Bojan Vuletic & Christof Seeger-Zurmühlen

Asphalt Festival Düsseldorf Interview Bojan Vuletic und Christof Seeger-Zurmühlen

Name: Bojan Vuletic
Beruf: Komponist, Musiker
Gelernter Beruf: Diplomphysik / Musik, Komposition

Geburtsort: Beograd (Serbien • ehem. Jugoslawien)

Name: Christof Seeger-Zurmühlen
Beruf: Theaterregisseur, Schauspieler
Gelernter Beruf: 1. Staatsexamen, Lehramt / Schauspieldiplom

Geburtsort: Swakopmund (Namibia)

Eigentlich haben wir keine Headliner. Der Künstler aus dem Ruhrgebiet ist uns genauso wichtig wie der Künstler aus New York. Jeder hat eine starke Geschichte zu erzählen, jeder bringt eine besondere Idee auf die Bühne.

Die Gründer und Organisatoren des ASPHALT Sommerfestivals haben sich auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses kennengelernt: Bei „Emil und die Detektive“ war Bojan als Gitarrist gebucht und Christof spielte den Gustaf mit der Hupe. Die Chemie stimmte, und schnell fassten die beiden Künstler den Entschluss, mal etwas zusammen auf die Beine zu stellen. Nach einigen gemeinsamen Theaterstücken folgte 2012 mit der Gründung von ASPHALT ihr bislang größtes Projekt. In diesem Jahr findet das „Sommerfestival der Künste“ bereits zum vierten Mal statt: Vom 8. bis 17. Juli 2016 gibt es an verschiedenen Orten der Stadt insgesamt 33 Veranstaltungen zu sehen. Obwohl ASPHALT, gemessen am Budget, sicherlich zu den kleinen Düsseldorfer Festivals zählt, ist es das mit dem größten Spektrum an Kunst: Das hochkarätige Programm bietet Theater, zeitgenössischen Tanz, Konzerte, Performances, eine Lesung, ein Schauspiel für Kinder und Ausstellungen. Wir haben uns mit den beiden Festivalgründern im Cave Tapas getroffen, bei portugiesischem Bier und Dutzenden leckeren Häppchen.

Was ist das Besondere am ASPHALT Festival?

Christof: Unser Gedanke war von Anfang an: Raus aus dem Theater, rein in die Stadt. Wir suchen außergewöhnliche Spielorte, die normalerweise nicht für Kunst und Kultur genutzt werden. Unsere Festivalzentren sind das Weltkunstzimmer und die Alten Farbwerke in Flingern-Süd, das sind ehemalige Fabrikgelände. Wir spielen dieses Jahr aber zum Beispiel auch auf Plätzen und Straßen in der Stadt, in einem stillgelegten Bahntunnel am Wehrhahn und im K21 – und zwar abends, wenn das Museum geschlossen ist. Und wenn wir einen besonderen Raum gefunden haben, überlegen wir, welcher Künstler dazu passen könnte. Manchmal ist es aber auch umgekehrt: Wir möchten einen bestimmten Künstler beim Festival dabei haben und begeben uns dann auf die Suche nach einem passenden Raum.

Bojan: Unsere Spielstätten liegen nicht nur in der City, sondern auch in Stadtteilen abseits des Zentrums. Wir wollen die Kunst sozusagen auf den Asphalt der Stadt bringen, den Bürgerinnen und Bürgern direkt vor die Haustür. Und das alles in den Sommerferien, wenn die klassischen Theater- und Konzerthäuser geschlossen haben und das kulturelle Leben in Düsseldorf eher auf Sparflamme brennt.

Die Suche nach besonderen Spielstätten ist mit einem ungeheuren organisatorischen Aufwand verbunden. Bojan und Christof haben dieses Jahr viel Energie in schon sicher geglaubte Räumlichkeiten gesteckt, die kurzfristig doch noch weggebrochen sind. So hatten sie unter anderem ein Konzert mit Benjamin Clementine auf dem Dach des Kaufhofs am Wehrhahn geplant. Vor einigen Jahren gab es hier bereits einen Beachclub, jetzt scheiterte das Vorhaben aber an behördlichen Auflagen.

Bojan: Es gibt wahnsinnig interessante Flächen, indoor und outdoor, aber wenn man dort Kultur vor Publikum zeigen möchte, braucht man entsprechende Genehmigungen. Um etwas als Spielstätte nutzen zu können, müssen wir vorab teure Gutachten erstellen lassen, und es ist nicht gesagt, dass wir die Genehmigung dann tatsächlich bekommen. Seit dem Flughafenbrand und der Loveparade sind in Düsseldorf die Sicherheitsauflagen bezüglich Brandschutz, Statik und Fluchtwegen enorm hoch. In Hamburg sind die behördlichen Vorgaben zum Beispiel viel weniger streng. Eigentlich ist ein Festival wie ASPHALT für Düsseldorf das falsche Konzept.

Christof: Oder es ist gerade das richtige Konzept, weil es genau so etwas hier braucht. Wir lassen uns aber auch nicht kleinkriegen, sind sehr hartnäckig und beißen uns fest.

Was sind die Highlights des diesjährigen Festivals, was könnt ihr besonders empfehlen?

Bojan: Eigentlich haben wir keine Headliner. Der Künstler aus dem Ruhrgebiet ist uns genauso wichtig wie der Künstler aus New York. Jeder hat eine starke Geschichte zu erzählen, jeder bringt eine besondere Idee auf die Bühne.

Christof: Ich empfehle unterschiedlichen Personen immer unterschiedliche Acts. Und von elf Produktionen, die bei uns auf dem Festival ihre Uraufführung erleben, die also weltweit erstmalig bei ASPHALT gezeigt werden, kennen wir zum heutigen Zeitpunkt auch die Ergebnisse noch gar nicht. Das wird total spannend.

Ein besonderer Coup ist den ASPHALT-Festivalmachern mit der Einladung des berühmten Berliner Gorki Theaters gelungen, das unter Kennern als beste Bühne der Republik gilt. Es zeigt zwei preisgekrönte Stücke von Sibylle Berg, die inhaltlich aufeinander aufbauen: „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ (13.7.) und „Und dann kam Mirna“ (14.7.). In dieser konzentrierten Kombination war das Doppelwerk von Sibylle Berg noch in keinem anderen Theater zu sehen. Ein Highlight für Fans von zeitgenössischem Tanz ist sicherlich die Choreografie „Antes“ (15.7.). Zwölf nackte Tänzerinnen und Tänzer verschmelzen darin zu einem harmonischen Ensemble wie die Bäume eines Waldes, und doch gibt es immer wieder spannende Störungen und individuelle Ausbrüche zu beobachten. Eine theatrale Stadtführung namens „Düsseldorf – Sous-Terrain“ startet am NRW-Forum, schickt das Publikum zu Fuß und per Bus vorbei an architektonischen Glanzstücken und Schattenseiten der Landeshauptstadt und endet schließlich im Untergrund (10./12./13./14./15./17.7.). Die Gruppe Drama Köln zeigt „Weltproben“ – eine Performance im öffentlichen Raum, die die Rolle von Künstlern, Zuschauern und Passanten infrage stellt. Das Stück ist eine Art Geheimverabredung: Der Zuschauer kriegt den genauen Spielort erst mitgeteilt, wenn er sich eine Karte kauft (15./16.7.). Die Afro-Fusion-Band Mokoomba spielt am 15.7. ein Pre-Release-Konzert für ihr neues Album, das im Herbst erscheinen wird; Jazzpianist Florian Weber tritt gemeinsam mit dem Trompeter Markus Stockhausen auf (16.7.).
Zudem sind über den gesamten Festivalzeitraum im Weltkunstzimmer täglich ab 18 Uhr drei Ausstellungen kostenlos zu besichtigen. Unter anderem zeigt der Düsseldorfer Fotograf Laurenz Berges seine neuesten Arbeiten. Berges ist Meisterschüler und einer der letzten Absolventen der berühmten Becher-Klasse an der Kunstakademie, sein Werk wurde bereits im Pariser Musée de L’Art Modern de la ville de Paris und im New Yorker MOMA präsentiert. An zwei Samstagabenden legen DJs auf und für entspannte Pausen zwischen den Veranstaltungen wird im lauschigen Hinterhof des Weltkunstzimmers der Festival-Biergarten „ASPHALT Paradies“ eingerichtet.

Stellt Euch vor, Geld und Kontakte würden keine Rolle spielen. Was wäre Euer Wunschact für ASPHALT?

Bojan: Eine Lesung von John Malkovich in der obersten Etage des Dreischeibenhauses.

Christof: Für mich immer noch Benjamin Clementine auf dem Parkdeck des Kaufhofs …

ASPHALT Festival – Karten und Programm auf www.asphalt-festival.de

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden?
Bojan: In meinem Ignoring Gravity Studio
Christof: Am Büdchen „le petit café“ in der Sommersstraße

Den besten Kaffee gibt es …
Bojan: …in der Kaffeeschmiede am Belsenplatz

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf bei…
Bojan: Hülsmann, Naniwa & Takumi
Christof: Essgarage

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen:
Bojan: Am Rhein auf der Oberkasseler Seite
Christof: Im Stadtwald

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst:
Bojan: Gustaf-Gründgens-Platz (ohne Umbau), Oberkasseler Brücke, Fußgängerbrücke im Hafen

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier:
Bojan: Unbehaun, Heinemann
Christof: Café Leopold

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie?
Bojan: In der Küche

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf?
Bojan: Hülsmann

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst:
Bojan: Alle Düsseldorfer Sterne-Restaurants

Dein Lieblings-Altbier:
Bojan: Schumacher
Christof: Pilsener Urquell

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind:
Bojan & Christof: Ellington

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht?
Bojan: In der Fülle nicht aufzuzählen
Christof: Melody Bar

Dance the night away! Getanzt wird hier:
Bojan: ASPHALT clubbing!
Christof: IMMER!

IMMER

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach …
Bojan: Speckpfannekuchen beim Meuser
Christof: … einer Mischung aus Erdnuss und Amalgam

Was liebst du am meisten an Düsseldorf?
Bojan: Die Offenheit der Menschen
Christof: Den Stadtwald

Was hasst du am meisten an Düsseldorf?
Bojan: Die Hürden, die sich auftürmen, wenn neue Räume für die Kultur erobert werden
Christof: Den Verkehr

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren?
Bojan: Das Rheinufer und die Museumsinsel Hombroich
Christof: Die Alten Farbwerke – unser ASPHALT Festivalgelände

STIL

Der beste Ort, um Leute zu beobachten?
Bojan: Überall, Augen auf!

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht?
Christof: Keine Regeln bzw. immer wieder neue …

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten:
Bojan: Will oft gefallen
Christof: Na? Alles gut?

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen?
Bojan: Frischer Thunfisch auf einer Seite nur eine Minute angebraten … und natürlich Speck!
Christof: Ich liebe Rührei

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen?
Bojan: Nachmittagsschläfchen
Christof: Beim Joggen

Dein Lieblingsreiseziel ist?
Bojan: Costa Rica
Christof: Die Alpen

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch?
Bojan: Tree of codes von Jonathan Safran Foer
Christof: Gentrifidingsbums von Christoph Twickel

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen?
Bojan: Ewige Jugend von Paolo Sorrentino
Christof: Wild von Nicolette Krebitz

Dein All-Time-Favorite-Movie?
Bojan: Sur von Pino Solanas
Christof: Searching for Sugar Man

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler?
Bojan: Alle Alben von Kendrick Lamar
Christof: Benjamin Clementine

Dein All-Time-Favorite-Song?
Bojan: Unmöglich zu beantworten
Christof: Le vent nous portera von Noir Désir

Vielen Dank!

Text: Marita Ingenhoven
Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2016