Besuch von Fettes Brot

the-dorf-besuch-von-fettes-brot-6

Unterhaltung mit Haltung!

Besuch aus dem hohen Norden: Am 12. November spielten die Jungs von Fettes Brot in der Mitsubishi Electric Halle. THE DORF sagt: Respekt! Die Jungs lieferten ordentlich ab, denn selten war es so voll, ausgelassen und hitzig in der Konzerthalle wie an diesem Donnerstagabend. Wir trafen König Boris, Björn Beton und Dr. Renz vor dem Konzert im Backstagebereich und sprachen mit ihnen über Klischee-Düsseldorfer, die Antilopen-Gang und ihr neues Album „Teenager vom Mars“, das im September 2015 veröffentlich wurde.

Willkommen im Dorf! Zum ersten Mal hier?

König Boris: Wir haben schon öfter hier gespielt.

Björn Beton: Zum Beispiel in der, wie heißt die Halle nochmal, Philippshalle? Ach ne, das ist ja hier.

König Boris: Wir haben letztens in einem ganz kleinen Club hier gespielt, im zakk. Als Vorbereitung auf Rock am Ring und Rock im Park.

Dr. Renz: Vorher waren wir auch schonmal hier. Ich weiß nicht mehr, wie die Halle hieß, aber ich erinnere mich genau daran, dass Anke Engelke vorbeigekommen ist. Und sie hat uns von ihr und ihrer Tochter selbstgebackene Muffins mitgebracht. Deshalb haben wir uns immer sehr willkommen geheißen gefühlt hier in Düsseldorf.

Ihr spielt in euren Songs oft mit Klischees oder zumindest „Überzeichnungen“. Der Düsseldorfer wird ja immer gerne auf Schicki-Micki und Kö reduziert. Wie sieht euer Klischee-Düsseldorfer aus? Habt ihr ein spezielles Bild im Kopf?

Dr. Renz: Ich muss ehrlich zugeben, dass mir bis vor kurzem dieses ganze Wohlhabend-, Posh-, Feini-Feini-Gesellschaft- und Königsallee-Ding gänzlich unbekannt war. Bis ein Freund meines Bruders nach Düsseldorf gezogen ist und hier Karriere macht – und wahrscheinlich genau mit solchen Leuten zu tun hat. Vorher kannte ich diese Klischees überhaupt nicht und ich hatte eher Die Toten Hosen und Fortuna Düsseldorf auf dem Schirm. Für mich war Düsseldorf immer eher eine gemischte Arbeiterstadt als eine noble Stadt. Wenn es um eine noble Stadt geht, die mit reichen Menschen angibt, dann hab ich da eigentlich immer eher München im Verdacht als Düsseldorf.

König Boris: Ich war schon mehrfach mit St. Pauli im Stadion und hab mir die Auswärtsspiele in Düsseldorf angeguckt. Ich war sogar am 11.11. mal in der Altstadt feiern. Ja wirklich – das war krass. Und in den 80ern war die Stadt ja recht groß wegen der Musikszene. Ich weiß gar nicht, welche Bands das alle waren. Ist Mittagspause auch von hier? Kraftwerk ist von hier!

Dr. Renz: Ja, viele Punkbands sind von hier.

Ja, der Ratinger Hof gilt als Geburtstätte des deutschen Punks.

Dr. Renz: Vielleicht müsst ihr Touren anbieten. Oder gibt es das schon? So wie in Hamburg die Beatles-Touren, wo die historischen Orte  der Beatles gezeigt werden. Hier wären das dann Touren, auf denen gezeigt wird, wo die deutsche Punkmusik ihren Ursprung hat.

Gute Idee! Ihr seid nach 20 Jahren ja sehr tourerfahren. Was unterscheidet das Düsseldorfer Publikum vom Publikum in anderen Städten? Kann man ein Schema erkennen? Also sprich: In München stehen sie alle nur mit dem Champagnerglas rum, die Düsseldorfer sind voll langweilig und in Köln geht’s voll ab? Kann man überhaupt sagen, dass das Publikum in unterschiedlichen Städten gewisse klischeehafte Eigenschaften aufweist? Oder ist das einfach abhängig von der Stimmung oder Location?

Björn Beton: Eigentlich kann man das nicht sagen. Grundsätzlich zeichnen sich die Menschen, die zu unseren Konzerten kommen, durch einen großen, sehr feinen und spezialisierten Musikgeschmack aus. Einen wirklich sehr guten Musikgeschmack. Wir sind sehr verwöhnt, dass der große Radiosender EinsLive uns sehr viel spielt, uns über Jahre supportet und wir auch schon einige Kronen gewinnen durften.

Dr. Renz: Und aktuell auch wieder nominiert sind! Man kann uns wieder wählen. Also wählt uns ruhig nochmal als „Beste Band.“ (Gelächter) Hier geht’s zum EinsLive Voting…

Björn Beton: Dadurch merken wir in jedem Fall, dass die Hallen im Sektor immer extravoll sind, so wie heute Abend auch in Düsseldorf oder ähnlich wie in Eurer Partnerstadt Köln. Da kommen wirklich immer extraviele Leute. Da merken wir schon, dass gewisse Gebiete „wow“ sind, wo’s dann halt auch mal richtig explodiert.

Dr. Renz: Ich glaube, wir haben relativ früh gemerkt, dass diese Klischees, die man über bestimmte Bundesländer oder über bestimmte Städte hat, sich relativ schnell wieder in Luft auflösen. Klar überlegt man manchmal: Waren die Schweizer heute wieder ein bisschen langsamer als die Deutschen? Man überprüft diese Klischees schon ein wenig.

König Boris: Unser erstes Konzert der Tour war in Zürich – das war dann wirklich alles andere als zurückhaltend!

Björn Beton: Die Züricher würden ja auch niemals selber von sich sagen, dass sie langsam sind – die würden das dann eher von den Bernern behaupten. Man könnte ja mal so einen großen Städtetest machen: Wir müssten mit verbundenen Augen in einem Bus durch ganz Deutschland reisen und spielen dann in irgendeiner Stadt. Wir wissen nicht, wo wir sind und müssen danach Tipps abgeben, wo wir gerade gespielt haben.

König Boris: Finde ich gut. Generell finde ich es gut, wenn Klischees über Städte oder die sogenannten Städtefeindschaften spielerisch gemeint sind. Wenn es irgendwie anfängt, ernsthaft zu werden und man sich tatsächlich für besser hält, weil man irgendwo herkommt, dann wird es kritisch. An uns klebt ja auch das Norddeutsche, wir erzählen viel von Zuhause. Aber wir sind weit davon entfernt, ernsthaften Lokalpatriotismus zu betreiben. Da kommen wir her, das finden wir schön, da kennen wir uns aus, Punkt.

Nur, weil wir immer ein paar Krabben im Mundwinkel hängen und nen Aal in der Tasche haben, sind wir noch lange keine Patriotisten.

Björn Beton: Ich würde mich tatsächlich sehr freuen, wenn heute Abend auch ein paar schicke Damen der Königsallee zu unserem Konzert kommen würden. Frauen mit Fuchs um den Hals, Leopardenweste, Spiegelsonnenbrille und so. So eine kleine Partycrowd, die die ganze Zeit Prosecco trinkt.

König Boris: Das sind doch wir!

Jetzt habt ihr mir meine nächste Frage quasi schon beantwortet. Die wäre nämlich gewesen: Was erhofft ihr euch vom heutigen Abend?

Dr. Renz: Wir hätten das eigentlich so machen müssen: Wir hätten VIP-Tickets für 275 Euro verkaufen müssen für eine Speziallounge oder Loge. Mit goldenem Bauarbeiterband abgesperrt, damit man unter sich ist. Man muss dann den ganzen Abend in dieser Kabine bleiben und irgendwo in der Ecke hängt ein kleiner Fernseher, auf dem man das Konzert sehen kann. Und alle Folgen von Miami Vice laufen. Und wenn die dann zurück zu ihrem Auto kommen, sind alle Mercedes Sterne ab. (Gelächter)

Björn Beton: Zurück zu deiner Frage: Wir erwarten uns ne wilde Party. Wir sind auch wirklich schon ein bißchen aufgeregt. Ich glaube, das wird ziemlich geil, voll und hitzig hoffentlich auch. Wir haben bis jetzt in Düsseldorf nur gute Erfahrung gemacht.

König Boris: Und wir haben uns auch ein bisschen was ausgedacht, so ist es ja nicht.

Da sind wir sehr gespannt. Große oder kleine Konzertvenues – kann man sagen, was ihr lieber macht?

Dr. Renz: Nein, das kann man überhaupt nicht sagen. Das hat alles Vor- und Nachteile.

König Boris: Alles ist schlimm. (Gelächter)

Dr. Renz: Nein, es hat wirklich alles Vor- und Nachteile. Vor vielen Leuten zu spielen, wenn die Venues groß sind wie beispielsweise hier heute Abend, das ist natürlich schon beeindruckend. Es entwickelt sich eine gewisse Eigendynamik und es ist extralaut. Dafür bekommt man dann von der Bühne aus nicht so viele Leute mit. Das ist in kleineren Hallen, wie in Luxemburg gestern, anders. Dort hat man ein bisschen schneller den direkten Kontakt. Auch wenn die Hallen groß sind, versuchen wir immer eine Stimmung zu schaffen und die Leute, die weiter weg sind, ebenfalls mit einzubeziehen. Wir wollen alle Leute erreichen, die da sind. Niemand soll uns entkommen. Auch die mit den VIP-Tickets nicht.

Zum Thema Tour kommen wir nicht drum herum, über euren Support zu sprechen, die Antilopen Gang, da sie ja quasi Düsseldorfer sind. Warum habt ihr sie mitgenommen? Spielte Geld oder Freundschaft eine Rolle? Spaß – was schätzt ihr an den Antilopen?

König Boris: Wenn wir auf Tour gehen, sprechen wir vorher drüber und fragen uns, wen wir mitnehmen wollen. Das sind dann immer die Bands, die wir aktuell gut finden und die vielleicht noch nicht so viele Leute kennen. Die fragen wir dann an.

Dr. Renz: Das Leben ist für Fettes Brot manchmal eben doch ein Wunschkonzert. Wir wünschten uns für die Tour die Antilopen Gang oder aber auch Fatoni herbei. Nein, wir haben natürlich ganz höflich gefragt, ob sie Lust hätten mitzukommen. Das ist ja auch eine Chance, mal vor einem neuen und anderen Publikum zu spielen. Wir kannten uns vorher nicht. Wir haben tatsächlich also ganz offiziell über Managementwege und Co. angefragt.

König Boris: Obwohl wir uns vorher schonmal in Hamburg bei einem Konzert getroffen haben.

Björn Beton: Wir haben uns direkt eingeschleimt. Wir haben die Antilopen Gang und Fatoni, den anderen Support auf der Tour, eigentlich über deren gemeinsames Lied Vorurteile Teil 2 kennengelernt.

König Boris: Wir haben dann Teil 3 gemacht.

Björn Beton: Das Lied fanden wir so toll und haben uns dann überlegt, dass wir eine Coverversion draus machen und wir den Faden noch ein wenig weiterspinnen. Wir haben dann selbst Texte dazugeschrieben und sie damit überrascht. Wir waren sehr gespannt, wie sie das finden würden. Ich glaube, sie waren sich auch erst nicht ganz sicher, ob das ganze ein Kompliment oder ein Diss sein soll. Dann haben sie schnell gemerkt, dass wir es aus reinem Fan-tum getan haben. Insofern waren die Türen gleich weit offen, wir konnten uns kennenlernen und uns gut finden. Wir haben uns im Hafenklang in Hamburg beim Antilopen Konzert getroffen, einen zusammen getrunken und ziemlich schnell realisiert: Das könnte was werden. Und es ist tatsächlich so: Wir verstehen uns sehr gut.

Haben die Antilopen euch denn heute was von der Stadt gezeigt oder war dazu keine Zeit?

König Boris: Ne, heute war nicht so viel Zeit. Bißchen schade fast.

Björn Beton: Ich bin mit dem Rad rumgefahren. Auf eigene Faust. Und eigene Gefahr.

Durchs gefährliche Oberbilk!

Björn Beton: Ich bin tatsächlich bis zur Königsallee gefahren und habe dort was eingekauft.

Dr. Renz: Ich bin zu Fuß einkaufen gegangen und habe mir eine Zahnbürste gekauft. Eine goldene! Bei Rossmann. Auf der Kölner Straße.

Um jetzt mal zum Album zu kommen: Teenager vom Mars. Wer bitte hat sich diesen Namen ausgedacht?

Alle: Wir!

Dr. Renz: Den haben wir uns ausgedacht. Die ursprüngliche Idee war, eine EP zu machen, also eine Mini-LP mit 5-6 Songs. Irgendwann im Dezember letzten Jahres haben wir dann festgestellt, dass das gar nicht so eine wirklich wahnsinnig schlaue Idee ist. Man könnte ja einfach mal weitermachen und eine LP draus machen. Und genau zu dem Zeitpunkt ist der Song Teenager vom Mars entstanden. Das Instrumental dazu gab’s schon eine ganze Weile. Als der Song sich entwickelte, haben wir gedacht, dass es eine tolle Perspektive und tolle Idee ist, die ganze Platte unter das Motto „Teenager vom Mars“ zu stellen. Wie wäre das, wenn Außerirdische, die sich selbst als Teenager empfinden, so aussehen oder sich so benehmen auf die Erde kommen würden, was würde ihnen auffallen? Das fanden wir spannend, sowohl für den Song, als auch den Albumtitel. Wie Teenager vom Mars fühlen wir uns auch oft – wie Außerirdische, die herkommen und sich etwas kopfschüttelnd wundern, wie die Menschen so drauf sind.

Björn Beton: Unsere ganze kreative Abteilung, unser ganzes direktes Umfeld, eben alle, die bei uns mitdenken in punkto Grafik und Coverdesign, fühlten sich von „Teenager vom Mars“ gleich sehr angesprochen. Und da war klar, dass es das wird.

In welcher Situation oder in welcher Stadt habt ihr euch schonmal wie ein Teenager vom Mars oder wie ein Alien gefühlt?

König Boris: Das sind bestimmte Dinge, die ich nicht verstehen kann. Also zum Beispiel, wie man „Bauer sucht Frau“ gut finden kann. Oder warum andere Leute Probleme damit haben, wie andere Leute leben und die nicht in Ruhe lassen können. Oder was Leute für einen schlechten Musikgeschmack haben. Das sind verschiedenste Dinge, die ich beobachte, wenn ich durch die Welt gehe und mich frage: Warum ist das jetzt so?

Björn Beton: Es ist ja unsere Aufgabe als Künstler, so begreifen wir es zumindest, die Welt zu beobachten, Veränderungen festzustellen und Sachen, die uns missfallen, hervorzuheben oder dazu unseren Senf abzugeben.

König Boris: Oder aber zu Sachen, die uns gefallen. Es ist ja nicht alles nur negativ.

Björn Beton: Ja klar, aber jetzt geht es ja gerade um die Sachen, wo wir uns sozusagen fremd fühlen und das Gefühl haben, da läuft eine Entwicklung gänzlich in die falsche Richtung. Ich finde, da hat die erwachsene Generation schon wieder ziemlich viel Scheiße gebaut und die jungen Leute werden teilweise des Desinteresses bezichtigt. In Wirklichkeit haben es gerade die Älteren schon wieder ganz schön verbockt. Mal gucken, was die Teenager jetzt damit anfangen. Auf jeden Fall sind die Karten aktuell erstmal schlecht gemischt. Umso erstaunlicher ist, dass die junge Generation so viele tolle Energie und Ideen hat.

Mir persönlich gefallen die „Oldschool-Beats“ bei „Alle hören jetzt Schlager“ oder „Meine Stimme“ sehr gut. Könntet ihr eure Lieblingstracks auf dem Album benennen? Geht das überhaupt, weil man ja alles selber gemacht hat?

König Boris: Schwierig – es ist ja so, dass wir noch viel mehr gemacht haben als das, was auf der Platte drauf ist. Insofern haben wir die Sachen, die uns nicht ganz so gut gefallen haben, schon vorher aussortiert. Dann wechselt es auch stündlich, welches Lied einem am besten gefällt. Aber dass man jetzt ein Spezielles rausnimmt, ist schwierig. Es ist eher live so, dass du am Abend auf der Bühne merkst: Oh, der Song macht gerade richtig Spaß. Eigentlich gefallen uns die Sachen alle ganz gut.

Für das neue Album habt ihr ja mit Künstlern wie Fatoni, Felix Brummer von Kraftklub oder Kryptik Joe von Deichkind zusammengearbeitet – mit wem würdet ihr gerne in der Zukunft zusammenarbeiten. Wer steht auf Eurer Wunschliste? Sowohl national als auch international?

Björn Beton: Du hast vorhin mal Stevie Wonder erwähnt. Also, wenn der mal Lust hätte, was mit uns zusammen aufzunehmen… Ich glaube, da hätte ich schwer Bock drauf.

Dr. Renz: Ich glaube nicht, dass wir aktuell einen Künstler konkret im Auge haben. Aber ich glaube, wenn sich irgendwer mal meldet, bestimmte andere Künstler, hätten wir schon Interesse daran. Es gibt eine Menge Künstler, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte.

König Boris: Bei dieser Platte haben wir aufgrund des Engagements von Robbie Williams bei VW und seinem Werbeclip auf schlechtem Deutsch überlegt, ob es nicht mal eine interessante Kollaboration wäre, einen Rap-Song mit Robbie Williams aufzunehmen.

Dr. Renz: Ja, das wollten wir gerne.

König Boris: Ja, aber das hat nicht ganz funktioniert. Leider.

Dr. Renz: Bisher. Wer weiß.

König Boris: Wir haben uns nicht zurückgemeldet. Die Mailbox war voll.

Björn Beton: Wir konnten sein Deutsch einfach nicht verstehen. Es war zu schlecht.

Was läuft gerade bei euch im Autoradio oder auf dem Plattenteller oder in der Playlist?

Dr. Renz: Die Platte von Fatoni. Und natürlich auch das neue Mixtape der Antilopen Gang, was seit heute erhältlich ist. Ist ja kein Wunder, die mögen wir ja nun mal wirklich.

König Boris: Verschiedenstes Zeug. Gestern Abend beispielsweise hab ich Jacques Brel angemacht im Bus. Für die melancholische Stimmung.

Dr. Renz: Ich kann auch mal gucken, was ich als letztes angemacht habe. (Schaut in sein Handy).

Björn Beton: Bei mir kommt Ace of Base als erstes. Hmm.

Dr. Renz: Bei mir lief Fatboy Slim als letztes. Praise you.

Auch schön. Zur Einstimmung auf das Konzert. Mit dem Tanz aus dem Video dazu.

Dr. Renz: Das stimmt, das könnte man heute vor der Show nochmal anmachen.

König Boris: Gestern Abend vor der Show lief THE CURE. So ein Zeugs halt.

Dr. Renz: Alles durcheinander eben.

König Boris: Querbeet und quer durch den Garten. Das darf man ja eigentlich nicht so sagen, das klingt so wahllos. Das ist es nicht. Es geht ja durch unseren gemeinsamen Geschmacks-Kanon. Unser musikalischer Horizont ist da schon recht groß.

Björn Beton: Wenn gar nichts mehr geht, dann spielen wir Wham. Das geht eigentlich immer.

König Boris: Jupp. Club Tropicana, Badehose an, bunte Getränke mit Schirmchen, zack.

Wie würdet ihr den Sound Eures Albums beschreiben – in kurzen, knappen Worten?

Dr. Renz: Ausserirdisch gut.

Björn Beton: Ja, gefällt mir.

König Boris: Fettes-Brot-Musik.

Björn Beton: Like.

Warum sollte man Euer Album kaufen?

König Boris: Warum? Weil es gut ist! Unterhaltung mit Haltung!

Björn Beton: Weil es einen an die Hand nimmt und einen mitnimmt auf eine ganze Reihe interessanter und spannender Musiken und Gedankengänge.

König Boris: Und feiern kann man auch darauf. Eigentlich: Das perfekte Album. (Gelächter)

Ich bin beim Hören des Albums im Speziellen über den Track „Ganz schön Low“ gestolpert, der sich unter anderem mit der Ausländerthematik bzw. mit den „besorgten Bürgern“ auseinandersetzt. Was ist eure Message an diese Menschen?

König Boris: Ich weiß nicht, ob es eine Message gibt. Ich habe den Track aus dem Affekt geschrieben, weil ich einfach die Schnauze voll hatte von den ganzen Pegida-Arschlöchern und den ganzen Biedermeiern, die da rumlaufen. Die so dumm, so dumm sind, einfach nichts verstehen und so viel Mist reden. Das ist eben ein Privileg, was man hat, wenn man Musiker ist: Man kann sich einfach mal die Wut von der Seele schreiben. Das ist alles schrecklich. Es sind leider verkümmerte Seelen. Denen muss ganz laut und deutlich gesagt werden, dass sie Scheiße reden und sie bitte in die Löcher zurückkriechen sollen, wo sie hergekommen sind. Man darf ihnen nicht das Gefühl geben, dass ihre Meinung etwas wert ist.

Dr. Renz: Ich finde, der Satz: „Ganz schön low“ trifft es schon ganz gut. Im besten Falle tut das ja ein Refrain, dass er alles auf einen Punkt bringt. Und genau das ist es – es ist echt ganz schön low. In vielerlei Hinsicht. Nicht intelligent, nicht schlau, es ist einfach nur mies, einfach nur ganz low.

Björn Beton: Diesen armen Menschen fehlt halt das, wo andere Mitgefühl entwickeln können. Ich verstehe nicht, wie man Menschen, die aus Krieg und Lebensgefahr zu uns flüchten, dabei ihr Leben aufs Spiel setzen, kleine Kinder auf dem Arm tragen, wie man sie bezichtigen kann, dass sie sich aus Faulheit in unser soziales Nest legen wollen und keinen Bock haben zu arbeiten. Dümmer geht’s nicht. Das ist einfach nur eine Aneinanderreihung von Dummheit.

Früher hatten wir mehr das Gefühl, dass man diese Menschen irgendwie ernsthaft bekehren kann mit Musik. „Denk doch mal da drüber nach“ oder „Wie wärs denn mal von dieser Seite betrachtet“. Ich möchte jetzt nicht alle abschreiben, die mal auf dem falschen Weg gelandet sind. Vielmehr geht es darum, das Gefühl zu vermitteln, dass wir, die die anders denken und für unser Empfinden den richtigen Blick auf die Welt haben, wir mehr sind und wir alle zusammen lauter und stärker sind als die ganzen Arschgeigen.

Ein schönes Schlusswort. Vielen lieben Dank für das Interview.

Das neue Album Teenager vom Mars ist online im Merchandising Shop von Fettes Brot, bei iTunes oder dem Plattenladen Eures Vertrauens erhältlich.

Text & Interview: Tina Husemann
Fotos: Robin Hartschen
© THE DORF 2015