtes Hauptmenü bildet. Eingeklappt werden die Galettes auf dem Teller übrigens wegen ihrer Größe: „Man isst auch mit den Augen“, sagt Mathieu.

Auf die Frage, ob er selbst noch gerne Galettes isst, sagt er grinsend: „Ich versuche es nicht zweimal am Tag zu machen…“ Sein Favorit ist dabei die Klassiker-Variante, „complète“: Ei, Käse, Schinken. Unser Redaktionsteam darf sich sogar am Kern des Geschäfts probieren und auf den gusseisernen Crêpièren echte Galette – bretonische „Krampouezhenn“ drehen. Das Geheimnis ist eine sehr stark erhitzte Platte und das schnelle, gleichzeitige Verteilen des Teigs darauf. Mathieu hat mit täglicher Übung den Bogen raus und zaubert neben den perfekten Crêpes und Galettes auch die verschiedenen Saucen und besonders das salzige Butterkaramell in seiner Küche selbst. Daran lässt sich übrigens die „echte“ Crêperie vom Zimt-Zuckerangebot der Deutschen Crêpestände unterscheiden. Trotzdem war es für Mathieu Überzeugungsarbeit und ein Pokerspiel, den Geschmack der Düsseldorfer mit der entschiedenen Küche zu treffen – eines, das er gewonnen zu haben scheint, selbst wenn er manchmal gefragt wird, ob er auch Pommes hat…

Alors, venez! Hier lässt es sich gemütlich überwintern.

Besonderheiten: Was gibt es nur bei Euch? Was zeichnet Euch aus?
Echte bretonische Galette, findet man (so weit ich weiss) nur bei uns. Unsere selbstgemachte salzigem Butterkaramell sollte man auch auf jedem Fall probieren.

Was schätzen Eure Freunde an Euch?
Die lockere und entspannte Atmosphäre und das leckeres Essen.

Was sagen Eure Feinde über Euch?
Ich glaube nicht, dass wir Feinde haben… Bzw. ich hoffe nicht! Wir sind so einzigartig in Düsseldorf, dass es eigentlich kein andere Restaurant macht, was wir machen, deswegen hat auch niemand ein Grund uns zu hassen!

Was bringt die Zukunft?
Kleine Verbesserungen im Lokal, um es noch gemütlicher zu machen. Sonst hoffe ich, dass wir noch viele neue Kunden für die Galettes und das Caramel au beurre salé begeistern können!

Eure liebsten Nachbarn?
Frowein
, direkt nebenan, ein ganz süsser kleiner Laden, mit coolen Sachen um Geschenke zu machen.

Vielen Dank!

Text: Teresa Schmidt-Meinecke
Fotos: Robin Hartschen
© THE DORF 2017

Bistro Erminig

Mutter-Ey Strasse 5
40213 Düsseldorf

Tel: +49 211 56 94 08 30
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Öffnungszeiten

Mo-Mi: 11:30 – 14:30 Uhr
und 18:30 – 21:30 Uhr
Do-Sa 11:30 – 21:30 Uhr durchgehend
So 10:30 – 19:00 Uhr

Zahlungsmöglichkeiten

Bar, EC-Cash