Avatar und Atavismus @ Kunsthalle

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Triff dein wildes Ego!

Wenn man der These Chris Dercon Glauben schenken darf, dass das Groteske modern ist, verwundert es weniger, dass sich die Kunsthalle Düsseldorf aktuell seit der Eröffnung der neuen Ausstellung Avatar und Atavismus am 21. August, verzerrten und teilweise verstörenden Skulpturen und Bildern von In- und Outsidern widmet.

Als Leiter der Kunsthalle stellt sich Gregor Jansen, gemeinsam mit den beiden Kuratoren Veit Loers und Pia Witzmann der Frage, warum nach einer langen Phase des Abstrakten, ab den 80er Jahren, plötzlich atavistisch das Figurative, Körperliche mit Köpfen, Masken und deformierten Gliedmaßen wieder Einzug in die Bildwelten findet. Die Abgrenzung von dem Naturkitschfilm Avatar, mit dem die aktuelle Ausstellung nicht mehr als einen Teil ihres Titels teilt, ist dabei mehr als deutlich.

Wir bewegen uns jenseits von Kitsch, in einer Welt des Ungefilterten, zu der wir durch die Auseinandersetzung mit der Kunst der Outsider, der Künstler ohne akademische Laufbahn finden. Die geistigen Einschränkungen, dieser Künstler, deren Werke teilweise in psychiatrischen Einrichtungen entstehen, werden hier als Freiheit und wertvoller Zugang zum Unterbewussten wahrgenommen.

Im Zeigen dieses Unterbewussten, Verletzlichen, liegt viel Revolution. Jonathan Meese z.B., der schon lange als Rebell der Kunstszene gehandelt wird, feiert in Düsseldorf das Regressive und begibt sich gemeinsam mit seinem Kollegen Tal R in die Rolle des Kindes. Die beiden machen in ihrem Mother Castle deutlich, dass sich Wildheit besonders kultivieren lässt, wenn man sich in mütterlichem Schutz wähnen kann. Im chaotischen rosa Schloss kann man herrlich auf dem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn wandeln.

Wer Lust hat, sich mit dem Wilden zu konfrontieren, das in jedem von uns steckt und das sich gerade durch die Kunst Bahn gebrochen hat, kann sich in der Kunsthalle noch bis zum 8. No­vem­ber dieses Jahres im Mutterschloss, den assoziativen Avatarschöpfungen oder den rauen Lemurenköpfen von Franz West verlieren. Das Wilde im zahmen Kunstraum macht doppelt Spaß und die Grenzen zwischen In- und Outsidern sind fließend.

 

AVA­TAR UND ATA­VIS­MUS. OUTSIDE DER AVANT­GAR­DE
22. AU­GUST – 8. NO­VEM­BER 2015

Text: Teresa Schmidt-Meinecke
Fotos: Katja Illner (Kunsthalle Düsseldorf)
© THE DORF 2015

Kunsthalle Düsseldorf

Grabbeplatz 4
40213 Düsseldorf

Öffnungszeiten

Di.-So., Feiertage: 11:00–18:00 Uhr
Jeden 2. Sonntag im Monat: Familientag bei freiem Eintritt.
Jeden letzten Donnerstag im Monat laden die Stadtwerke Düsseldorf von 18 – 20 Uhr bei freiem Eintritt in die Kunsthalle und den Kunstverein ein.