CONZEN

Wir begegnen dem Werk eines alten Bekannten. Es lehnt an einem der robusten Tischbeine, eingewickelt in schützender Hülle. Sein Inneres kaum ersichtlich, verrät eine kleine Kugelschreibernotiz seine Identität. Es ist „ein Gursky“, der da so unscheinbar und transportbereit in der offenen Manufaktur der Firma CONZEN auf seine Abholung wartet. Das Familienunternehmen steht seit 1854 mit seinem Handwerk ganz im Zeichen der Kunst. Es ist der Ort, an dem Kunstwerke, Familienfotos, studentische Arbeiten und Hobby-Werke mit Rahmungen ihr individuelles Finish bekommen. Und nicht nur das. Wir treffen Fritz Conzen zum Interview.

Alles auf Anfang: Mit der Eingangstür zur offenen Manufaktur auf der Fichtenstraße betreten wir eine der insgesamt drei Sphären der CONZEN-Welt. Hier, mitten im Flingeraner Gewerbegebiet befindet sich das „Headquarter“ des Düsseldorfer Kunstspezialisten, während es am Carlsplatz ein Verkaufslokal und in der Bilker Straße ein Restaurierungsatelier gibt. An der Schwelle wartet bereits Fritz Conzen auf uns. Als ältester Spross führt er seit 14 Jahren das Familienunternehmen als Geschäftsführer in der fünften Geneneration. Ein Familienunternehmen, das auf ein Bestehen von 162 Jahren zurückblickt und dessen Geschichte mit der Herstellung von Gemälderahmen und Spiegeln beginnt. Heute gehört CONZEN in Europa zu den größten Anbietern von Bilderrahmen, Einrahmungen, Restaurierungen und anderen Dienstleistungen rund um die Kunst.

Zwar war es für Fritz nie ausgeschlossen, den Fuß ins Familienunternehmen zu setzen, doch zunächst studierte er BWL. Nach Abstechern in die Unternehmensberatung ging es dann zurück zu den Wurzeln, wo der Stab vom Vater an den Sohn recht schnell übergeben wurde. Fritz hat zwar keine Handwerkslehre im klassischen Sinne gemacht, aber wenn man wie er über dem familieneigenen Betrieb aufwächst und sich seit Kindertagen mit Rahmen umgibt, wächst man automatisch hinein. In der Werkstatt hat er schon in jungen Jahren das aufwendige Anschießen und Polieren eines Rahmens kennengelernt, was ihn offensichtlich nicht davon abgehalten hat, ins Unternehmen einzusteigen. Heute hat er seinen Platz gefunden, wie er selbst sagt, während sein Blick über den Schreibtisch auf drei Generationen CONZEN fällt. Nebeneinander hängen die Gesichter der verstorbenen Firmeninhaber dort nämlich an der Wand. Und das selbstverständlich gerahmt.

Bei einer Führung durch die Werkstatt gewährt uns Fritz einen Einblick in das umfassende Aufgabengebiet und den Prozess des Schaffens. Denn Handwerk wird hier großgeschrieben. Jedes zur rahmende Werk bekommt so ihr individuelles Treatment: Unterschiedliche Holzarten in ihren unterschiedlichen Färbungen (Berühmtestes Grau: Struth-Grau nach Fotograf Thomas Struth) können ebenso nach freiem Gusto zusammengestellt werden wie deren Oberfläche. Vergoldet, gebeizt, lasiert oder lackiert. Zeitgenössisch schlicht oder doch ein wenig opulenter mit handgefertigter Stuckverzierung? So zahlreich die Möglichkeiten sind, so dankbar ist man in diesem Fall für die Beratung durch geschultes Auge. Es muss allerdings nicht immer alles neu hergestellt werden. Vier Diplomrestauratoren in den Gattungen Gemälde und Papier sowie erfahrene Vergolder lassen Kunstwerke und Rahmen in neuem Glanz erstrahlen. Oberflächenreinigungen, Retuschen, Nachmodellieren von Fehlstellen und später das Einsetzen in neue, säurefreie Passepartouts und UV-absorbierende Gläser sorgen dafür, dass Werte erhalten bleiben.

Die offene Manufaktur ermöglicht es, dass den Handwerkern bei der Ausführung gerne über die Schulter geschaut werden darf. Einige der Maschinen, die hier stehen, sind bereits über 100 Jahre alt. Neue Technologien gibt es hier aber nichtsdestotrotz. Neben einem computergesteuerten Passepartoutschneider, gehört auch der Digitaldruck zum Spektrum von Conzen. Sollte ein gewünschtes Foto sich noch auf einem USB Stick befinden, kann der Digitaldruck direkt mit einer passenden Kaschierung und Einrahmung als Komplettpaket beauftragt werden. Grundsätzlich sind der „Auftrags-Phantasie“ keine Grenzen gesetzt und Neues wird mit fundiertem Fachwissen in Angriff genommen.

Außergewöhnliches Beispiel: Für eine kardiologische Praxis rahmte CONZEN kurzerhand Herzschrittmacher ein. Schönstes Projekt im letzten Jahr: Die Kopie eines Rahmens für das historische Rathaus in Aachen. Auf der Grundlage eines antiken Rahmenschenkels wurden die fehlenden Teile rekonstruiert. Mehr als 200 Arbeitsstunden stecken in diesem Projekt. Neben der handwerklichen Seite haben sich mit der Zeit aber auch logistische Handlungsstränge ihren Weg in das Unternehmen CONZEN gebahnt. So ist das „Art-Handling“, der Transport selbst oder auch die Koordination von Transporten insbesondere für international ausstellende Galerien ein wichtiges Thema geworden.

Ebenso gehören Sammlungsinventarisierungen nun zu den regelmäßigen Aufgaben. Das Inventarisieren ist aus dem Zusammenhang wiederkehrender Kunden entstanden, die die Möglichkeiten gesucht haben, ihren Kunstbesitz professionell dokumentieren zu lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Sammlung privater oder unternehmerischer Natur ist. „Selbstverständlich geht es bei einer Inventarisierung auch um finanzielle Werte“, erklärt uns Fritz und fügt hinzu: „Informationen darüber wie zum Beispiel die Großeltern das Bild erstanden haben, und welche Story es zum Bild gibt, machen oft erst den echten Wert aus.“

Der Kunsthandel bei Conzen folgt dem Credo „Kauft Euch etwas Schönes für die Wände und wir zeigen euch, wie ihr es präsentieren könnt!“ und macht dies aus einem ganz speziellen und durchaus charmanten Zweck. CONZEN kann und möchten keineswegs mit Galerien oder Kunsthändlern in Konkurrenz treten, sondern möchten den Leuten Kunst näherbringen und eine Alternative zur Wandbespielung durch Flatscreens bieten. Apropos Flatscreen: Nicht nur diese Erfindung stellt einen beliebten Bestandteil der Modernisierung dar. Nein, auch das Internet leistet seinen Teil zur Veränderung des gegenwärtigen Daseins. Stichwort: Online Shopping. Das merkt natürlich auch CONZEN und bietet einen Großteil seiner Produkte online an.

Worauf es aber in der Zukunft ankommen muss – laut Fritz Conzen – ist ein stetig starker Kontakt zu den Künstlern selbst. Denn „aus der Richtung werden die Trends vorgegeben. Wir müssen schauen, dass wir dann die richtigen Lösungen parat haben“ sagt er. Was sich Fritz für Düsseldorf wünscht, möchten wir abschließend wissen. „Die Stadt muss letztendlich ein gutes Umfeld für die Kunst- und Kulturszene schaffen. Es ist wichtig, dass Künstler sich hier gerne ausbilden lassen und auch nach dem Studium einen guten Grund haben, hier zu bleiben. Sowohl mit Hinblick auf einen Atelierraum, als auch auf den Handel und den damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten. Es muss eine gute Szene geben, in der man sich präsentieren kann. Wir brauchen hier aber auch Leuchttürme, durch die eine Wirkung über Düsseldorf hinaus erzielt werden kann. Nur wenn die Kunst auch gehandelt wird, kommen Gelder rein und die Künstler haben etwas, wovon sie leben können. So einen Kunst- und Handelsstandort muss Düsseldorf schaffen. In Schönheit sterben hat noch keinem geholfen.“

Besonderheiten: Was gibt es nur bei Euch? Was zeichnet Euch aus? Gutes Handwerk, stilsicherer Geschmack, konservatorisches Knowhow

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Flexibilität, Schnelligkeit, Nachhaltigkeit bei gleichbleibender Qualität Düsseldorf

Was sagen Eure Feinde über Euch? Wir wären teuer. Leider kommen diese Behauptungen nicht selten von Personen, die keinen direkten Kontakt zu uns haben, Äpfel mit Birnen vergleichen und eine mangelnde Wertschätzung für gutes Handwerk haben. Aus dem Grund haben wir die Werkstatt offen gestaltet und jeder kann sich von den Fähigkeiten unserer Mitarbeiter persönlich überzeugen.

Was bringt die Zukunft? Wir werden schauen, wie sich die Kunst entwickelt und dementsprechend unsere Produkte und Leistungen anpassen. Da Convenience immer wichtiger wird, werden das Online- Programm ausgebaut und auch der Digitaldruckbereich gestärkt.

Eure liebsten Nachbarn? In der Innenstadt: Der Carlsplatz und aus dem Kunstbereich Galerien wie Sies & Höke, Beck & Eggeling und Galerie Breckner. In Flingern: der Spanische Garten. Aus der Kunstszene u.a. die Galerien Schönewald und Conrads.

Vielen Dank!

Text: Vanja Janjic, Tina Husemann 
Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2016

AKTUELL: Versteigerung antiker Rahmen!
Am Dienstag, den 22. November um 17 Uhr findet in der Rahmenmanufaktur von CONZEN zum 13. Mal eine Auktion statt, in der bis zu 400 Jahre alte Rahmen versteigert werden. Dieses Mal wird jedoch erstmals die traditionelle Handwerkskunst mit hochmoderner Auktionstechnologie stilvoll gepaart: Um die Auktion antiker Rahmen einem weltweiten Publikum anbieten zu können, kooperiert CONZEN mit der führenden Online-Auktionsplattform Auctionata. Dort wird die Auktion von 220 antiken Rahmen aus dem 16. bis 20. Jahrhundert per Livestream auf www.auctionata.com/conzen übertragenen.

Vorbesichtigung in Düsseldorf:
12. November – 22. November 2016 CONZEN in Flingern
Fichtenstr. 56 | 40233 Düsseldorf
Montag – Freitag: 09.00 – 18.00 Uhr | Samstag: 10.00 – 15.00 Uhr

Alle weiteren Infos hier…

Conzen in Flingern

Fichtenstraße 56
40233 Düsseldorf

Tel +49 (211) 57 70 10

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Öffnungszeiten

Mo – Fr  9 – 18 Uhr
Sa 10 – 15 Uhr

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