Russische Filmtage

Vorhang auf, Film ab!
Das Düsseldorfer Filmmuseum präsentiert zum 5. Mal die aktuellsten und auf den großen Festivals prämierten russischen Autorenfilme. In der Black Box zu sehen sind sechs sehr ungleiche Filme, die den gemeinsamen Anspruch erheben, gesellschaftliche Diskurse aufzudecken und zu hinterfragen. Zwar bedienen sie sich alle der gleichen (russische) Sprache, doch sind ihre Perspektiven auf die Geschichte und das Geschehen ihres Heimatlands jeweils eine Andere. Sie alle erzählen uns etwas über den russischen Zeitgeist und sind dadurch aktueller denn je. Welche Fenster in dieses ebenso große wie vielschichtige Land öffnen die Filme?

THE DORF hat ihn schon gewagt den Blick durchs geöffnete Fenster. Zwei Vorstellungen aus der Reihe haben wir uns angeschaut und dürfen sagen: Ein Erlebnis! Bemerkenswert zu beobachten, wenn Programmkinos dank toller Filme bis auf den letzten Platz ausverkauft sind. Die Stimmung vor Ort glich einem bunten Kulturaustausch. Ein reger Besuch von russischen und deutschen Düsseldorfern.

Zunächst stand DAS BOLSCHOI von Regisseur Waleri Petrowitsch Todorowski auf dem Plan, der das berühmte russische Theater gleichen Namens zum Thema hatte. Erzählt wird der steinige Weg einer jungen Ballerina auf die Bühne. Hauptdarstellerin und Primaballerina Margarita Simonowa war beim anschließenden Publikumsgespräch anwesend und gab einen Einblick in die Dreharbeiten, Parallelen zu ihrer eigenen Biographie sowie über ihren Aufenthalt in der rheinischen Landeshauptstadt.
So schauten wir zum Einen in die (harte Welt) des Tanzes und zum Anderen in eine Biographie, die als Symbol für den Überlebenskampf einer ganzen Generation gelesen werden kann.

Ein anderes und doch verwandtes Thema erzählte der als Bester Fremdsprachiger Film 2018 für den Oscar nominierte Film LOVELESS, des Starregisseurs des russischen Kinos Andrei Swjaginzew (LEVIATHAN). Er eröffnet einen Blick hinter die Fassade eines gutbürgerlichen und im Wohlstand lebenden Ehepaares und zeigt, wie ihre Ehestreitigkeiten ihren Sohn nachhaltig verstören und ihn letztlich zur Flucht von Zuhause drängen. Aus der Situation des Familiendramas und den Spuren von Verwahrlosung und Rücksichtslosigkeit lässt Swjaginzew ganz allmählich etwas Universelles entstehen, das zugleich als düstere Allegorie auf das Gegenwartsrußland verstanden werden kann.
Ein sehenswerter Film, der seit dieser Woche als „Film der Woche“ auch in den Programmkinos im DORF angelaufen ist.

Am kommenden Samstag, 24.03.2018 habt ihr nochmal die Chance, euch einen Film im Rahmen der diesjährigen russischen Filmtage anzuschauen. Es wartet ein cineastisches Highlight: Gezeigt wird der Stummfilmklassiker DAS GLÜCK von Aleksandr Medvedkin aus dem Jahr 1935. Dieser Film ist ein besonderes Zeugnis des sowjetischen Kinos und zeigt auf komödiantische Weise den Aufstieg und Fall eines Bauernpaares vor und nach der Oktoberrevolution. Musikalisch begleitet wird der Film von Richard Siedhoff am Klavier. Die Reihe endet für dieses Jahr am 31.3.2018 mit CHARMS von Iwan Bolotnikow über das Leben und Werk des russischen Genies des Absurden.

Dann dauert es wieder rund ein Jahr, bis uns die sechste Ausgabe der russischen Filmtage 2019 erwartet. Und auch dann sind es nicht nur die ausgewählten und sonst kaum gezeigten Filme, die diese vier Wochen so sehenswert und erlebenswert machen, sondern die internationale und aufgeschlossene Atmosphäre vor Ort. Ob vor oder in Publikumsgesprächen im Anschluss: Hier wird er gelebt, der kulturelle Austausch zwischen den Nationen. Ein Blick hinaus in die Welt und vor die eigene Haustür.

Filmprogramm:

03. März, 20:00 Uhr: ARRHYTHMIA
Mit skurrilem Humor und schauspielerischen Höchstleistungen erzählt der Eröffnungsfilm ARRHYTHMIA den Alltag eines Notarztes im Dauereinsatz und Dauerstress sowie die Herzrhythmusstörungen einer spannungsreichen Beziehung. Kameramann Alischer Chamidchodschaew ist für ein anschließendes Publikumsgespräch anwesend.

10. März, 20:00 Uhr: DAS BOLSCHOI
DAS BOLSCHOI heißt Waleri Todorowskis Kinoerzählung über Liebe, Eifersucht und Traum. Mit ausgezeichneten SchauspielerInnen und Ballettprofis präsentiert der Regisseur den Glamour des berühmten Theaters, zeigt die Schönheit des Balletts, der Musik sowie seiner TänzerInnen, aber auch die dornen- und intrigenreiche Karriere einer Primaballerina.
Im Anschluss: Publikumsgespräch mit der Hauptdarstellerin und Primaballerina Margarita Simonowa.

12. März, 20:00 Uhr: ROCK
Zur heiteren Entspannung bieten wir das Road-Movie ROCK, das mit Humor und Situationskomik die Abenteuer einer Rocker-Troika aus der Provinz auf ihrer Reise nach Moskau erzählt.
Im Anschluss: Publikumsgespräch mit dem Regisseur Iwan Schachnasarow.

17. März, 20:00 Uhr: LOVELESS
Der russische Anti-Establishment-Regisseur Andrej Swjaginzew, der seit seinem Debüt für jeden seiner Filme internationale Preise erhielt, landet mit LOVELESS wieder einen Volltreffer – ein kühles, erbarmungsloses Drama, das von einer unwiderstehlichen Grimmigkeit geprägt ist. Seine Filmbilder im Sinne Tarkowskijs sind ein visuelles Erlebnis.

24. März, 20:00 Uhr: DAS GLÜCK
DAS GLÜCK, eine ironische wie vergnügliche Dreiecksgeschichte aus dem Jahr 1935, ist ein ganz besonderes Zeugnis des sowjetischen Kinos. Regisseur Alexander Medwedkin bereiste das Land mit einem sogenannten Kinozug – Ort der Filmproduktion und Filmvorführung in einem.
Richard Siedhoff (Berlin) begleitet mit Klavier und Akkordeon.

31. März, 19:00 Uhr: CHARMS
In die literarische Avantgarde der Zwanziger und Dreißiger Jahre in Leningrad führt der Film CHARMS. Kaleidoskopartig skizziert Iwan Bolotnikow Leben und Werk des russischen Genies des Absurden, Daniil Charms. Das Groteske dieser Welt ist auch heute allgegenwärtig, Charms‘ Texte bleiben aktuell.

Russische Filmtage 2018
3. März 2018 bis zum 31. März 2018
Filmmuseum Düsseldorf / Black Box
Schulstraße 4
40213 Düsseldorf
Website Filmmuseum
Fotos: Boris Chlebnikow | Waleri Todorowski | Iwan Bolotnikow | Andrei Swjaginzew | Schachnasarow 
© THE DORF 2018