Volker Bertelmann aka Hauschka

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Name: Volker Bertelmann
Alter: 49 Jahre
Beruf: Musiker/Komponist
Gelernter Beruf: Musiker

Geburtsort: Kreuztal/Westfalen
Stadtteil: Flingern-Nord
Webseite: hauschka-net.de
Social: FacebookInstagram • Youtube

Unter dem Pseudonym Hauschka erforscht der Pianist Volker Bertelmann seit 2005 die Klangräume, die sich unter dem Einfluss von Tischtennisbällen, Bierdeckeln, Dosen und Radiergummis auftun, wenn man diese zwischen Klavier-Hammer und Saite legt. „Abandoned City“ ist der Titel seines Konzertes im Maschinenhaus der Essener Zeche Carl, das am 17. August den Auftakt der Konzertreihe „Konzerte im Maschinenhaus“ markierte. THE DORF hat den Düsseldorfer Musiker vor seinem Auftritt in der Garderobe zum Kurzinterview besucht und mit ihm über Lieblingsfestivals, Hip Hop und Düsseldorf geredet.

Ist das heute dein erster Auftritt oder hast du bereits in den letzten Jahren im Rahmen der Ruhrtriennale gespielt? Nein, das ist tatsächlich mein erster Auftritt bei der Ruhrtriennale.

Hast du geplant, dir im Rahmen der Ruhrtriennale weitere Künstler anzusehen? Wo ich auf jeden Fall hingehen werde, wenn ich die Zeit finde, ist zu Owen Pallett. Owen Pallett ist ein kanadischer Geiger und spielt bei der Band Arcade Fire. Für seine Filmmusik war er bereits für den Oscar nominiert. Ein wirklich ganz ganz toller Typ. Wir haben im Rahmen des Düsseldorfer Schumannfest schonmal in der Tonhalle mit einem Streichquartett zusammen gespielt. Er spielt eher poppige Sachen auf seiner Geige, auch seine eigenen Songs und singt dazu. Die neuen Sachen sind jetzt mit Schlagzeug- und Bass-Begleitung.

Vom 24. -28. November 2015 findet zum zehnten Mal das Approximation Festival in Düsseldorf statt, was du ins Leben gerufen hast. Wie ist das ganze entstanden? Wir haben das Festival eigentlich zu viert gegründet, sind heute aber insgesamt zehn Vereinsmitglieder, die sich um das Approximation Festival kümmern. Wir arbeiten darüber hinaus mit Sponsoren zusammen, Leuten, die Lust dazu haben, im weitesten Sinne Nischenmusik zu fördern. Es gab immer wieder mal Überlegungen, größer zu werden. Das haben wir aber dann mehr oder weniger an den Haken gehängt, weil es eigentlich viel schöner ist, klein und konzentriert zu arbeiten. Man kann sich die Leute aussuchen. Sobald du größer wirst, stehst du immer unter Druck, die üblichen Verdächtigen einzuladen.

Veranstaltungsort ist nach wie vor der Salon des Amateurs oder gibt es auch weitere Orte? Es gibt verschiedene Orte. Neben dem Salon gibt es Konzerte in der Filmwerkstatt. Die Tonhalle, in der in den letzten Jahren schon Konzerte von Steve Reich oder Ryuichi Sakamoto statt fanden, ist dieses Jahr kein Veranstaltungsort.

Gibt es in diesem Jahr ein Highlight beim Approximation Festival, wo du dich persönlich besonders drauf freust? Auf das Konzert des norwegischen Jazzmusikers und Pianisten Bugge Wesseltoft freue ich mich schon sehr. Aber auch der Dienstagabend in der Filmwerkstatt in Flingern wird spannend. Es kommt das isländische Trio Mum. Sie begleiten live einen Stummfilm mit ihrer Musik. Mit dem Drummer habe ich mal zusammengearbeitet. Den Film „bespielen“ sie regelmäßig in Island immer in einer anderen Besetzung. Das machen sie jetzt schon seit Monaten. Ich finde es toll, dass sie so eine Art Eröffnung unseres Festivals in der Filmwerkstatt machen, sie sind sehr eigen. Mit einem anderen Highlight-Act sind wir noch in Verhandlung. Eine New-Yorker Band, von der wir schon die Zusage haben, wir momentan aber noch nach der Finanzierung suchen. Deshalb kann ich noch nicht viel verraten.

Diese Woche steht das Dockville Festival in Hamburg an, wo du auch auftrittst. Spielst du generell oft auf Festivals? Ich habe immer schon Festivals gemacht. Die kommen mit meiner Musik natürlich nicht immer in der Masse. Manchmal sind das zehn oder fünfzehn pro Jahr. Manchmal sind es auch nur drei. Absehen davon finde ich es schön, jedes Jahr auf neuen Festivals aufzutreten, wo man noch nie war. Eines meiner ersten Festivals war das Roskilde Festival in Dänemark. Das war noch ein bisschen zu früh für mich, weil es einfach ein riesiges Festival ist. Ich habe 2008 dort mit einem Streichquartett zusammen in einem 5.000 Mann Zelt gespielt. Die Musik war für meinen Geschmack zu fragil, zu leise. Ich habe zwar im Nachhinein viele Leute getroffen, die da waren und die es toll fanden, aber ich persönlich hatte auf der Bühne überhaupt keinen Spaß.

Daraufhin haben wir versucht, mein Konzert für Festivals zu verändern. Der Sound ist jetzt wesentlich lauter geworden. Eine große Bühne hat immer die Problematik, dass du keinen geschlossenen Raum hast, in dem die Leute konzentriert zuhören. Das macht einen großen Unterschied aus. Du hast auf der Open-Air-Bühne immer das Gefühl, den Leuten das Bier in den Hals reintreiben zu müssen – indem du Vollgas gibst. Aber am Klavier machst du aber nunmal nicht den David Guetta. Wenn der Sound gut ist, haben die Leute trotzdem Spaß.

Gibt es ein Festival, das dir als besonderes Highlight im Kopf geblieben ist oder wo du besonders gerne warst? Roskilde war toll, aber es war für den Moment zu groß. Es wäre vielleicht besser gewesen, vorher auf mehreren kleinen Festivals gespielt zu haben, damit man zu den großen hinwächst. Ein großartiges Festival ist das holländische Festival Into The Great Wide Open auf der Insel Vlieland. Es gibt nur 5.000 Tickets, die sind innerhalb von Minuten ausverkauft. Das Festival ist nur per Boot zu erreichen. Du sitzt mit ziemlich bekannten Bands zusammen auf der Fähre, fährst zwei Stunden zur Insel rüber und dann spielst du. Das war sehr schön. Ein anderes Festival war das Latitude Festival in England, nördlich von London, mitten im Grünen. Die Bühne war auf einer Insel. Die Besucher kamen über einen Steg, aber wir Bands mussten mit einem Boot übersetzen, um Backstage zu kommen. Auf dem Festival spielten auch Musiker wie Jay-Z, aber es gab auch viele kleinere Bühnen. Dort saßen dann auf einmal 800 Leute irgendwo im Wald verteilt, die sich entspannen oder einen anderen Klang haben wollten.

Was für Musik hörst du privat, welche Musiker findest du spannend und wen hörst du aktuell? Ehrlich gesagt höre ich aktuell gar keine Musik. Ich höre Musik, wenn ich unterwegs bin, weil ich so viele Bands sehe. Bei Festivals bleibe ich ab und zu einen Tag länger, um mir Bands anzusehen. Ganz neue, ganz verschiedene. Die schreib ich mir dann auch auf. Oder ich bekomme die Platte, wir Künstler tauschen untereinander oft. Viele Platten liegen leider unausgepackt in meinem Schrank, weil ich sie so selten höre.

Woran liegt das? Weil du so viel an deiner eigenen Musik arbeitest? Ja, natürlich auch daran. Wenn du von morgens bis abends Musik hörst bei der Arbeit, denkst du am Abend: Ne, jetzt mal grad nicht.

Und was machst du stattdessen? Vielleicht einfach mal gar nix. Oder unterhalten. Das ändert sich aber auch immer wieder. Nicolas Jaar höre ich zum Beispiel gerne. James Blake finde ich auch super. Den hab ich mal auf dem South-West-Festival getroffen, da hatte er gerade seine erste Platte vorgestellt und war noch relativ klein. Es ist toll, Künstler wachsen zu sehen.

Woran arbeitest du gerade? Was ist geplant? Momentan hab ich wieder Lust, mich mit Hip Hop zu beschäftigen. Das habe ich ja eigentlich immer schon gemacht. Im Moment suche ich Leute, mit denen ich in dem Bereich zusammenarbeiten kann. Mit meiner damaligen Band habe ich viel mit deutschen Hip-Hoppern zu tun gehabt. Mich interessiert besonders, wo es aktuell in Deutschland wirklichen Underground Hip Hop gibt. Es ist sehr schwierig, diesen Hip Hop in Deutschland zu finden, wo er noch eine wirkliche Verwurzelung hat wie früher. Wir haben ja eigentlich immer erst Hip Hop gehört, als er schon längst im Mainstream angekommen war –  und nicht aus der Kultur heraus. Deshalb interessiert mich im Moment sehr, wo die aktuellen Roots sind, wo der deutsche Hip Hop gerade in seinen Ursprüngen steht und was für Leute es da gibt. Ich spreche gerade mit den Machern der Plattform Boiler Room. Die machen sehr viel in dem Bereich und sind sehr offen.

Dein Interesse für Hip Hop würden viele vielleicht nicht vermuten. Viele würde das nicht unbedingt mit deiner Musik verbinden. Naja, mit meiner ersten Band God’s Favorite Dog, die ich in Düsseldorf hatte, waren wir als Vorband mit den Fantastischen Vier auf Tour. Einige unserer Tracks gibt’s sogar noch auf irgendwelchen Stadtwerke Samplern von 1994 oder so. Wir hatten einen Vertrag bei Sony Music. Zwei Jahre lief das schön erfolgreich weiter, dann haben wir aber gemerkt, dass das ganze Musikbusiness eine Maschine ist. Und da hatten wir keinen Bock drauf.

Wenn du im Ausland bist, wie sprichst du über Düsseldorf? Ich spreche über Düsseldorf eigentlich sehr positiv. Ich bin nicht jemand, der wenn er weg ist sagt: Was für eine Scheißstadt, Kaff, Dorf, spießig, was weiß ich. Es gibt natürlich die Klischees von Düsseldorf, die auch in einer gewissen Art und Weise stimmen. Aber insgesamt ist Düsseldorf für mein Leben eine sehr gute Stadt. Sie ist klein und überschaubar. Sie hat aber alles, was man braucht, um sich wie in einer Metropole zu fühlen. Ich finde nicht, dass Düsseldorf alleine in sich eine Metropole ist, was sie ja immer gerne sein möchte. Aber addiert man die Städte im Ruhrgebiet noch dazu, dann kommt man dem Ganzen schon recht nahe. Ich finde es vor allem schön, in der Stadt zu sein und trotzdem eine gewisse Ruhe zu haben.

Berlin macht mich immer wahnsinnig. In der Stadt herrscht ständig eine unbändige Energie. Wenn man dort lebt, kann man das sicherlich etwas besser einteilen. Ich finde es schön, dass man in Düsseldorf mit dem Fahrrad in die Stadt fahren kann. Interessant zu beobachten ist, dass die internationalen Verbindungen am Düsseldorfer Flughafen abgebaut werden. Für mich und meine Reisen ist das natürlich immens wichtig, unabhängig vom Urlaubsflieger. Es ist leider ein bisschen fraglich, wo das ganze hingeht. Ansonsten finde ich toll, dass Düsseldorf am Wasser ist. Ich liebe den Rhein. Ich finde die Kunstszene super, eine der wenigen Bereiche, wo Düsseldorf überhaupt Weltstadtniveau erreicht. Was die Galerien und die Künstler angeht, sind wir im Vergleich zu allen anderen sehr weit vorne.

Eine Tatsache, die vielen Düsseldorfern oft gar nicht bewusst zu sein scheint. Die Stadt Düsseldorf entdeckt ihre Künstler immer mit am spätesten. Du hast schon fünf Mal im Ausland in irgendwelchen großen Hallen gespielt, dann werden sie auf dich aufmerksam. Trotzdem hat man hier unglaubliche Möglichkeiten im kulturellen Bereich. Die Kunstwochenenden in den Galerien in Flingern zum Beispiel sind großartig.

Abwechslung gibt es genug, viele Düsseldorfer machen sich oft nicht die Mühe, danach zu suchen, haben wir den Eindruck. Man hat eine sehr starke Gruppenbildung in der Stadt. Ich finde, es kommt sehr selten vor, dass sich die Gruppen untereinander mischen. Das hast du in anderen Städten viel mehr. In Köln zum Beispiel. Man geht abends auf eine Feier und dort sind nicht nur die Leute, mit denen du zum Beispiel studiert hast. Oder die Leute von der Akademie. Oder die Leute von der FH. Die Leute bleiben immer in dem gleichen Zirkel und öffnen sich sehr wenig.

Es sind noch zwanzig Minuten bis zum Auftritt. Volker muss sich noch ein wenig vorbereiten. Und wir müssen unsere Plätze einnehmen. Vielen Dank für das schöne Interview und ein großartiges Konzert im Anschluss. Volkers Düsseldorfer Lieblingsorte und Geheimtipps verrät er im Fragebogen.

Die Ruhrtriennale – Das Festival der Künste findet noch bis zum 26. September 2015 an verschiedenen Austragungsorten im Ruhrgebiet statt. Ein Besuch lohnt sich, wie z.B. am  14. September 2015 „Hephaistus“ mit Mika Vainio und Arne Deforce oder am 21. September 2015 „Inferno“ mit Solisten des Orchesters MusicAeternaAlle Infos zum Programm hier… 

Aktuelles:
Im Rahmen des Düsseldorf Festival ist Hauschka im Tanzhaus NRW zu sehen!
17.9. – 19.9. Uraufführung: A City Seeking its Bodies – Alexandra Waierstall & HAUSCHKA – Vergessene Orte – utopische Realität?

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Zuhause

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… zuhause

Den besten Kaffee gibt es… im Café Hüftgold

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… in der Kantine im CON-SUM

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Ich gehe am liebsten von Gerresheim/Quadenhofstraße zum Kaiserhaus.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Den Rhein, die Kastanienallee, den Salon des Amateurs

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Nirgends

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Zuhause

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Das Olio

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Afrikanisches Restaurant Treasure

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Bronx Bar

Dein Lieblings-Altbier: Schumacher

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Salon des Amateurs

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? In der Melody Bar.

Dance the night away! Getanzt wird hier: SDA

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Wenn ich von der Tour nach Hause komme.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Meine Familie.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Himmel und Äd

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Dass es überschaubar ist und trotzdem viel bietet.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Dass es manchmal zu klein ist.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Die Kunsthalle, der Gerresheimer Wald, der Rhein.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Ich suche nicht, die Möbel kommen zu mir.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? ELA, ELA, ELA

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Da gibt es mehrere.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Ich beobachte keine Leute.

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Ich freue mich, wenn ich mich wohlfühle.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Den Style kenne ich nicht.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Reibekuchen mit Apfelmus

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Beim Duschen

Dein Lieblingsreiseziel ist? Santa Barbara

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Unterwerfung von Michel Houellebecq

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? The Boy

Dein All-Time-Favorite-Movie? Bladerunner

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Nicolas Jaar

Dein All-Time-Favorite-Song? Der Mond ist aufgegangen

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Borussia Dortmund

VIELEN DANK!

Text: Tina Husemann
Interview: David Holtkamp
Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2015
Fotos 14-16: Marcus Simaitis ((konzerte-im-maschinenhaus-abandoned-city—hauschka–ruhrtriennale-2015)