True Love Tattoo

Tätowierungen sind Teil unseres Körpers. Sie sagt immer noch das Gleiche aus, aber man wird halt älter. Der Sack hängt, die Augen hängen und die Tätowierung sieht halt auch etwas älter aus.

Betritt man das Refugium der True Love Tattoo-Jungs hat man es im wahrsten Sinne des Wortes mit einer absoluten Reizüberflutung zu tun. Soll man sich zuerst die Zeichnungen anschauen, die Bilder bestaunen oder sich in dem Ozean an Vinyl-Figuren verlieren? Nichts von all dem, denn da kommt schon Olaf um die Ecke und führt uns in die Zeichenstube des Studios. In diesem Moment fragen wir uns: Wie hat das mit dem tätowieren eigentlich alles angefangen, also nicht bei True Love, sondern überhaupt?

„Tätowierungen in der westlichen Welt kommen aus der christlichen Seefahrt. Die Seefahrer sind von Hafen zu Hafen gefahren und haben sich dort tätowieren lassen. Viele dieser Motive sind christlich, weil die Seefahrer natürlich immer gedacht haben, hoffentlich ertrinke ich nicht, hoffentlich geht das Schiff nicht unter. Um sich an irgendetwas festzuhalten, haben sie sich den christlichen Glauben tätowieren lassen – mit der Hoffnung, trotz ihres unsteten Lebenswandels doch noch im Himmel zu landen“, erzählt uns Hennes.

Er hat zusammen mit Olaf den Laden 2009 eröffnet. Seitdem gehört auch Till zum Team der True Lovers. Das True Love steht für ihre bedingungslose Liebe zum Tätowieren und die begann bereits in den achtziger Jahren. „Ich hab mich mit achtzehn das erste Mal tätowieren lassen, da war das nicht wirklich hip. Ein Freund von mir hat sich in Amsterdam stechen lassen und das fanden wir alle schön, dann haben wir gesagt, okay, das machen wir auch“, erinnert sich Hennes. Heute ist man fast Außenseiter, wenn man kein Tattoo hat, aber damals war das anders. Damals gehörte das Tätowieren noch zur Subkultur, da waren es eher Biker und Skinheads und zu dieser Gruppe wollten die True Love Gründer nicht wirklich gehören.

Glücklicherweise wandelte sich das Bild in den Neunzigern. Hennes, Sohn zweier Kunsterzieher, studierte Grafik und Design mit Schwerpunkt Illustration, und kam so zum Tätowieren. Olaf, hatte einen tätowierten Cousin, zeichnete gerne, und wie das so oft im Leben ist, hat er einfach gemacht, worauf der Bock hatte und das war halt Tätowieren.

„Vorher war es Subkultur oder Gangkultur, und dann waren da auf einmal Leute, die sind Skateboard gefahren, die haben Graffiti gemacht, waren in der Punkrockszene oder haben Kunst studiert. Die wollten auch tätowiert sein.“ Einer von denen war Till. Er hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert, ließ sich schon früh selber tätowieren, und als Hennes und Olaf sich 2009 mit True Love Tattoo selbstständig machten, war Till mit an Bord. Man hat das Gefühl, dass hier drei Jungs, die sich ewig kennen, eben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Es ist angenehm, mit ihnen zusammenzusitzen, während sie mit Herzblut über ihren Beruf und ihre Passion plaudern.

Aus rein geschäftlicher Perspektive ist der Tattoo-Hype profitabel, aber dadurch sind natürlich auch einige Dinge verloren gegangen. „Als ich angefangen habe, da konnte man in die Läden nicht reingucken, die waren dunkel. Da hab ich gedacht: Wenn ich jetzt hier reingehe, dann überschreite ich eine Schwelle, da muss ich meinen ganzen Mut zusammennehmen, da weiß keiner, was da los ist. Und du kannst auch keinen fragen, was da los ist. Es ist echt spooky gewesen früher. Dieser ganze Respekt vor dem Tätowierer, das gibt es halt gar nicht mehr. Die Motivation, die früher dahinter steckte, sich tätowieren zu lassen, um aus dieser normalen Gesellschaft rauszukommen, ist heute gegenteilig. Heute lässt Du Dich tätowieren, um in so einer coolen Nummer drin zu sein.“

Hennes, Olaf und Till sind ehrlich und blicken auf eine jahrelange Erfahrung zurück. Gerade das wissen ihre Kunden zu schätzen. Da kann es auch mal sein, dass sie einen Kunden dezent darauf hinweisen, dass die Wahl seines Tattoos vielleicht in einigen Jahren nicht mehr so geil aussehen wird. Ob eine Tätowierung gut oder schlecht ist, entscheiden die Jungs nicht. Sie geben nur Tipps und Anregungen, was technisch umsetzbar ist und was nicht. Die breite Anerkennung hat natürlich auch ihre Vorteile.

Till freut sich, „das jetzt auch ganz normale Kunden kommen, die einen gesellschaftlich angesehenen Job haben und denen man dann große Tätowierungen stechen kann und mit ihnen gemeinsam darüber nachdenkt, was am Ende dabei rauskommen soll.“ Als Tattoo-Standort ist Düsseldorf nicht relevanter als andere Städte. Die Kunden kommen wegen Hennes, Olaf und Till. Die Drei machen 90% ihrer Zeichnungen selber und versuchen Kunden, die Zeichnungen mitbringen auf charmante Art davon zu überzeugen, eine andere Variante zu wählen, die sich besser an die Haut und ihre Besonderheiten anpasst.

Was allerdings auch klar ist, ist dass eine zwanzig Jahre alte Tätowierung eben nicht mehr aussieht, wie eine, die zwei Jahre alt ist. „Tätowierungen sind Teil unseres Körpers. Sie sagt immer noch das Gleiche aus, aber man wird halt älter. Der Sack hängt, die Augen hängen und die Tätowierung sieht halt auch etwas älter aus.“ Olaf und Hennes ließen trotz ihrer Jobs relativ spät tätowieren, früher wurden sie von manchen Kollegen dafür belächelt. Heute werden sie eher beneidet. Denn beide wählten ihre Tätowierungen mit Bedacht aus, was den Vorteil hat, dass sie keins ihrer Körperbilder bereuen.

Auch wenn fast jeden Tag irgendwo ein neues Tattoostudio aus dem Boden schießt, bleibt True Love etwas Besonderes im Dschungel der Körpermaler. Denn neben der Erfahrung und dem zeichnerischen Können bekommt man noch etwas ganz anderes. „Wir sind nett zu den Kunden und versuchen, sie gebührend zu behandeln und zu beraten. Wir wollen, dass die nicht nur ein gutes Tattoo haben, sondern auch einen guten Tag.“ Und den hatten auch wir bei den Jungs, auch wenn wir den Laden ohne Tätowierung verlassen haben.

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Unsere ehrliche und direkte Art und unsere über zwanzigjährige Berufserfahrung.

Was sagen Eure Feinde über Euch? Dass wir unfreundlich und arrogant sind und leider total gut!

Was bringt die Zukunft? Konstant gute Arbeit.

Eure liebsten Nachbarn? Bäckerei Schüren, die auf der Rethelstraße und The Sinner and The Saint in Aachen.

Vielen Dank!

Text: Britt Lörcks
Fotos: Melanie Zanin
© THE DORF 2017

True Love Tattoo

Mülheimer Straße 27
40239 Düsseldorf

Tel: +49 211 44 09 111

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Mo – Fr: 12 – 18 Uhr
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