Art objectif

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Die Marienstraße ist nur wenigen Düsseldorfern ein Begriff. Dabei liegt sie nur einen Steinwurf von der asiatisch geprägten Immermannstraße und der Börse entfernt. Still ja, aber unbedingt einen Besuch wert. Denn im Januar dieses Jahres eröffnete Adeline Morlon hier ihre etwas andere Galerie „Art objectif“. Ein Geschäft mit alltagstauglicher Kunst.

Die Räumlichkeiten, in die Adeline Morlon bittet, atmen eine andere Zeit. Retro im besten Sinne. Übernommen hat sie die Räume genauso, wie das Architekturbüro HPP (vor allem auch bekannt durch das wunderbare Dreischeibenhaus) sie einst entworfen hat. Weil sie so sind, wie Adeline Morlon es liebt: klar und offen mit einer großen Fensterscheibe zur Straße und Marmorwände. Klassische Moderne eben.

„Mich nervt der Abstand zur Kunst, den man dauernd in Kunstausstellungen erlebt.“ sagt Adeline Morlon. „Grelles Licht, weiße Wände und Sicherheitsabstand könnte man langsam abschaffen“. Ihre Räumlichkeiten wirken dagegen wohnlich. Eher wie ein Salon, in dem sie Menschen mit Freude an schönen Dingen und Kunstverstand zu einem Getränk und einem Gespräch empfängt. Nur keine Scheu! Die Kunst hier ist zum Anfassen. Sogar zum Benutzen. Und mit einem Augenzwinkern. Sie soll immer auch Spaß machen.

Art objectif“. Der Name ist eine Wortspielerei. Adeline Morlon ist gebürtige Französin, daher ist es ein Spiel mit französischen Worten. Kunst (Art) steckt drin. Aber auch Objekt. Und natürlich auch das Wörtchen „objektiv“, das eigentlich eine kleine Utopie darstellt. Denn selbst wer versucht, etwas möglichst neutral zu betrachten, sieht es doch mit subjektivem Blick. Alles reine Ansichtssache! Wann ist etwas Kunst? Wann Gegenstand? Kann ein Gegenstand Kunst sein? Fragen, die Adeline Morlon mit ihrer etwas anderen Galerie stellt.

Der erste Blick fällt auf eine besondere Hausbar, einen mittelgroßen Spiegelschrank, auf dessen Türen weitere verstellbare, runde Spiegelscheiben prangen. Eine Skulptur. Aber auch ein Traum von einem Möbel. Es stammt von Gro Lühn, Mutter der Düsseldorfer Galeristin Linn Lühn. und heißt „The Glamour Bar“. Sie hat es unter anderem mit Hilfe eines Yachtenmöbelbauers realisiert (konzipiert). Diese schmucke Schönheit gibt es nur auf Bestellung.

Der zweite Blick streicht über eine kleine Mannschaft aufrechtstehender Flöten, große kleine, meist aus Holz, glänzend braun. Jens Ullrich hat sie zu Lampen umfunktioniert. So simpel wie schön. Davor stapelt sich der schlichte Hocker „Karl“ von Seb Koberstädt zu einem Turm. Sie sind aus Sperrmüll zusammengebaut. Gleichförmig und doch sieht jeder anders aus.

Die Berührung zur Kunst hat Adeline Morlon seit langem schon von Berufs wegen. Sie gestaltet Kataloge für Künstler, ist aber auch mit vielen befreundet und selbst mit einem Künstler verheiratet. „Wenn ich Freunde in ihren Ateliers besucht habe, dachte ich oft – das muss in die Welt“. Tobias Hantmann erzählte Adeline Morlon eines Tages, er habe schon immer ein Tablett machen wollen. Er serviert seiner Frau den Kaffee am Morgen stets auf dem Rücken eines großen Buchs. Für „Art objetif“ hat er die großen alten Schinken jetzt in Plexiglas gefasst und zaubert so ein ideales Tablett.

Die Aquarelle von Matthias Lahme sah Morlon im Geiste auf Postkarten oder in einem Kalender. Die Wohnung von Jens Ullrich und seiner kleinen Familie in Berlin war gleich durch und durch von dem Künstler mit eigenen Dingen bestückt. Der Stubenwagen für das Baby, nach Indianervorbild schlicht und schön aus Holz und Filz gefertigt, rollte als eines der ersten Objekte in die Marienstraße. Ullrichs Freundin, die Malerin Ann-Kristin Hamm, bemalt manches Objekt im Nachhinein und gibt ihm damit auch noch ihre Handschrift. Über ein Set Babyhaarbürsten hat sie ihre Blümchenbilder gestreut, ganz zart.

Von der Architektin und Künstlerin Marie-Céline Schäfer ließ Adeline Morlon sich ein Regalsystem für die Räume entwerfen. „Nach BILLY kommt ADY!“ witzelte die Freundin. Ady ist Morlons Spitzname. „Art objectif“ löst die Grenze zwischen Kunst und Gegenstand gezielt und gekonnt auf. Selbst an der Toilettenwand. Hier prangt ein zart auf weiße Fliesen gemaltes, meerblaues Gebilde – Tierkreiszeichen, die sich auf der Landkarte eines weiblichen Körpers ansiedeln. Die kunstvollen Kacheln stammen von Künstler Christoph Knecht. Die Kunst um der Kunst willen ist hier passé. Die Kunst ist endlich im Alltag angekommen. Und das ist schön so.

Besonderheiten: Was gibt es nur bei Euch? Was zeichnet Euch aus? Alltagsgegenstände von Künstlern sind wirklich einmalig!

Was schätzen Eure Freunde an Euch? Dass ich diesen „Neuen Markt“ erschliesse.

Was sagen Eure Feinde über Euch? Es gibt vielleicht Menschen, die dieses Konzept nicht verstehen!

Was bringt die Zukunft? Mehr Bewusstsein für das Einzigartige, weniger Zukunft für Massenware! (Etwas mehr Abkehr von dem billig Massenkonsum!)

Eure liebsten Nachbarn? Bakery my Heart, eine kleine feine japanische Bäckerei.

Vielen Dank!

Aktuelles! Im Rahmen der dc open:
hobbypopMUSEUM
Büro bureau
vom 4. bis 26. September 2015.
Die Eröffnung findet am 4. September ab 16 Uhr statt.

Text: Katja Hütte
Fotos: Robin Hartschen
© THE DORF 2015

Art objectif

Marienstraße 33
40210 Düsseldorf

Tel: 49 178 2398977

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