gattogiallo

the-dorf-gattogiallo-title

Die meisten Düsseldorfer zieht es in den Sommerferien vermutlich ans Meer, manche klettern im Gebirge, einige bleiben in der Stadt. Aber man wird so schnell keine zweite Person finden, die die schönsten Wochen des Jahres so verbringt wie Lai Yee Sammarro-Leung: Die Inhaberin des gattogiallo, einem bildhübschen Feinkostladen mit Mittagstisch, klappert in ihrem Urlaub lokale Erzeuger in Kalabrien ab, der südlichsten Region Italiens direkt an der Stiefelspitze. Sie besucht Käsereien, Olivenölproduzenten, Bioschweinzüchter, schaut sich in einem Waldstück Wildschweine an und fährt kleine Weingüter ab. Immer auf der Suche nach neuen Köstlichkeiten, die sie ins Sortiment des gattogiallo aufnehmen kann. In ihrem Geschäft unweit des Spichernplatzes gibt es ausschließlich Produkte aus der Grenzregion zwischen Kalabrien und der Basilikata, der Gegend, aus der Lais Mann Gianni Sammarro stammt. „Giannis Eltern haben uns immer ‚Care-Pakete’ mit Lebensmitteln aus der Heimat geschickt“, erzählt Lai. „Und irgendwann haben wir gedacht: Die Produkte sind so toll, die müsste man eigentlich einem größeren Publikum zugänglich machen.“

Im Dezember 2012 wurde aus der Idee Wirklichkeit, und nun ist das gattogiallo eine Top-Adresse für zahllose Delikatessen, die es sonst nirgendwo in Düsseldorf zu kaufen gibt, viele davon nicht einmal in Deutschland. Die Produkte aus Kalabrien werden ausschließlich in kleinen Manufakturen produziert und sind teils Slow-Food-zertifiziert, darunter Käse, Wurstwaren, eingelegtes Gemüse, Olivenöl, Wein und Pasticcini. Nichts ist industriell gefertigt, vieles hat Bio-Standard. Auf die Herkunftsgarantie der Waren kann sich der Kunde blind verlassen, schließlich kennen Lai und Gianni die Betriebe der Erzeuger in- und auswendig. „Wir haben in dem Sommer vor der Eröffnung Käse und Wurst bis zum geht nicht mehr probiert“, so Gianni. „Da gab es einen Punkt, wo uns fast nichts mehr gut genug war.“

Giannis Bruder Luca, der im kalabrischen Sibaritide lebt, ist ebenfalls mit im Boot: Er hält den ständigen Kontakt zu den Produzenten, sammelt die Ware vor Ort ein und verschickt sie per Spedition nach Düsseldorf. Zum Beispiel wilden Berg-Oregano, hochwertigste Olivenöle, Linsen und runde Bohnen aus Mormanno („Die sind handgepflückt und schmecken umwerfend, wie Butter!“), Käse, der in einer Grotte gereift ist, Wurst und Schinken vom „Suino Nero di Calabria“, einer alten Rasse von schwarzen Schweinen, die im Hochgebirge ganzjährig auf der Weide gehalten werden, Lakritz von Amarelli aus Rossano, der so süß ist, dass zur Herstellung kein Zucker benötigt wird, oder frisches Gebäck wie Pasta di mandorla. Lais Leidenschaft für das, was sie tut, ist ihr in jedem Moment anzumerken: „Ich liebe es, mit Kleinproduzenten zusammenzuarbeiten, die alte und seltene Nutztierrassen züchten, traditionelle Verarbeitungsmethoden anwenden oder wilde Gemüsesorten verarbeiten, die sonst kaum noch gesammelt werden – kurzum Leute, die sich Mühe geben, das Beste hervorzuholen, das die Natur dieses Gebiets hergibt.“

Bevor Lai das gattogiallo eröffnete, hat sie viele Jahre als Architektin gearbeitet. Doch der Berufswechsel kam vermutlich nicht von ungefähr: Das Gastro-Gen ist in der Familie der 44-Jährigen stark ausgeprägt. Lais Vater, der mittlerweile wieder in Hongkong lebt, hat über 30 Jahre in asiatischen Restaurants in Düsseldorf als Koch gearbeitet, ihr Bruder ist Mitinhaber der Solo-Bar. Lai liebt nicht nur gute Lebensmittel, sondern ist auch eine begnadete Köchin. Im gattogiallo bietet sie täglich zwei Gerichte zum Mittagstisch an, eins davon ist stets vegetarisch. Die Basis bilden die kalabrischen Produkte, die es auch im Laden zu kaufen gibt, den Rest holt sie sich von Bauernmärkten in Düsseldorf – etwa frisches, saisonales Gemüse aus der Region. Damit kocht sie dann zum Beispiel Frittata di Patate mit Gemüsesugo und Salat, gratiniertes Gemüse mit Rindfleisch und Farfalle, Pasta mit grünem Spargel und Zitrone oder auch Spaghetti mit Ragù alla Bolognese und Honigmelone.

Alles in allem ergibt das eine Küche, die man vielleicht weniger aus Restaurants als vielmehr von süditalienischen Familienessen her kennt und die durch die frischen hiesigen Zutaten ein deutliches rheinisches Kolorit erhält. „Den Stilmuseintopf gibt’s bei mir zum Beispiel mit italienischer Salsiccia statt mit Mettwurst“, erklärt Lai lachend. Wer nur wenig Hunger hat, lässt sich ein typisch süditalienisches Hirtenbrot namens „Frese“ belegen – zum Beispiel mit Tomaten/Mozzarella, Schinken oder eingelegtem Gemüse. Oder gönnt sich zum köstlichen Aiello Caffè ein Stückchen selbstgebackenen Kuchen.

Und nach jedem Ma(h)l schnurrt man selig wie das gelbe Kätzchen, das Namensgeberin dieses Bilderbuchlädchens ist – eine ironische Anspielung auf die chinesisch-italienische Herkunft von Lai und Gianni …

Was gibt es nur bei Euch? Was zeichnet Euch aus? Für viele unserer Produkte sind wir in Deutschland die einzigen Anbieter.

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Da müsste man unsere Freunde fragen …

Was sagen Eure Feinde über Euch? Welche Feinde?

Was bringt die Zukunft? Viele neue kulinarische Entdeckungen und weiterhin große Freude an der Sache.

Eure liebsten Nachbarn? Alle, die in Zukunft unser Eckchen in Derendorf bereichern werden.

Vielen Dank!

Fotos: Sabrina Weniger
Text:
Marita Ingenhoven
© THE DORF 2015

gattogiallo

Geistenstraße 14a
40476 Düsseldorf

Tel: 49 211 779 292 59

Webseite • Facebook

Öffnungszeiten

Di-Fr: 10:00-15:00 Uhr
Sa: 10:00-14:00 Uhr

Zahlungsmöglichkeiten

Bar & EC-Karte