Mateusz Petlinski

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Name: Mateusz Petlinski
Alter: 27 Jahre
Beruf: Barista

Geburtsort: Tarnowitz / Polen
Stadtteil: Flingern
Webseite: www.woytonroastinc.de

„Eigentlich habe ich 3 Namen: meine Familie nennt mich Matthias, die Kaffeewelt Mateusz und meine Freunde Mattes. Mein Job ist das unglamourösteste Luxusgut der Welt, Kaffee. Mein Job: Ihn wieder ins rechte Licht zu rücken.“

Fragt man Google nach dem Wort „Cupping“, so wird man als erstes zur Therapieform des Schröpfens geleitet. Mit den Gläschen, die auf den Rücken gesetzt und angezündet werden, hat Mateusz Petlinski allerdings nicht wirklich etwas zu tun. Bei ihm steht das Wort in Verbindung mit der Welt des Kaffees und bezeichnet dessen Verkostung. Denn Mateusz Petlinski ist nicht nur Barista, sondern mehrfach ausgezeichneter Kaffee-Meister. THE DORF trifft Mateusz im ehemals Woyton am Marktplatz, jetzt Rösterei VIER.

In seinem Fach ist Mateusz bei weitem kein Laie. Zum wiederholten Mal hat er sich nun bei der Deutschen Meisterschaft des Spezialitätenkaffeeverbandes SCAE, der „Speciality Coffee Assocciation of Europe“, in seiner Kategorie des „Cup Tasting“ an die Spitze getastet. Vor zwei Jahren ist er darüber hinaus bei 40 Teilnehmern auf den zweiten Platz der großen Weltmeisterschaften in Göteborg getreten. Dieses Jahr belegte er in Shanghai den dritten Platz auf dem Treppchen.

„Man verkostet die Kaffees, analysiert die Geschmäcker und daraus kann man dann ‘nen Kurzschluss ziehen, ob die Röstung gut verlaufen ist, wie die Qualität der Bohnen auf der Farm ist und so weiter“. Alle vier Zubereitungsschritte kommen dabei in der Schale zusammen, aus der es zu Verkosten gilt. Zunächst einmal ist es die Ernte der Frucht, danach geht es zur Aufbereitung oder anders gesagt, dem Schälen der Kaffeekirsche. Im dritten Schritt findet sich die Röstung und zu guter Letzt ist es die Zubereitung selbst.

Doch alles auf Anfang: Wie kam es zu dieser Expertise? Der 27jährige gebürtige Pole arbeitet seit sechs Jahren im Kaffeehaus Woyton, wo er direkt nach der Schule zum Fachmann für Systemgastronomie ausgebildet wird. Eine Ausbildung, in der er keinerlei Affinität zum Kaffee mitbringt und eher der Typ „Karamell-Macchiato“ ist. „Bis dato habe ich hauptsächlich Kaffee getrunken um erwachsen zu wirken. Wirklich geschmeckt hat er mir nicht.“

Damals bediente die Kaffee-Qualität eine eher zweitrangige Position bei Woyton. Mit der wachsenden Kaffee-Kultur in Deutschland beginnen vereinzelte Cafés, ihre Bohnen selber zu rösten. Die Hauptstadt ist Vorreiter. Dort verbreitet sich gerade das Wort „Hipster“ in aller Munde. Mit der dort mitgenommenen Inspiration zieht Woyton in seiner Entwicklung mit und nennt seit 2013 eine Rösterei sein Eigen. So kommt es, dass Mateusz sich an die Qualitätskontrolle macht und seinen Kaffeegeschmack sensibilisiert. „Ich trinke ziemlich viel Kaffee, mach mir meine Gedanken dazu und speichere dann die Geschmäcker in meinem Kopf ab.“ Das Ende vom Lied kennen wir.

Ein beachtlicher Lauf, der sich in den vergangenen Jahren sowohl für Mateusz selbst, als auch für das Unternehmen vollzogen hat. „Wir haben für uns geklärt, dass Kaffee unser Ding ist, wir haben auf nationaler Ebene geklärt, was wir können, aber am schwersten ist es, das regional zu klären“ Die Aufgabe ist, in den Menschen ein Bewusstsein zu wecken, dass Kaffee Handarbeit ist und es sich lohnt, zehn Minuten mehr in die Tasse zu investieren als einen schnellen Knopfdruck. Umdenken ist die Devise, das gute Produkt seine Investition wert. Und dann tun es für die Zubereitung auch alt bekannte Siebträger- und Handfiltermaschinen.

Für Düsseldorf wünscht sich Mateusz, dass der Club der hiesigen Cafés noch größer wird. „Mehr Leute sollten hier ein Spezialitäten-Café eröffnen. Dann wären wir nicht mehr die Exoten.“ Es ist aber keine Konkurrenz in negativem Sinne, von der hier die Rede ist. Vielmehr eine Gemeinschaft, in der man zusammenkommt und Verkostungen macht.“ Und das ist es letztendlich das, was die Kaffee-Kultur ausmacht, denn “Kaffee ist immer ein Zusammenkommen. Das gibt es an anderen Orten mehr als in Düsseldorf. Es wäre cool, wenn sich die Entwicklung dahin bewegen würde.“

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? In unserer Rösterei – beim Mühle justieren vor der Ladenöffnung, im dunkeln und allein.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… in der Frida in Unterbilk oder in der Flurklinik in Flingern.

Den besten Kaffee gibt es… bei mir zu Hause.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf…  bei Greentrees the Juicery – ein Stück Australien im Dorf.

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Querbeet durch die Viertel ohne Ziel.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Medienhafen, Immermanstraße, Schloss Benrath.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Bei der Arbeit am Rathausplatz.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu Hause.

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Takumi! Grade erst gelesen: German Miso Bitter Ramen mit Wurst, Sauerkraut, Schnitzel und Senf.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Finanzämtche

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Mehr Bäcker als Gastro, aber: Yusufogullari in Flingern, fantastisch, authentisch türkisch.

Dein Lieblings-Altbier: Kürzer

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Heißt das in Düsseldorf nicht „Köbes“? Paddy Walsdorf.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Die Liquid Force Boot-Messe Afterpartys – vor allem im alten 3001, um 2010 herum.

Dance the night away! Getanzt wird hier: Anaconda und dann Salon des Amateurs.

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Wenn ich in der Brauerei nicht gefragt werde, ob ich noch ein Alt möchte, sondern eins hingestellt bekomme.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Gutes Brot.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… ‘ner dicken Scheibe Krustenbrot mit Lachs und Merettich.

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Dass Traditionelles und Modernes immer wieder verschmilzt und die Dinge authentisch bleiben – weder „altbacken“ noch „hipster“.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Sorry, aber: Karneval.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Die Altstadtbrauereien, Immermannstraße.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Kleinanzeigen, Apps und Verwandtschaft. Deko in der Vaseline!

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Ich bin nicht wirklich gut in „Shopping“.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Rathausplatz – wenn politische Führung auf Junggesellenabschied trifft.

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Hemden mit Punkten gehen immer. Rollkragenpullover leider nicht.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Gewollt. Gekonnt. Leichtlebig.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Phở Suppe

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Beim Straßenbahn oder Bus fahren.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Istanbul

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? The Marsian

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Irgendwas deprimierendes – ich komme leider nicht mehr drauf.

Dein All-Time-Favorite-Movie? Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug.

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Herbert – The Audience

Dein All-Time-Favorite-Song? Sade – Smooth Operator

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Kumanga e.V.

Vielen Dank!

Text: Vanja Janjic
Interview: David Holtkamp
Fotos: Judith Buethe
© THE DORF 2016