Review • Open Source Festival 2017

Am Samstagabend um 22 Uhr dachte sich ein Aachener, dass er sich doch eigentlich auch noch gerne den Aufritt von Trentemøller auf der Mainstage des Open Source Festivals ansehen würde. Das Ende des Festivals war für 23 Uhr angesetzt, aber das war dem jungen Mann egal. Zum Glück: Denn er kaufte die letzte Karte am Eingang zur Düsseldorfer Galopprennbahn und sorgte dafür, dass das elfte Open Source Festival offiziell ausverkauft war.

„Mit dem diesjährigen Festival haben wir ein neues Level in der Geschichte des Open-Source-Festivals erreicht“, sagt Philipp Maiburg, künstlerischer Leiter. „7.000 Besucher über den Tag verteilt; das hat unsere Vorstellung übertroffen.“ Aber noch mal von Anfang an. Es fängt bereits mit dem perfekten Wetter an. Das ist in diesem Jahr nicht zu warm, nicht zu kalt. Ein Schaumwein zum Benetzen der Lippen, eine Bahnfahrt weiter und schon surft man auf der Open-Source-Welle. Erstes Highlight: die Tickets bei den bezaubernden Bienefeld-Schwestern abzuholen. Die sitzen jahrein, jahraus, freundlich lächelnd in ihrem Kassenhäuschen, während die Festivalbesucher der Dolce Vita frönen. Und das bereits seit genau 10 Jahren. Ein kleines Jubiläum sozusagen.

Warum empfindet man direkt bei der Ankunft so ein wohlig, angenehmes Gefühl? Es ist die Liebe zum Detail, die das Festival so besonders macht. Ästhetik ist vielleicht das richtige Wort. Diese zieht durch die gesamte Veranstaltung, mal abgesehen von den Dixie Toiletten. Die Macher des Festivals haben ihr eigenständiges Format konsequent weiterentwickelt, abseits des Mainstreamfestivalmarktes. Jeder, der hier beteiligt ist, gibt sich Mühe, rotzt die Dinge nicht einfach so hin, sondern macht sich Gedanken. Es liegt nicht nur an der illustren Musikauswahl, sondern auch an der Kunst, die einem überall begegnet. Die sorgfältig ausgewählte kulinarische Verpflegung rundet diesen Eindruck ab. Es scheint fast, als hätten vor der Veranstaltung alle Gäste einen „Wir machen uns einen schönen Tag und haben uns alle lieb Drink“ zu sich genommen. 7.000 Menschen die einfach eine gute Zeit zusammenhaben, untermalt von hervorragender Musik.

Da war zum Beispiel Ogoya Nengo And The Dodo Women’s Group auf der Carhartt Bühne, die in diesem Jahr erstmalig vom Künstler Tim Berresheim gestaltet wurde. Ogoya Nengo And The Dodo Women’s Group habe übrigens gerade ihr zweites Album „On Mande“ auf dem Label „TAL“ des Düsseldorfer Musiker, Künstler und Produzenten Stefan Schneider veröffentlicht. Die Stimme des Afrikaners Ogoya Nengo versetzt einen auf mystische Weise in eine Art Kurzzeittrance. Aus diesem holt einen dann die Antilopen Gang auf der Hauptbühne schnell wieder zurück. Bevor die Boys die Stage stürmten, ertönt Queens „We are the Champions.“ Wenn man an der richtigen Stelle steht, könnte man beobachten, wie die Jungs sich hinter der Bühne ritualistisch im Kreis formieren, um sich auf ihren Auftritt vorzubereiten. Tiefstapeln war gestern.

Seit Samstag hat die Band Love Maschine einen Fan mehr: Unsere Redakteurin Britt. Nicht nur wegen des wohlklingenden Namens, sondern auch wegen ihrer Musik. Sie könnten von der US-amerikanischen Westküste stammen und liefern einen wunderbar abwechslungsreichen, kosmischen Soundteppich ab. Ein bisschen Kraut, ein bisschen Pop, ein bisschen Space.

Circa zehn Stunden später treffen wir einen alten Bekannten auf dem Weg zur Bahn. Wir entscheiden uns gemeinsam ein Taxi zu nehmen und wollen wissen: „Was hast Du denn auf dem Open Source gemacht?“ Die Antwort: „Mein Sohn ist da aufgetreten, er spielt bei Love Maschine.“ Love Maschine kommt also aus Düsseldorf und nicht aus San Francisco.

Nach einem letzten zufälligen Drink mit Mount Kimbie (super Jungs) an der Hotelbar fallen wir glücklich und platt ins Bett. Danke Philipp und Team für einen perfekten Tag, das Ticket für den 14.07.2018, der Termin im nächsten Jahr ist bereits gebucht.

Text: Britt Lörcks
Fotos: Robin Hartschen
© THE DORF 2017

 

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