Anthony Sarpong

Name: Anthony Sarpong
Alter: 34 Jahre
Beruf: Koch

Geburtsort: Kunasi / Ghana
Stadtteil: Innenstadt & Meerbusch
Webseite: www.anthonys-kochschule.de

And 14 points go to… Beim aktuellen Ranking des Restaurantführers Gault Millau landet ein kulinarisches Schätzchen aus dem Raum Düsseldorf weit oben im Rennen um die 135 besten Restaurants NRWs. Das „Anthony’s“ erzielt beachtliche 14 von insgesamt 20 möglichen Punkten und sichert sich damit einen der begehrten vorderen Plätze neben Restaurants wie dem D’VINE, dem Nenio oder dem Agatas. Das Gesicht hinter dem „Anthony’s“ ist der junge Ghanaer Anthony Sarpong. Nach vielzähligen Stationen in internationalen Sterneküchen verwirklicht er seinen Traum und führt seit 1,5 Jahren das Duett aus Restaurant und Kochschule in Meerbusch. Vom Posten des Küchenchefs aus sorgt er mit seinem Team dafür, dass die Gäste auf hohem kulinarischen Niveau nicht nur speisen, sondern auch genießen können. Zuletzt entwickelte der 34jährige die Speisen der Barkarte im neu eröffneten me and all hotel. Ab sofort gibt es dort Asian-Streetfood in der Lounge in der elften Etage und die Immermannstraße ist um eine Prise „Anthony’s“ reicher THE DORF trifft Anthony im me and all zum Interview und findet heraus, warum man sich trotz doch sehr eigensinniger Essgewohnheiten zum Kochprofi mausern kann…

Ein kleiner Einstieg zu Beginn: Wo kommst du her Anthony? Geboren wurde ich in Ghana, bin aber im hessischen Wiesbaden aufgewachsen. Seit etwa sechs Jahren lebe ich nun in Meerbusch bei Düsseldorf. Allerdings muss ich gestehen, dass ich es nur selten über die Brücke rüber ins Stadtinnere schaffe. Dafür arbeite ich einfach zu gerne in meinem Restaurant.

Wie hat es dich nach Meerbusch verschlagen? Magst du uns was von deiner Geschichte und Laufbahn erzählen? Ich habe den Beruf des Kochs klassisch erlernt. Ausgebildet wurde ich im Crown Plaza Hotel in Wiesbaden und habe anschließend in verschiedenen Sternerestaurants gekocht. Zwischenzeitlich habe ich aber auch international als Privatkoch gearbeitet, wie zum Beispiel in Italien, Kasachstan oder Spanien. Vor sechs Jahren bin ich dann nach Düsseldorf gekommen und habe eine Zeit lang bei Peter Nöthel im Restaurant „Nöthel’s“ gearbeitet und bin von dort aus in eine andere Ecke gewechselt, zur Firma Klüh Catering. Mein Fachbereich war die Qualitätsentwicklung, in der ich mich drei Jahre lang damit beschäftigt habe, die Speisen in Kantinen und Krankenhäusern zu optimieren.

Wann hast du dein Restaurant in Büderich eröffnet und wie kam es dazu? Ich bin nach den vielen unterschiedlichen Stationen zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit ist für einen eigenen Laden, auf eigenen Füßen zu stehen, sein eigener Chef zu sein. Da ich mich hier in Düsseldorf nicht gut genug auskannte, um zu entscheiden, in welchen Stadtteil ich gehen sollte, habe ich beschlossen, einfach dort zu bleiben, wo ich bin und die Gäste kenne – in Meerbusch. Hier habe ich mir vor 1,5 Jahren meinen kleinen Traum erfüllt, das Restaurant mit integrierter Kochschule.

Was steht im Anthony’s auf der Karte? Das ist schwer zu kategorisieren, da wir die Karte alle zwei Wochen ändern. Wir versuchen flexibel zu sein und kulinarisch zwischen den Nationalitäten zu variieren. Mal ist es etwas Italienisches, dann wieder Indisch oder Afrikanisch. Ich habe zwei Küchenchefs, die wirklich sehr gut sind und aus der Sternegastronomie kommen. Wir besprechen das Speisenangebot saisonal gemeinsam.

Apropos Sternegastronomie: Arbeitet ihr selber denn auf einen Stern hin? Ich sage mal so… wir bieten Sterneküche an, diese jedoch zu bezahlbaren Preisen. Der Gast soll bei uns qualitativ auf Sterneniveau essen. Diese Qualität beginnt bei uns bei frischen Zutaten, geht über selbstgebackenes Brot und führt sich in der Auswahl der Weine fort. Jedoch soll der Gast im Großen und Ganzen freier sein als im klassischen Sternerestaurant. Er soll nicht unbedingt sechs Kellner um sich haben, sondern sein Glas Wasser durchaus eigenhändig auffüllen dürfen. Wir arbeiten nicht explizit auf einen Stern hin, nein.

Welche Gäste kommen zu dir? Das ist schwierig zu sagen, denn am Ende des Tages ist jeder bei uns willkommen. Bei uns essen sowohl Studenten als auch Doktoren, Anwälte oder Fußballspieler. Von jedem ist etwas dabei und ergibt ein buntes Ganzes. Bei uns geht es vordergründig um das Erlebnis und die Gemeinschaft beim Essen.

Kochen ist Handwerk, aber auch ein kreativer Job. Wo holst du dir die nötige Inspiration für deine Kreativität her? Ich hole mir meine Inspiration, indem ich zwischendurch rausfahre. Ich fahre sehr gerne nach Belgien, Frankreich oder Holland. Dort schaue ich mir die Produkte auf den Märkten an oder laufe ganz einfach durch die Supermärkte und lasse mich von den vielen Produkten inspirieren.

Thema „Rheinische Mentalität“: Was schätzt du an den Düsseldorfern? Gibt es Unterschiede zu den Menschen in Wiesbaden? Die Düsseldorfer sind nicht einfach, sie sind aber auch nicht kompliziert. Um es so zu erklären: Die Düsseldorfer sind offen und bereit, einem eine Chance zu geben. Wenn man diese Chance aber vermasselt, dann hat man verloren. Wenn man es aber schafft, den Menschen ein Wohnzimmer zu bieten, dann hat man die Chance, sie als Freunde zu gewinnen.

Für das neue me and all Hotel auf der Immermannstraße hast du nun gemeinsam mit dem Hoteldirektor Sven Pusch das Food-Konzept entwickelt. Wie kam es dazu?  Die Zusammenarbeit ist mehr oder weniger aus einem lustigen Zufall entstanden: Ich sah eines Abends zwei Männer – Michael und Christian, beides Manager der neuen Hotelmarke me and all hotels – vor meinem Restaurant rauf und runter laufen. Irgendwann habe ich die beiden angesprochen, was sie suchen und genau dabei konnte ich ihnen helfen: Sie hatten Hunger und konnten sich nicht entscheiden, wo sie essen gehen wollten. Ich habe sie dann spontan in mein Restaurant eingeladen und ihnen ein Überraschungsmenü serviert. Wir haben uns sofort gut verstanden und im Laufe des Gesprächs erfuhr ich dann, dass die beiden gerade ein neues Hotelkonzept planen und dafür noch das richtige Food-Konzept suchen. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Dessert – unser Walnut Brownie – hat den letzten Anstoß gegeben. Nicht nur für spätere Treffen, sondern eben auch für das Menü des me and all hotels. Dort steht der Brownie nun natürlich auch auf der Speisekarte.

Was war deine persönliche Motivation für den Entschluss zur Zusammenarbeit? Mich hat zum einen das neue Konzept total überzeugt, zum anderen liege ich mit den Jungs dahinter von Anfang an auf einer Wellenlänger. Ich wollte mit den Jungs gemeinsam etwas Gutes aufbauen. Daher stehe ich absolut hinter dem Projekt und hänge mich voll rein. Und es macht mir Freude zu sehen, wie es jetzt im me and all umgesetzt wird und bei den Gästen ankommt.

Das scheint aber ganz schön tough – ein Restaurant zu führen und dazu nun auch die Zusammenarbeit mit dem Hotel? Das ist richtig, es ist tough. Aber wer groß werden will, der muss groß denken. (lacht)

Zum Konzept: Wie funktioniert das im „daily business“? An zwei Orten zur selben Zeit zu sein schaffen wir Menschen es ja bekanntlich noch nicht ganz. Das Konzept basiert auf einer Art Baukastensystem, das wir eigens für das me and all hotel entwickelt haben. Ich habe das Menü mit dem Direktor Sven Pusch so entwickelt, dass jeder Mitarbeiter die einzelnen Gerichte der Speisekarte einfach und problemlos zubereiten kann.

Was findet sich denn auf der Speisekarte? Welche Einflüsse spielen darin mit? Nun, wir wollten Dinge anbieten, die schlicht, qualitativ und gleichzeitig einfach lecker sind. Und natürlich sollten die Speisen zum Hotelkonzept passen und vom Standort, der Immermannstraße, inspiriert sein. So kamen wir auf ein kleines, feines Asian-Streetfood-Angebot: Auf der Karte sind zwei Burger vertreten, darunter der Pulled Pork Burger mit Pflaumensoße und einem leckeren Brioche-Brötchen. Unsere Salate werden mit einem feinen Mango-Dressing angemacht. Außerdem bieten wir ein leckeres Thai-Curry, Dim Sums und warme Suppen an. Wir haben insgesamt geschaut, dass wir sowohl vegetarische Optionen berücksichtigen als auch verschiedene Sorten Fleisch. Für jeden Gaumen sollte das Richtige dabei sein.

Wird die Karte von Zeit zu Zeit variieren? Wir schauen jetzt erst einmal, wie die Gäste reagieren. Die Karte ist sicher nicht statisch und wir planen auch, sie saisonal zu verändern. Aktuell bieten wir beispielsweise passend zur kühleren Jahreszeit eine Kürbis-Ingwer-Suppe an.

Verrätst du uns dein Leibgericht? Oh, ich bin selbst ein ganz komplizierter Esser. Bei mir kommt weder Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse noch Getreide auf den Teller. Ich bin kulinarisch sehr, sehr eigen.

Und wie kommt es dann, dass du so gern kochst? Ich liebe es, Menschen mit meinem Essen glücklich zu machen!

Gibt es Lieblingshotels von dir auf der Welt? Klar, das Hotel Mama in Wiesbaden! (lacht) Da ist alles fertig – das Essen steht auf dem Tisch und die Hemden sind gebügelt. Das Einzige was ich alleine machen muss, ist Zähne putzen und duschen.

Was ist dein Lieblingsrestaurant – weltweit gesehen? Ich ziehe grundsätzlich meinen Hut vor allen Gastronomen. Ich weiß selber, wie hart es ist und welcher Kampf hinter der Arbeit steckt. Ich habe vor jedem Gastronom Respekt – ob es der Pizzabäcker an der Ecke ist oder der Gourmettempel. Daher ist es schwer zu sagen, welches mein Lieblingsrestaurant ist. Auf ihre eigene Art und Weise sind alle gut.

Was bringt die Zukunft? Die Zukunft ist für uns geschrieben. Die Karten wurden neu gemischt und jetzt mischen wir mit.

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Bei mir zuhause.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… bei meiner Frau

Den besten Kaffee gibt es… im Café Kashbah am Innenhafenbecken.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… im Breidenbacher Hof

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Die Kö Galerie

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Das me and all hotel, der Hafen und die Rheinpromenade

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Nie!

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Im Gladbacher Stadion

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Füchschen

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Eleven Madison

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Kaffee Mahlwerk Langenfeld

Dein Lieblings-Altbier: trink isch nisch

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Breidenbacher Hof

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Im Riesenrad

Dance the night away! Getanzt wird hier: Im Anthony’s

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Ich bin Frankfurter!

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Den Rhein

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Die Kölner Straße

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Den Verkehr

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Ebay Kleinanzeigen. Aber grundsätzlich ist meine Frau dafür verantwortlich.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Die Altstadt

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Styling kostet Zeit. Die habe ich leider nicht.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Reis

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Beim Training

Dein Lieblingsreiseziel ist? Norwegen

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Zoomania

Dein All-Time-Favorite-Movie? Boys in da hood

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Cut it von O.T. Genasis

Dein All-Time-Favorite-Song? 2Pac – hit em up

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Eintracht Frankfurt

Anthonys Kochschule und Restaurant
Moerser Str. 81
40667 Meerbusch

Tel.: 02132 985142
www.anthonys-kochschule.de

me and all hotel düsseldorf
Immermannstraße 23
40210 Düsseldorf

www.meandallhotels.com/Düsseldorf‎

Vielen Dank!

Text & Interview: Tina Husemann, Vanja Janjic
Fotos: Sabrina Weniger Fotografie
© THE DORF 2016