Little Dragon

Mit ihrem eigenwilligen Stilmix begeisterte das schwedische Quartett Little Dragon in der Vergangenheit nicht nur Musikgrößen wie Damon Albarn, Faith Evans und De la Soul. Little Dragon hat sich über die Jahre seit ihrer Gründung 2009 auch jede Menge Fans in aller Welt gemacht. Im Rahmen des New Fall Festivals vom 16. bis 19. November 2017 trat die Band bestehend aus Yukimi Nagano (Gesang, Percussion), Fredrik Källgren Wallin (Bass), Håkan Wirenstrand (Keyboard) und Erik Bodin (Schlagzeug) im Capitol in Düsseldorf auf. Mit ihrem dritten Album ‚Ritual Union‘ von 2011 erlangte die Band Weltruhm. Im Frühjahr hat die Band ihr fünftes Album ‚Season High‘ herausgebracht. THE DORF traf Håkan (HW) und Fredrik (FW) auf ein Gespräch über Minibusse, Mode und musikalische Inspirationen.

Seit wann seid Ihr in Düsseldorf?

FW: Wir sind heute Morgen mit unserem Bus angekommen, aber man schläft darin nicht so gut.

HW: Deswegen sind wir ziemlich müde.

In Euren Musikvideos spielen auch immer wieder Minibusse eine Rolle. Was habt Ihr für eine Beziehung zu Bussen?

FW: (Lachen) Ja, das stimmt, Busse sind ein wiederkehrendes Motiv in unseren Videos. Das liegt wohl daran, dass wir uns während unserer ersten Tour in Amerika einen kleinen Bus teilten, den wir selbst fuhren. Mittlerweile sind wir mit einem größeren Bus unterwegs.

So ein richtiger Tourbus?

HW: Ja, genau. Wir sind zu einem richtigen Bus aufgestiegen.

Ok, genug von Bussen. Wie würdet Ihr Eure Musik jemandem beschreiben, der sie nicht kennt?

HW: Ich würde sie als einen Fruchtsalat beschreiben.

Eher ein gesunder oder ein süßer?

FK: Definitiv gesund. Ein Mix aus allen Früchten, die man sich vorstellen kann. Und definitiv organic. Und ganz viel Passionsfrucht. Nein, im Ernst. Es ist schwierig unsere Musik zu beschreiben, weil wir einen Mix aus ganz verschiedenen Stilen mögen und vertreten: Indie, Elektro, Soul… unser eigener Mix eben.

HW: Wir haben überlegt, es Pre-Folk zu nennen – auch wenn das keinen Sinn ergibt. (Lachen)

Ihr beiden kennt Euch seit Eurer Schulzeit, wie genau habt Ihr Euch kennengelernt?

FK: Erik und ich waren in der Highschool in einer Klasse und Yukimi kam ein paar Jahre später dazu. Ich bin dann mit etwa 20 Jahren auf eine andere Schule gewechselt und dort habe ich Håkan kennengelernt.

Welche anderen Künstler haben Euch beeinflusst?

FK: Weil wir in Düsseldorf sind, müssen wir natürlich Kraftwerk nennen. Die Band hat einen großen Einfluss auf unseren Stil gehabt.

HW: Ich mag ihren Humor und den Funk.

Dann müsst Ihr, wenn Ihr die Zeit habt, unbedingt in der Mintropstraße vorbeischauen und dem alten Studio einen Besuch abstatten!

FK: Ja, unbedingt. Ist es weit von hier?

Nein, nicht besonders. Ich zeige Euch gleich, wo das genau ist. (Fredrik fotografiert die Karte von meinem Handy ab, Håkan schreibt die Adresse auf.) Und wer außer Kraftwerk hat Euch noch musikalisch beeinflusst?

HW: Sollen wir Prince nennen?

FK: Ja!

HW: Ich weiß, dass Yukimi von der äthiopischen Sängerin Aster Aweke inspiriert ist und von vielen klassischen Soul-Größen: James Brown, Jimi Hendrix, Joni Michell. Ich würde sagen unsere Einflüsse sind Kraftwerk und Jazz und experimentelle Sounds – die tiefliegenderen Schichten. Erik hat eher einen Hiphop-Background, bei ihm sind es Bands wie De la Soul. Jeder bringt seine eigene Inspiration mit. Zusammen ergibt das den Musikstil von Little Dragon.

Wie entstehen neue Songs bei Euch?

HW: Wir schreiben und produzieren alles zusammen. Meist beginnt ein Song mit einem ganz simplen Sketch auf einem Computer von einem von uns. Meistens ist es eher eine Stimmung oder ein einfacher Loop, das reich manchmal schon. Dann spielen wir es einander vor und Yukimi überlegt sich etwas dazu, wir bringen es in eine passende Form und produzieren den Song. Yukimi schreibt auch die meisten Lyrics.

Was fehlt Euch am meisten, wenn Ihr auf Tour seid?

FK: Schlaf.

HW: Die tägliche Routine. Erst freut man sich, dass sie weg ist und dann vermisst man die einfachen Sachen – wie sich zurückziehen können oder seinen eigenen Tagesablauf haben. Ins Fitnessstudio gehen zu können, wenn man möchte.

Wie wichtig ist heute, in Zeiten von Instagram, das Image der Band und in diesem Zusammenhang die Mode?

HW: Wir haben Stylisten, die uns einkleiden. Zum ersten Mal haben wir auf dieser Tour personalisierte Outfits, die eine Stylistin aus Göteborg für uns macht. Yukimi hat ihre Arbeit auf Instagram entdeckt und sie hörte auch unsere Musik, also hat das ganz gut gepasst. Authentizität ist wichtig, egal ob bei der Musik oder beim visuellen Stil.

Schaut ihr Euch eine andere Band des New Fall Festivals an?

HW: Leider haben wir dazu keine Zeit, weil wir morgen schon wieder ein Konzert in Belgien haben. Wenn es nicht gleichzeitig mit unserem Konzert wäre, würden wir uns Austra ansehen.

Welches Konzert habt Ihr zuletzt besucht?

(Lange Denkpause)

HW: Puh, ich glaube, das war bei der Rockband meines Bruders. Im vergangenen Frühling, also letztes Jahr, nicht dieses. (lacht)

FK: Ich denke, das war bei einem Festival, bei dem wir auch aufgetreten sind – in San Francisco. Die Gorillaz sind nach uns aufgetreten, das haben wir uns angesehen. Und natürlich unsere Support Bands – aber das ist schon lange her, dass ich bewusst zu einem Konzert gegangen bin.

Mit den Gorillaz habt ihr zusammengearbeitet, ebenso wie mit De la Soul, SBTRKT und kürzlich mit Faith Evans. Könnt Ihr ein bisschen etwas über Eure Kollaborationen mit diesen Künstlern erzählen?

FK: Was willst du genau wissen?

Wer war am coolsten? Nur ein Spaß. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

FK: Faith Evans ist ziemlich cool. (lacht)

HW: Wir hatten einen Song, an dem wir lange gearbeitet haben und der immer wieder neue Richtungen einschlug – am Ende haben wir dann nichts damit gemacht. Unser Manager meinte aber, wir müssten etwas damit machen. (lacht) Dann kam Yukimi auf die Idee, Raphael Saadiq zu bitten, den Song zu retten. Außerdem hatte sie die Idee, eine zweite Stimme könnte dem Song guttun. Wir überlegten, wen wir fragen könnten und da wir alle große Fans von Faith Evans waren, fragten wir sie und sie sagte ja. Wohl auch deshalb, weil ihre Kinder Fans von uns sind. So entstand Peace of Mind mit Faith Evans.

Und die Gorillaz? Die spielen am Samstag übrigens auch in Düsseldorf.

HW: Da war es Damon Albarns Frau, die unsere Musik gut fand. Sie schlug uns für eine Kollaboration vor. Das war schon ziemlich cool.

FK: Wir sind also zu ihm ins Studio und jammten dort ein bisschen. Es gab zwei Songs, die wir für passend hielten. Yukimi hat sich die Vocals ausgedacht. So kam das zustande.

Könnt ihr sagen, was das Highlight Eurer bisherigen Karriere war?

HW: Wir sind mit den Gorillaz auf Tour gegangen. Die Leute, die darin involviert waren, waren ziemlich legendär: Paul Simonon und Mick Jones von The Clash waren da, De la Soul, Bobby Womack, der leider vor ein paar Jahren gestorben ist, war in unserem Bus. Und diesen August spielten wir im Apollo Theater in New York – das war bestimmt eines unserer Highlights – so eine legendäre Location.

Vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen Euch viel Spaß und einen legendären Auftritt auf dem New Fall Festival.

Little Dragon’s aktuelles Album “Season High” ist im Shop
sowie auf iTunes, Amazon und allen gängigen Plattformen erhältlich.

 

Text: Barbara Russ
Fotos: Sabrina Weniger (Interview) | Robin Hartschen (Konzert) 
(c) THE DORF 2017