Hansi Erbes

Name: Hansi Erbes
Beruf: Freiberuflicher Wirtschaftsberater
Gelernter Beruf: Dipl-Wirtsch.-Ing.

Alter: 57 Jahre
Geburtsort: direkt unterhalb meiner Mutter
Webseite: vinyl victim

Düsseldorf ist die perfekte Stadt in jeder Beziehung. Du kannst mir irgendein Kriterium nennen, ich sag Dir immer, genau an einem bestimmten Punkt, das kann Düsseldorf besser.

Das sagt Hansi Erbes. Eigentlich stammt Hansi aus Saarbrücken, doch als er vor fast 30 Jahren jobbedingt nach Düsseldorf kam, verliebte er sich in die Stadt und vor allem in die Menschen, denen er hier begegnete. Er blieb.

„Ich bin in Düsseldorf rumgefahren und da gefiel es mir besonders gut in Flingern-Nord. Ganz besonders auf dem Hellweg und der Ronsdorfer Straße. Das hat mich ein bisschen an meine Heimat erinnert. Da hab ich dann erst mal in einem Hinterhof, in einer alten Fabrik gewohnt. Das hat meinen gesamten Lebensentwurf verändert.“

Obwohl einer Sache seines Lebensentwurfs ist er treu geblieben. Die Liebe zu Plattenspielern und ihren Tonträgern. Diese Leidenschaft keimte nämlich schon sehr früh in ihm. „Als kleiner Junge fand ich Telefunken Hitmaster schon geil, da hab ich schon rumgetunt und andere Lautsprecher benutzt und so einen Kram.“

So einem Kram haben wir es auch zu verdanken, dass es „rotweiss“ – wein für alle!“ gibt. Hansi war nämlich Mitgründer des Weinhandels der ganz Düsseldorf unkompliziert mit alkoholischen Traubensäften versorgt. Schon damals stand im Büro von rotweiss ein Plattenspieler. Hansis Kunden waren überwiegend DJs, die einen Plattenspieler für zu Hause suchten. Heute sieht das anders aus. Vinyl ist zurück, alle wollen wieder Platten hören.

Bei dem Vinyl-Victim, wie Erbes sich selber nennt, ist man richtig, wenn man einen Plattenspieler sucht, der bereits Vorhandene eine Restaurierung braucht, selber nichts mit Vinyl anfangen kann, die verstorbene Oma aber ein Schätzchen zu Hause hat oder wenn man eine dieser ästhetischen Maschine für Film- oder Fotozwecke benötigt.

„Die Platte ist ein total sinnliches Erlebnis. Man hält sie in der Hand und man weiß genau, dass man sie noch in 1.000 Jahren hören wird, wenn man sie nicht zerstört. Ich finde die Möglichkeit, eine Platte auf vielen verschiedenen Plattenspielern zu hören, superinteressant. Denn sie klingt auf allen anders. Das macht die Sache extrem komplex, es gibt nicht nur „das Beste“. Diese Komplexität macht halt Spaß.“

Den Weinhandel rotweiss hat Hansi inzwischen verlassen. Hauptberuflich berät und betreut er heute Kunden bei der Digitalisierung ihrer Geschäftsprozesse. Trotzdem liebt er das analoge und sinnlich haptische Erlebnis. „Die Digitalisierung läuft, geht weiter, das ist ein heißes Thema, aber ich brauche diesen kleinen Ausgleich. Ein paar alte Autos und ein paar Plattenspieler sind dafür super.“ Die Digitalisierung ist schnell und ständig im Wandel. Als Kontrast dazu steht die Langlebigkeit der Schallplatte.

„Da ist eine Nadel, die rumpelt durch eine Rille, da sind Berge und Täler drin und da kommt Musik raus, das ist geil. Schallplatten werden bleiben. Wenn du dann noch ein Abspielgerät hast, dann kannst du die Platten auch noch in 500 Jahren hören. Ich bin mal gespannt, wie wir unsere Jpegs in 100 Jahren öffnen. Und unsere Musik anhören.“

Sein Leidenschaftsrefugium befindet sich auf der Bunsenstraße, nebenbei für Hansi die beste Straße Düsseldorfs. „My hood ist um den Fürstenplatz rum. Die Einwohner der Bunsenstraße bilden einen geheimen Verbund.“

Wenn man sein Lager betritt, weiß man gar nicht so recht, wo man zuerst hinschauen soll. Die ersten drei Plattenspieler, die mir gefielen, waren leider schon vorbestellt. Hat man sich dann für ein Gerät entschieden, wird es spannend. Es beginnt eine abenteuerliche Einführung in die Welt des Plattenuniversums. Ich musste mich schon sehr konzentrieren und verstand trotzdem nur die Hälfte. Was ich verstand war, dass der Typ, den ich mit der Restaurierung des Plattenspielers beauftragte, sehr viel davon verstand. Das war für mich die Hauptsache.

Auch Boxen findet man in Erbes Residenz und er führt einem mit großer Leidenschaft die unterschiedlichen Klangeigenschaften vor. Einen klanglichen Unterschied kann man selber nur erahnen, aber man weiß seinen Wunsch, nach einem formvollendeten Plattenspieler inklusive Sound, bei so einem Vinylvirtuosen mehr als gut aufgehoben. Nach aufwendiger Instandsetzung bringt Hansi das Produkt der Begierde persönlich vorbei.

Er biegt mit seinem kleinen Werkzeugköfferchen um die Ecke und schließt alles so an, dass man nur noch die Platte auflegen muss. Das Allerbeste ist Hansis Kundenservice. Funktioniert etwas mal nicht, kein Problem. Meist gibt’s die Lösung in ein paar Worten via Whats App und wenn nicht, dann kommt Erbes eben noch mal rum. Bis alles perfekt funktioniert. Dazu passt auch sein Lebensmotto: Genieße es, probiere alles, bereue nichts. Wer also nach einem alten Plattenspieler sucht, der einwandfrei funktioniert, ist bei Hansi genau richtig.

Mehr Infos unter: Vinyl Victim – Initiative zur Erhaltung analoger Audiotechnik.

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Bei mir zu Hause. Oder direkt gegenüber im Café von Espresso Perfetto

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… Bei mir zu Hause. Oder im Hyatt im Hafen.

Den besten Kaffee gibt es… Yo! Genau. Wie schon vermutet: bei mir zu Hause. Oder im Lina’s Coffee am Fürstenplatz.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Selten bis gar nicht. Und wenn, dann immer noch Old School ins Olio.

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Mintropplatz – Ellerstraße – quer durch den Hauptbahnhof – Friedrich-Ebert – Charlotten – Pioneer – Fürstenplatz. Danach „weiß’e bescheid“. Oder halt Volksgarten.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Die Kunstakademie. Den Köln. Das Ruhrpott.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Chrystall Fürstenplatz. Oder bei mir zu Hause.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Sennhütte. Oder im Taxi.

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Schumacher Oststraße. Oder Sennhütte.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Katz’s Deli in der East Houston Street NYC (seit 25 Jahren). Ach so, im Dorf – da war ich schon überall.

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Pizzeria Pesto (ehem. Da Paolo). Den anderen verrate ich nicht.

Dein Lieblings-Altbier: UerigeSchumacherSchlüssel

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Ellington

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Auf einer nächtlichen Fahrradfahrt von einer Hochzeit (Telka und Eike) in Heerdt über die Rheinkniebrücke zum Fürstenplatz. 3,5 Promille. Streit mit einem anderen Besuffski. Sicher nicht nur für außenstehende brutal unverständliche Laute – niemand wusste worum es geht. Einmal mit dem Fahrrad von der Mauer (wie kam ich da drauf?) am Domenikuskrankenhaus in die Brombeerbüsche gefallen, auf der Kniebrücke ins Geländer gefahren, im Abfahrrondell über Bande nach unten getrudelt. Das nicht mehr fahrbereite Fahrrad mit Gewalt doch noch bis zum Fürstenplatz gefahren. Völlige Wahrnehmungsstörung. Unterwegs noch zweimal Streit mit anderen besoffenen. Fahrrad, Anzug, Schuhe, Hemd zerstört, Krawatte, Geld, Ausweis weg. Führerschein noch da. In voller Montour 12 Stunden durchgeschlafen. Ich glaube die Hochzeitsparty war auch Klasse! Tom Lemke – RIP.

Dance the night away! Getanzt wird hier: Chateau Rikx

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Bei jedem Fortuna-Spiel

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Die Tiefgarage am Fürstenplatz.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Semmelknödel mit Trüffel (siehe auch Sennhütte)

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Ich mag und schätze diese Mischung aus Provinz und Brooklyn, die Düsseldorfer, den Rhein, die Strände von Lörick bis Himmelgeist, die Fortuna und die Turu – und natürlich die geniale Lage. Besser geht es gar nicht. Nirgends.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Der provinzelle und kleinbürgerliche Habitus der Stadtverwaltung und -planung nervt. Laaaangsame Baustellen, Radfahrnetz-Witz, mutlose Konzepte. Viel zu wenige Orte für Kinder. Viel zu wenig!

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Mich inspiriert alles was ich bewusst wahrnehme. Wie gesagt – ein Gang durch den Hauptbahnhof so gegen 22 Uhr – viel mehr kann Dir das Leben nicht zeigen.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? In der eigenen Familie. Wir haben da ein Kultur-Ding laufen, das heisst: Nicht wegwerfen, sondern weiterbenutzen. Den Rest bei Schäfer, auf ebay, selbst gebaut, Düsseldorfer Möbelhaus in Reisholz, Ikea, auch mal Habitat… ungefähr so.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf?

Carhartt (alles andere ist mir zu teuer zu unpraktisch oder passt mir gar nicht). Pipco’s (weil ich saufe wie ein Loch – es aber schmecken muss). A&O Medien. Früher auch Bornemeyer und Sternverlag (ärgerlich, dass die wech sind)

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Eigentlich interessieren mich die Kunstschaffenden selbst gar nicht so sehr, sondern eher die Resultate. Kai Schäfers Plattenspieler Zyklus, Peter Sawickis New York Serie und ’ne Menge unbekannter Musik…

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Immer noch der Hauptbahnhof

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Nackisch ist schlecht. Bequem ist höchste Priorität. Es wird angezogen was da ist. Levi’s 543, Motörhead T-Shirt, Diadora–Heritage-Sneaker, Carhartt Bomber Jacke. Oder Carhartt Western Jeans, weißes van-Laack-Hemd mit Button-down Kragen, Budapester und Vintage-Sakko von Toni Gard. Was gar nicht geht: Reklame-Klamotten auf denen das Label in 300 Punkt Schrift vorne drauf steht. Everzombie & Bitch, Camp Donald und so Zeugs…

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Nicht laut (also anders als Köln).Leicht ironisch. Temporär.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Austern mit meiner „Tunke“. Am liebsten in der Menge unbegrenzt und jemand der sie mir öffnet. Oder die Trüffelnudel von meiner Frau.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Im XJ 40 Bj. 92 durch die Straßen cruisen, Schiebdach auf, Tom Waits, Kein Handy, keine Termine. Oder gleicher Lauf in meinem XJ6 aus 1977.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Antibes. Oder Berlin.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Ein iPad. Da sind viele Bücher drin. Derzeit lese ich mein eigenes Korrektur.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Ich war schon Jahre nicht mehr im Kino. Viele Filme sind mittlerweile so belanglos, dass ich mich gar nicht erinnern kann – ich glaube der letzte Film war eine Doku über Frank Zappa im Savoy…

Dein All-Time-Favorite-Movie? Two Lane Blacktop oder Down by Law

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Keine Schlager, kein orientalisches Gejammer… Ansonsten alles was irgendwie orignell oder original und liberal ist – Maria – Lemmy – Frank – Tom – Der Captain – Zeppelin – Anne Sophie – Monk – Solti – Charly – Lisa -Moby – kommt halt drauf an…

Dein All-Time-Favorite-Song? Peaches en Regalia (FZ) oder Alice (Tom Waits)

Für welchen Verein schlägt dein Herz? F95 – ohne Backup

Vielen Dank!

Text: Britt Lörcks
Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2017