KUMSITZ @ KIT – KUNST IM TUNNEL

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Komm, sitz und betrachte

„Kumsitz“, ein multikulturelles Sprachphänomen, das auf hebräisch Lagerfeuer heißt und sich mit dem jiddisch-deutschen „komm, sitz“ auf einer Bedeutungsebene trifft. Es erzählt von Begegnung und Veränderung und versöhnt die schwere Geschichte, die die deutsch-israelischen Beziehungen bis heute prägt in einem Wort. Im Düsseldorfer KIT ist KUMSITZ außerdem der Titel der aktuellen Ausstellung, die Ergebnisse des Beieinanderseins und des Austausches der 14 deutschen und israelischen KünstlerInnen zeigt, die von 2012 bis 2015 am Bronner Artist in Residence Programm teilgenommen und mehrere Monate in Düsseldorf und Tel Aviv gelebt und gearbeitet haben. Malereien, raumgreifende Skulpturen und Videoinstallationen reflektieren besonders das Geheimnis, das man nach echten Begegnungen in sich trägt. Ich stelle mir die Teilnahme an Residenz Programmen immer unglaublich intensiv vor: Man reist an einen Ort , um sich dort voll und ganz der künstlerischen Arbeit und den Menschen in einer neuen Umgebung zu widmen, die es zu entdecken gilt.

Die Ergebnisse erzählen von dieser Intensität. Besonders berührend ist die Arbeit, die ganz versteckt im engsten Raum des KIT auf die Besucher wartet und sich erst auf den zweiten Blick offenbart. Kaleidoskopisch reihen sich im projizierten Film Grauschattierungen, Schwarz und Weiß aneinander. Bei näherem Betrachten bilden die Fragmente Teile menschlicher Körper ab. Um sicher zu gehen, frage ich die Kunstvermittlerin, die am Eröffnungsabend, den 20. Februar dezent das Kunstverständnis der Besucher unterstützt. Sie erzählt: Der Künstler setzt sich mit dem Holocaust auseinander, die Körper sind die der im Nazianalsozialismus umgekommenen Opfer. Die Ästhetik der Arbeit und das Grauen der Geschichte vermischen sich zu einem Gefühl, das man nicht lange aushalten will. Gegenüber der Leinwand hängt ein wertvoller Teppich, aufwändig und kleinteilig durchsetzt mit silbernem Garn. Und darauf, unverkennbar Köpfe, Hände, wieder ein Kaleidoskop aus Körperfragmenten, die wir nicht loswerden. Ein Muster aus Körpern von Opfern, deren Schicksal uns immer wieder stocken lässt, wenn wir in einem Atemzug über Israel und Deutschland sprechen wollen. Und trotz dieser nicht zu leugnenden, immer noch unbequemen Wahrheiten, ist die Ausstellung keine triste, keine bedrückende, weil sie von einem Heute erzählt, das einen Neuanfang  und von künstlerischem Schaffen, dessen Antrieb keine Grenzen kennt.

Angela Fette, Sabine Dusend, Christoph Knecht, Sebastian Mejia, Jens Pecho, Leunora Salihu, Katja Tönnissen und Alexander Wissel, auf und aus Tel Aviv, Nadav Bin-Nun, Rafram Chaddad, Uri Gershuni, Nir Harel, Alma Itzhaky, Barak Ravitz und Gil Yefman hatten die Möglichkeit, sich im Bronner Artist in Residence Programm zu begegnen und nun im KIT ihre Arbeiten einander gegenüberzustellen.

Die Ausstellung, wurde bereits im Frühjahr 2015 im Herzliya Museum für Zeitgenössische Kunst in Tel Aviv eröffnet und hat sich auf ihrer Reise ins KIT – zur Kunst im Tunnel verändert. Es geht um Zusammenarbeit: Die Dan und Cary Bronner Stiftung, die Kunststiftung NRW, die gemeinsam die Ausstellung fördern, das Goethe-Institut in Tel Aviv und die Tel Aviver Artists‘ Studios sind an der Schau beteiligt und haben im KIT den richtigen Ort für ihr besonderes Ausstellungsformat gefunden.

KUMSITZ
21. Februar – 01. Mai 2016

Text: Teresa Schmidt-Meinecke
Fotos: Ivo Faber / KIT – Kunst im Tunnel
© THE DORF 2016

Kumsitz

KIT — Kunst im Tunnel
Mannesmannufer 1b
40213 Düsseldorf

Öffnungszeiten

Di – So 11 – 18 Uhr
Feiertage 11 – 18 Uhr