SUFF DADDY

Name: Suff Daddy
Beruf: Musiker
Gelernter Beruf: Webdesigner
Geburtsort: Düsseldorf

Exil-Düsseldorfer seit: dem Studium
Wohnort: Berlin
Webseite: Bandcamp | Soundcloud | Facebook

Zwischen Sonnenallee und Tempelhofer Feld – Neukölln ist die Wahlheimat von Suff Daddy. Gemeinsam mit seiner Frau und dem Hund hat er sich hier eingerichtet, genießt die Freiheit und die Möglichkeiten. Ursprünglich kommt der Beatproduzent aus Düsseldorf. Dort ist er Hiphop das erste Mal begegnet, hat einen großen Teil seiner Jugend im Unique Club verbracht, wo Foto Schiko das ein oder andere Bild von ihm geschossen hat. In einer typischen Neuköllner Bar mit Möbeln vom Flohmarkt, Kerzenlicht und Zigarettenqualm, treffen wir Suff Daddy bei einem Gin Tonic zum Gespräch über Musik, seine Heimatstadt und das Entspannen.

In Düsseldorf hat er zum ersten Mal produziert und ist Graffiti-malend um die Häuser gezogen. Aber die Szene in der Heimatstadt war zu klein und die Stadt zu spießig. Also verschlug es ihn, wie so viele Kreative, nach Berlin. Heute ist er gern in Düsseldorf, um am Rhein zu entspannen, seine Familie zu besuchen und mit alten Freunden ein Füchschen zu trinken.

Allzu viel Zeit verbringt Suff Daddy allerdings weder in Berlin noch in Düsseldorf, denn zur Zeit ist er viel mit seiner Liveband The Lunch Birds unterwegs und immer noch vor jedem Live-Auftritt sympathisch nervös. Am liebsten legt er deshalb auf oder bastelt alleine an Beats, dabei kann er die Musik für sich sprechen lassen. Nachdem er sich das Produzieren in Eigenregie beigebracht hat, ist Suff Daddy zu einer festen Instanz in der deutschen Hiphop Szene geworden. Auch, wenn ihm die manchmal zu wenig divers ist, sucht er immer nach Möglichkeiten, um mit Musiker*innen verschiedener Backgrounds zusammen zu arbeiten.

In Düsseldorf war Hiphop für ihn lange Zeit zu wenig vorhanden, nachdem der Unique-Club in der Altstadt geschlossen hat. Umso mehr freut er sich über Versuche, die Subkultur hier wieder neu zu verorten. Als das Team des _____thek Kollektiv aus Düsseldorf auf ihn zukam, war er sofort überzeugt. Am 09.09.2017 veranstaltet dieses gemeinsam mit dem lokalen Hiphop-Kollektiv Nyati das Five Elements Festival.

Auf dem Außengelände der postPOST werden alle Elemente des Hiphops wieder zum Leben erweckt. Suff Daddys Herz schlägt nämlich auch für Graffiti, das Breaken, die Spoken Words und das Rappen. Seinen Freund, Kollegen und musikalisches Vorbild Twit One im Gepäck, bringt er an diesem Tag mit seinen Beats die Menge in Bewegung.

Warum hast du Düsseldorf verlassen? Wegen meines Studiums. Ich hab Webdesign an der SAE studiert, das ging damals nur in München und Berlin und dann war die Entscheidung für mich relativ schnell klar.

Vermisst du die Stadt? Geht so. Nicht so sehr. Ich bin schön öfter da wegen meinen Eltern und meinem Bruder und meinem Neffe und meiner Nichte. Für Weihnachten und so.

Wenn ja – was vermisst du am meisten? Ich hab in Düsseldorf einige Freunde und meine Familie.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Grünkohl mit Mettwurst

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Jim Dunloop. Der produziert auch HipHop und ist ein Genie am Klavier. Er wohnt mittlerweile auch in Berlin und hat mir zu Beginn meiner Karriere sehr viel geholfen. Außerdem ist er einfach ein supergeiler Macker. Zum anderen ist da noch Oliver Hacke. Er ist ein alter Freund und Technoproduzent. Der kam 1999 zu mir an und meinte: „Anstatt diese Computerspiele zu zocken, nimm das hier: damit kannst du Beats machen.“ Der hat mir dann einmal gezeigt, wie es geht und von da an habe ich mir das Beats Produzieren beigebracht. Und irgendwie hat er damit mein ganzes Leben verändert.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Kann ich nicht.

Was liebst du an Düsseldorf?
Düsseldorf ist im Gegensatz zu der Gegend, in der ich wohne, sehr sauber und aufgeräumt. Das gefällt mir manchmal ganz gut. Ausserdem liebe ich es, am Rhein zu sitzen. Der ist schöner als die Spree.

Was hasst du an Düsseldorf? Es tut mir sehr leid, es so zu formulieren, aber es ist mir auf Dauer zu spießig. Wenn ich zum Beispiel in Düsseldorf in meiner Jogginghose in die Bahn steige, habe ich das Gefühl die Leute schauen mich komisch an. Vielleicht bilde ich mir das aber auch nur ein.

Was liebst du an Berlin? In Berlin hast du ziemlich viel Freiheit. Du kannst rumlaufen wie du willst, dafür würdest du niemals komische Blicke bekommen. Generell ist Berlin eine sehr tolerante Stadt. Und ich habe hier viele Freunde, mit denen ich mich gerne nachts herumtreibe. Das macht mir einfach Spaß. Das Viertel, wo ich lebe, ist auch sehr entspannt. Außerdem feiere ich das Tempelhofer Feld. Ich habe einen Hund und laufe da oft und ausgiebig mit ihm herum. Das ist dann so als hätte ich einen riesigen Garten.

Was hasst du an Berlin? In Berlin wohne ich in Neukölln und hier ist schon ziemlich viel Dreck. Die Leute stellen ihren Hausmüll einfach an einen Baum. Das feiere ich überhaupt nicht.

Der typische Düsseldorfer… ist sehr kommunikativ.

Der typische Berliner ist… ein Klugscheisser.

Dein Lieblingsort in Düsseldorf: Am Rhein in Lohausen, wo meine Eltern wohnen. Und früher der Unique Club. Da hab ich immer rumgehangen und tausend geile Konzerte gesehen. Das war mein alter Lieblingsort. Der Club hatte ja von Mittwoch bis Sonntag auf und wir waren jeden Tag da. Das war auch der einzige Laden, wo man kiffen durfte. Das war schon entspannt.

Ein positives Erlebnis, das dich mit Düsseldorf verbindet: Meine ganze Jugend in Düsseldorf war ein einziges positives Erlebnis. Auch wenn ich heute manchmal nicht so begeistert über Düsseldorf spreche, muss ich zugeben, dass ich dort immer eine gute Zeit hatte.

Würdest du zurückgehen nach Düsseldorf? Warum nicht? Warum ja? Vielleicht nach Köln. Ich hab dort viele Freunde dort und mag die Szene. Die Leute sind alle so fröhlich und kommunikativ. Ich bin Rheinländer und das kriege ich auch nicht aus mir raus. Ich mag das Rheinland und seine Menschen – mehr als die Berliner und Brandenburger. Ich glaube gerade auch nicht, dass ich für immer in Berlin bleiben möchte. Aber ich bin mit einer Österreicherin verheiratet, und die würde gerne nach Wien ziehen. Also mal sehen, wo es mich hin verschlägt.

Dein persönlicher Gruß nach Düsseldorf und an die Düsseldorfer: Cheers an alle meine Düsseldorfer Atzen.

Dein Lieblings-(Alt)bier: Füchschen.

Was ist dein Lieblingsessen? Linseneintopf.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Wenn ich Musik mache, dann ist es das Entspannteste überhaupt. Dann bin ich eins mit dem Universum, dann verfliegt die Zeit. Und im Alltag entspanne ich gut, wenn ich einfach alleine zuhause bin. Da höre ich witzigerweise nur selten und – wenn dann – ganz leise Musik. Mit meiner Frau und meinem Hund spazieren zu gehen ist auch sehr entspannend.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Zuhause.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch? Erich Fromm – Haben oder Sein

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Kong Island

Dein All-Time-Favorite-Movie? The Big Lebowsky.

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Ganz viele neue Suff Daddy Sachen.

Dein All-Time-Favorite-Song? Da gibt es einige, aber ich kann jetzt keinen bestimmten Song nennen. Ich liebe aber zum Beispiel die Sachen von Twit One. Mit ihm würde ich gerne mal ein Album machen – er ist mein künstlerisches Vorbild – damit wir zusammen auf Tour gehen können. Aber jetzt sind wir bald ja erstmal gemeinsam in Düsseldorf.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Für keinen. Sport interessiert mich nicht.

Vielen Dank!

Schon diesen Samstag, am 2. September gibt es im Hotel Friends am Worringer Platz mit den Hotel Room Sessions mit DJ Barilla vom Nyati Collective eine Warm-Up Session für das Five Elements Festival. Das Schaufenster wurde mit viel Nostalgie in das Zimmer eines HipHop-Liebhabers verwandelt. Alle Infos zur Veranstaltung bekommt Ihr hier…

Text: Valerie-Siba Rousparast
Fotos:  Robert Winter (Suff Daddy & Band) | Valerie-Siba Rousparast (Außenaufnahme Bar) | Jonas Bauten (Polaroid) | Deniz Weber (Aufnahmen Düsseldorf)
© THE DORF 2017