Piotr Zapasnik

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Name: Piotr Zapasnik
Alter: 26 Jahre
Beruf: Grafik Designer
Gelernter Beruf: Grafik Designer

Geburtsort: Düsseldorf
Stadtteil: Flingern
Webseite: www.d-facto.info
Social: TumblrFacebookInstagram

Aufmerksamen Düsseldorfern werden in den letzten Monaten die Plakate mit den prägnanten Schwarz-Weiß-Grafiken, verteilt in der ganzen Stadt, nicht entgangen sein. Das verzerrte Düsseldorfer Smiley-D mit dem Spruch: „Image braucht Facelift“ beispielsweise. Oder „Zuzug braucht Zugabe“ am Bilker Bahnhof. Was hat es damit auf sich? Hinter dem Projekt steckt der 26-jährige Piotr Zapasnik. Piotr ist gebürtiger Düsseldorfer, hat polnische Wurzeln, ist in Ratingen aufgewachsen und hat aber das „Dorf“ stets der Kleinstadt vorgezogen. Seit mehr als 15 Jahren steht Piotr auf dem Skateboard – und ist
mindestes genauso lange grafik- und kunstaffin. Eine logische Konsequenz, dass er nach der Schulzeit in Ratingen anfängt, Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Düsseldorf zu studieren. Sein Schwerpunkt: Corporate- und Editorial Design, Informationsgrafik und Plakatgestaltung. Neben dem Studium arbeitet der Düsseldorfer freiberuflich als Grafik Designer und Texter. Schon während des Studiums sind Piotrs studentische und freie Arbeiten Teil mehrerer Ausstellungen und werden innerhalb eines deutschlandweiten Wettbewerbs ausgezeichnet.
Das Plakatprojekt „D-Facto“ ist seine Bachelorarbeit. Das Konzept: eine wöchentlich wachsende Plakatreihe mit Beiträgen zu unterschiedlichen Themen der Landeshauptstadt NRWs. Aktuelles, Brisantes und Interessantes. Inhalte, die in aller Munde sind, für die Augen der Öffentlichkeit auf den Punkt gebracht. „D-Facto“ eben, den Fakten entsprechend. Schwarz auf weiß, in A1. Das Plakat „Viel Rad, wenig Weg“ spielt auf die kritikfähige Sicherheit und den Stellenwert des Radverkehrs in Düsseldorf an. Radwege sind oft zu eng, nicht vorhanden oder münden abrupt in viel befahrenen Hauptstraßen. „Mehr alternative Tanzflächen“ kritisiert, dass alternative Clubkultur ein zu wenig gefördertes Segment in Düsseldorf ist.
Die 17 verschiedenen Motive erschienen in einem wöchentlichen Turnus von Oktober 2014 bis Februar 2015 und wurden auf insgesamt 41 Werbeflächen im Stadtraum Düsseldorfs veröffentlicht. Mit seiner Arbeit möchte Piotr die Gattung des „kritischen Plakats“ als Medium wiederbeleben – und die Öffentlichkeit Düsseldorfs für Themen, die sie direkt betreffen, sensibilisieren. Das ist ihm gelungen – die Plakate haben für viel Gesprächsstoff in der Stadt gesorgt. Auch das renommierte Designmagazin PAGE und sogar das Museum Folkwang haben sich gemeldet. Wer die Ausstellung im öffentlichen Raum verpasst hat, kann auf der Website zu D-Facto noch einmal alle Motive sehen.

Momentan arbeitet Piotr freiberuflich für diverse Kunden und ist nebenbei beim Skate Magazin „Solo“  involviert. Parallel dazu stehen diverse Bewerbungen für Master-Studiengänge, Jobs und Praktika an. Die möchte er allerdings bewusst nicht in Düsseldorf absolvieren. Piotr will noch mal raus, damit, wie er selber sagt, „die Rückkehr irgendwann noch schöner wird.“ In der Überlegung sind aktuell Kopenhagen, Warschau, Berlin oder Zürich. Auch Offenbach ist ein Thema, denn hier kann man promovieren. In Designwissenschaften seinen Doktor zu machen fände Piotr „ganz witzig“.  Was bringt die Zukunft noch? Sicherlich die ein oder andere Ausstellung mit den D-Facto Plakaten. THE DORF hat Piotr im Nooij getroffen und mit ihm über sein Düsseldorf gesprochen.

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Im Bazzar oder Kaffee Uhlenbusch

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… im Safrans in Pempelfort

Den besten Kaffee gibt es… im Bazzar Café

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… in der Stullerei (die gibt es leider nicht mehr!)

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Durch den Grafenberger/Aaper Wald über den Segelflugplatz und die umliegenden Felder und Wiesen

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Den Grabbeplatz, Medienhafen, Ackerstraße

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Kaffee Uhlenbusch

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Bei Izmir am Worringer Platz

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Zum Schlüssel

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Im Malinas auf der Tannenstraße

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Der Imbiss Mandu in Oberbilk

Dein Lieblings-Altbier: Uerige

 

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Eher Sommelier als Bartender: Antonios Askitis im D’VINE

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Die „The Clash“-Parties im MK2 und in der Harpune.

Dance the night away! Getanzt wird hier: Im Salon des Amateurs. Generell bräuchte Düsseldorf mal wieder eine anständige Hip Hop Party!

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? In jedem Winkel der Stadt und vor allem, wenn ich Taxifahrer als Passagier durch die Straßen lotse oder Stadtführer für Besuch spiele.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Freunde und bekannte Gesichter, die optimale Größe der Stadt und dieses schöne Gleichgewicht zwischen anonymeren großstädtischen Straßenzügen voller 70er Bauten und dieses teils bürgerlichen Flecken inmitten der Stadt. Zu viele kleine Dinge, die das Große ausmachen. Auch dieses „Nicht-Image“, dass Düsseldorf – mal vom Bonzen-Ruf abgesehen – kann nach einer Woche Berlin ganz gut tun. Das Hippe springt einen nicht an jeder Ecke an …

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Flönz, Sushi, Altbier und Champagner

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Die Größe und Lage der Stadt, das „Nicht-Image“, die Geschichte der Stadt (vor allem im Bezug auf Kunst und Musik), die so unterschiedlich ausgeprägten Stadtteile

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Die Bedingungen für Radfahrer, fehlende Skateparks, Clubsterben, Bolkerstraße am Wochenende

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? keine speziellen

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Cash und Raus, Trödelmarkt P1 oder Großmarkt, Sperrmüll in nobleren Gegenden Düsseldorfs

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Vibes – was es leider nicht mehr gibt, die genannten Trödelmärkte, Afew, ansonsten shoppe ich aber meistens in Berlin

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Definitiv Bernd († 2007) und Hilla Becher, die mit ihrer s.g. „Becherklasse“ bzw. „Düsseldorfer Photoschule“ und ihrer konsequent objektivierenden Fotografie zu dieser Zeit neue Maßstäbe setzten und ich sowohl ihre Arbeiten als auch die ihrer Schüler/Studenten wie Andreas Gursky oder Thomas Ruff sehr bewundere. Außerdem Charles Wilp der Interdisziplinarität und der Afri Cola- und Puschkin-Kampagne wegen. Außerdem Peter Behrens, einstiger Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule, Vorbild der Fachhochschule und gilt als Erfinder des Corporate Design, indem er bei der AEG bereits vor dem ersten Weltkrieg vom Briefbogen über die Produkte, wie etwa elektrische Teekessel bis hin zu deren Fabrikbauten, alles in einem einheitlichen Sinne gestaltete.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Bertha von Suttner Platz

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Stets ein wenig Skateboarding- und Hip Hop-Einfluss gemischt mit Klassikern. Auch wenn für Außenstehende vielleicht kaum wahrnehmbar. Sehr sehr oft schräg sitzender Beanie, dazu Trenchcoat und Sneaker. Oder zum Beanie dann helle Jeans, Clarks und mein blauer Lacoste Vintage Cardigan, der mich an den 90er Banlieu-Stil erinnert. Generell bin ich ein großer Fan von 80er und 90er „Hip Hop-Couture“, also Prestigemode, die dann von der Subkultur adaptiert und subtil gemischt wurde. Damit meine ich keine Baggies und kein Bling Bling. Aber in letzter Zeit wühle ich mich auch in der „Designer-Uniform“ wohl – all black.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: preppy, chiggy, farbverschmiert

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Koreanisch, Libanesisch und Mamas Küche

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Skateboarden, Radfahren und nach dem Schwimmen im Düsselstrand oder dem Flingeraner Allwetterbad

Dein Lieblingsreiseziel ist? Einmal die gesamte Strecke mit der transsibirischen Eisenbahn, New York und Zürich im Sommer (das schönste Badeerlebnis meines Lebens)

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? „Bücher, Buchstaben, Bilder“ Hannes Jähn 1934–1987

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? „Blau ist eine warme Farbe“

Dein All-Time-Favorite-Movie? „La Haine“

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Polnischer Jazz

Dein All-Time-Favorite-Song? Gil Scott Heron: „Home is where the hatred is“

Für welchen Verein schlägt dein Herz? für keinen

VIELEN DANK!

Interview: David Holtkamp
Text:
Tina Husemann
Fotos:
Robin Hartschen
/ Piotr Zapasnik
© THE DORF 2015