Pia Sundermann

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Name: Pia Sundermann
Alter: 36 Jahre
Beruf: Mode-Redakteurin
Gelernter Beruf: Modejournalistin

Geburtsort: Düsseldorf, aufgewachsen in Düsseltal
Wohnort: Berlin (davor ein knappes Jahr Mailand)
Exil-Düsseldorfer seit: 2006
Social: Instagram

 Düsseldorf ist das größte Dorf der Welt: Überschaubar und dennoch gibt es vieles, was auch Berlin, Hamburg oder anderswo gibt.

Nächstes Jahr feiert sie zehnjähriges Jubiläum. Dass die Zeit so schnell vergeht, hätte Pia Sundermann nicht gedacht, als sie 2006 nach Berlin kam. Kurz zuvor hatte sie ihr Studium an der AMD Akademie Mode Design in Düsseldorf absolviert und danach ein Dreivierteljahr in Mailand gelebt, wo sie für die internationale Modefachzeitschrift Sportswear International arbeitet. Aber was danach tun? Zurück nach Düsseldorf, wo zwar Modeindustrie und Showrooms, aber kaum Modezeitschriften ansässig sind? Oder nach Hamburg oder München? Glücklicherweise eröffnet das internationale Magazin Vanity Fair gerade in Berlin sein Redaktionsbüro. Pia bewirbt sich, wird genommen –
es geht mit Sack und Pack Richtung Hauptstadt. Die Vanity Fair wird bereits nach einem Jahr wieder eingestellt, aber Pia bleibt. Nach einem kurzen Kreuzberg-Intermezzo hat Pia ziemlich schnell ihre Liebe zu „Mitte“ entdeckt. Sie ist eines der typischen  „Mitte-Mädchen“, auch wenn sie das wohl nicht gerne hört. In ihrem kleinen Apartment mitten auf der belebten Torstraße fühlt sie sich heimisch. Die „Platte“ ist kein Prachtbau, aber mit ihren unverputzten Wänden und Pias Händchen für Interieur absolut charmant. Von der trubeligen Torstraße bekommt man in der vierten Etage nicht viel mit.
Pia schätzt die Vielfältigkeit von Berlin, dass jedes Viertel wie eine eigene kleine Stadt ist, das sich von anderen Vierteln extrem unterscheidet. „Kreuzberg hat einen ganz anderen Charme als Charlottenburg, aber beide Viertel sind toll.“ Sie liebt an Berlin die Freiheit, dass „jeder machen kann, wozu er Lust hat.“ Aber Pia merkt auch: Je älter sie wird, umso mehr schätzt sie (wieder) Düsseldorf, umso größer wird die Sehnsucht. Sie sagt: „Düsseldorf ist das größte Dorf der Welt: Überschaubar und dennoch gibt es vieles, was auch Berlin, Hamburg oder anderswo gibt. Berlin ist mir oft zu anonym und man wird mit den neuesten „Trends“ zugeschmissen.“ Sie vermisst den Rhein und die rheinische Schnauze. „Schnauze“ gibt es auch in Berlin, ist aber bei
weitem nicht so charmant und offenherzig wie im Rheinland. Dass Pia im Herzen „Düsseldorfer Mädsche“ ist und bleibt, merkt sie immer wieder. Zum Beispiel, wenn sie sich dabei ertappt, die Berliner „Spätis“ (für Spätkauf“) „Büdchen“ zu nennen. Pia schätzt die großartige Düsseldorfer Kunstszene – und Andreas Gursky, auch wenn der gebürtige Leipziger Wahl-Düsseldorfer ist. Seine extremen Foto-Großformate beeindrucken, nicht umsonst zählt er weltweit zu den wichtigsten zeitgenössischen Fotografen. „Seine Bilder sind wie Wimmelbilder: man kann stundenlang hinschauen und entdeckt immer wieder etwas Neues.“

Pias ganz persönliche Botschaft an Düsseldorf? „Liebes Düsseldorf, du bist eine bildschöne Stadt und jedes Mal geht mein Herz auf, wenn ich Dich sehe. Und wie das manchmal so ist, braucht man ein wenig Abstand von seinem Schatz, um sich wieder neu zu verlieben. Ich bin mir sehr sicher, dass wir früher oder später wieder zusammen finden werden…“

Warum hast du Düsseldorf verlassen? Aus beruflichen Gründen: Job bei Vanity Fair (Condé Nast Verlag) bzw. davor Sportswear International in Mailand

Vermisst du die Stadt? Ja, je länger ich in Berlin lebe, umso größer wird die Sehnsucht nach Düsseldorf!

Wenn ja – was vermisst du am meisten? Den Rhein und die rheinische Schnauze. Die gibt es auch in Berlin, ist aber weitem nicht so charmant und offenherzig wie im Rheinland! Ach ja, und die Rhein-Kirmes, da war ich seit meinen Auszug aus Düsseldorf nicht mehr.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Himmel un’ Ähd (Himmel und Erde) –  mit ein wenig Blattgold drüber!

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Gar nichts so einfach. Als gebürtige Düsseldorferin weiß ich, dass es Stil – und damit meine ich nicht den negativen gemeinten Yuppie-Stil – gibt. Viele Frauen in Düsseldorf leben für mich immer noch in den 00erJahren: Ugg-Boots, Fell-Weste – der typische Düsseldorfer-Boring-Chic, das hat mir mein letzter Düsseldorf-Besuch bestätigt

Was liebst du an Düsseldorf? Siehe Frage, was ich an Düsseldorf vermisse. Je älter ich werde, umso mehr schätze ich (wieder) Düsseldorf. Es ist das größte Dorf der Welt: Überschaubar und dennoch gibt es vieles, was auch Berlin, Hamburg oder anderswo gibt. Berlin ist mir oft zu anonym und man wird mit den neuesten „Trends“ (Restaurants, Clubs, ..) zugeschmissen. Außerdem hat Düsseldorf eine großartige Kunstszene

Was hasst du an Düsseldorf? Die Engstirnigkeit. Bei aller Liebe zu meiner Heimat, aber Düsseldorf ist meist nicht offen für was Neues. Beispiel Mode-Messe, man hätte so viel Neues, Interessantes und Internationales machen können! In Düsseldorf sind viele Dinge „in“ wenn sie seit ein, zwei Jahren in Berlin schon längst wieder „out“ sind. Aus diesem Grund verlassen viele Kreative die Stadt. Schade, hier schlummert potentiales Kreativität. Man muss – und sollte auch nicht – kein zweites Berlin werden. Liebe Stadt Düsseldorf, habt einfach mal Mut für Neues! Toll, wenn Kreative wie die Mode-Designerin Anna-Christin Haas (Galvan) von London wieder nach Düsseldorf zurück kommen! Mehr davon!

Was liebst du an Berlin? Die Vielfältigkeit der Stadt, jedes Viertel ist wie eine eigene kleine Stadt, welches sich von anderen Viertel extrem unterscheidet. Kreuzberg hat einen ganz anderen Charme als Charlottenburg, aber beide Viertel sind toll. Die Seen sind toll! Außerdem schätze ich in Berlin die Freiheit, dass jeder hier machen kann, was er will!

Was hasst du an Berlin? Dass jeder hier machen kann, was er will! Wie viele Blogs und Start-ups made in Berlin braucht man noch? Bei soviel Überangebot, wird man schnell gelangweilt. Das betrifft auch den Stil. Der Tourist glaubt ja gerne, Berlin hätte einen einzigartigen Streetstyle. Erstens laufen hier alle so rum – und insofern trägt hier keiner mehr einen individuellen Stil. Und zweitens fehlt hier das, wovon Düsseldorf zu viel hat: Eleganz. Außerdem nervt die Berliner Schnauze, wofür Berlin ja berühmt ist. Manchmal wünsche ich mir wie in Düsseldorf einfach nur ein Lächeln, statt ruppiger Worte des Busfahrers.

Der typische Düsseldorfer… für Nicht-Düsseldorfer: reich, pompös, Schickimicki. Der Witz dabei: Diese Stereotypen gibt es tatsächlich. Doch diese sind keine waschechten Düsseldorfer, sondern Umländer, die Samstags zum shoppen in die Stadt kommen. Für mich sind Düsseldorfer rheinische Frohnaturen, die offenherzig sind und Sinn für Humor und Kultur haben. Und sie sind loyale Menschen, die nicht nur ihren Freunden ein leben lang treu bleiben, sondern auch ihrem Verein Fortuna – auch wenn sich dieser in der Dritten Liga befinden sollte…

Der typische Berliner ist… Ambivalent: offen, aber auch eigensinnig. Charmant, aber auch ruppig. Individuell, aber auch kommerziell. Der Winter kann verdammt anstrengend sein, der Sommer dafür umso aufregender.

Dein Lieblingsort in Düsseldorf: Bei Freunden oder am Rhein, egal wo.

Ein positives Erlebnis, das dich mit Düsseldorf verbindet: Es ist jedes Mal ein positives Erlebnis, wenn man von der Oberkasseler Brücke in die Stadt reinfährt und diesen unglaublichen Blick auf das Treigestrin Altstadt, Rhein und Fernsehturm hat!

Würdest du zurückgehen nach Düsseldorf? Warum nicht? Warum ja? Ja, würde ich. Im Herzen bin ich immer noch Düsseldorferin bin. Das merke ich daran, wenn ich hier in Berlin zum Späti (von Spätkauf) Büdchen sage. Außerdem brauche ich keine Mega-Metropole mehr, Düsseldorf hat ja auch alles, nur nicht so viel wie in Berlin

ALLGEMEIN

Dein Lieblings-(Alt)bier: Schlüssel

Was ist dein Lieblingsessen? Unterschiedlich. Was ich aber tatsächlich jeden Tag essen könnte ist Kichererbsen-Suppe mit Halloumi. Praktisch, dass ein syrisches Deli direkt bei mir nebenan ist.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? So einfach so gut: Lesen, Spazieren gehen Natur, Wein mit guten Freunden

Dein Lieblingsreiseziel ist? Ich würde gerne mal eine Road-Trip von Los Angeles nach San Francisco machen

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Eine Frage der Höflichkeit von Amor Towles

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Birdman

Dein All-Time-Favorite-Movie? Nicht einfach, des gibt mindestens zehn Top-Filme, die man gesehen haben muss. Welchen Film man sich wirklich immer anschauen kann: „Der Leopard“ von Luchino Visconti  was für ein Schinken, aber geil!

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? „Next Time“ von Curtis Harding

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Natürlich für Fortuna Düsseldorf!

VIELEN DANK!

Text & Interview: Tina Husemann
Fotos: Jessica Weber
© THE DORF 2015