Ralf Brueck

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Name: Ralf Brueck
Alter: 47 Jahre
Beruf: Künstler
Gelernter Beruf: Künstler

Geburtsort: Düsseldorf
Stadtteil: Pempelfort
Webseite: ralfbrueck.com

Sie reißen ,Les Halles’ ab und die Straße heißt weiter ‚Toulouser Allee‘. Die Orte, die ein Viertel zu dem gemacht haben, was den Investor interessiert hat, verschwinden nach und nach.

Da bricht sich mitten im Realen das Surreale Bahn. Farbsäulen, Ufos oder Farbexplosionen stellen die Wahrnehmung in Frage. Über der rauchenden Industrie-Anlage an der italienischen Küste flimmert ein Vorhang in farbigen Streifen – eine Fata Morgana oder ein Polarlicht? Die Vorhänge und Tapetenbahnen in „home sweet home“ werden gleich ganz zum verschwimmenden Gemälde. Ralf Brueck setzt neu zusammen, was er zuvor mit seiner analogen Plattenkamera auf Vier-mal-fünf-inch-Negativen abgelichtet hat. Immer häufiger kommt jedoch auch seine digitale Hasselblad zum Einsatz.
Brueck dekonstruiert das entstandene Foto und gibt ihm mit digitalem Pinselstrich eine völlig andere Richtung. Er malt sozusagen virtuell um, was zuvor eine Wiedergabe der Wirklichkeit war. Dafür benutzt er unterschiedliche Bildbearbeitungsprogramme, überlässt aber nichts dem Zufall. Seine Arbeitsschritte sind durchdacht und planvoll. Hinter diesem Vorgehen steht für ihn stets die Frage, was genau ein Bild ausmacht. „Was daraus entsteht, ist ein Bild und keine Fotografie mehr, also etwas Neues“, sagt der Künstler.
Ralf Brueck hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert, bei den Chronisten der Industriearchitektur, Bernd und Hilla Becher und später bei Thomas Ruff, der selbst bei den Bechers in die Schule ging. Über seinen zweiten Professor sagt Brueck, er habe ihm gezeigt, wie wichtig die eigene künstlerische Haltung bei der Arbeit sei. Sich selbst treu zu bleiben, ist für ihn seither oberste Prämisse.

Vorbilder waren ihm neben seinen Düsseldorfer Lehrern auch amerikanische Lichtbildner wie William Egglestone und Stephen Shore. Heute fühlt er sich dagegen eher von Malern wie Lucian Freud, Raymond Pettibon oder Jonathan Meese beeinflusst, wenn auch nicht unbedingt offensichtlich, da sich seine Werke von denen der genannten Künstler

stark unterscheiden. Dennoch wundert es den Betrachter nicht: Die Werke aus der „Dekonstruktions“-Serie kommen sehr malerisch daher.

Manche Motive sucht Brueck, andere haben ihn gefunden. Gemeinsam ist all diesen Arbeiten die übergeordnete Rolle, die Architektur darin spielt. Das liegt an Bruecks Erkenntnis, dass das Leben des modernen Menschen neben sozialen Faktoren immer stärker „von urbaner Architektur bestimmt wird“. Allerdings geht dem 47-Jährigen die fortschreitende Gentrifizierung vieler Düsseldorfer Viertel gegen den Strich: „Sie reißen ,Les Halles’ ab und die Straße heißt weiter ,Toulouser Allee’. Die Orte, die ein Viertel zu dem gemacht haben, was den Investor interessiert hat, verschwinden nach und nach.“

Ralf Brueck ist durchaus nicht auf Düsseldorf reduziert. Er arbeitet auf der ganzen Welt. Wenn auch so großartige Bilder wie „Shopping with grandma Elisabeth“ oder „Wirtschaftswunder“ ihren Ursprung in der Landeshauptstadt haben. Sie entstanden in der frisch geschlossenen Galeria-Kaufhof-Filiale mit Egon Eiermanns legendärer Wabenfassade und im Foyer des ikonografischen Dreischeibenhauses.

Für seine aktuelle Serie bereiste Brueck China, die USA, Finnland, Israel, Frankreich und Italien. Gerne würde er auch mal Neuseeland kennenlernen: „Das stelle ich mir landschaftlich sehr interessant vor“, sagt der Kunst-Fotograf.

Im Frühsommer 2016 wird der Künstler mit den Bildern seiner Serie „Deutsch-amerikanische Freundschaft“ kurz „DAF“ eine Einzel-Ausstellung im NRW-Forum bespielen.

Kuratiert wird die Düsseldorfer Schau von Ralph Goertz. Mit den Fotografien der Serie beantwortete Ralf Brueck sich die Frage, ob es der Auseinandersetzung der „Düsseldorfer Schule“ mit der „New-Color-Photography“ von Amerikanern wie William Eggleston und Stephen Shore noch „signifikant etwas hinzuzufügen“ gäbe, mit „ja“.

Wer nicht warten möchte bis zur Präsentation im kommenden Jahr, kann sich auf das Buch freuen, das Ende diesen Jahres herauskommt. Darin versammelt Brueck seine bisher wichtigsten vier Serien. Der Titel lautet dementsprechend: „Ralf Brueck: Dekonstruktion, Distortion, DAF, Timecapsules.“

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Bei mir zuhause.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich … selten, weil ich nicht so der Frühstücks-Zelebrierer bin. Ansonsten am ehesten im kwadrat, direkt bei mir um die Ecke auf der Blücherstraße.

Den besten Kaffee gibt es … für meine Freunde bei mir zuhause.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf … gesund und vegan im „Satt Grün Mitte“ am Graf-Adolf-Platz. Als Sushi-Addict selbstverständlich immer wieder im „Maruyasu“ in den Schadow Arkaden, häufig auch in die japanische Suppenküche „Takumi“ auf der Oststraße.

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Meistens setze ich mich aufs Rennrad und fahre Richtung Krefeld-Uerdingen über Land. Ich bin nicht so fürs langsame Rumschlendern.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Grundsätzlich erst einmal das Beste an Düsseldorf. Den Rhein! Dann das K21, für mich das schönste Museum mit den interessantesten Exponaten in der Stadt. Dann meine Lieblingsbar, den Salon des Amateurs.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Café Maushagen auf der Jülicher Straße 9. Die backen immer noch die innovativsten Kuchen in der Stadt.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Zuhause. Meine Freundin Estelle und ich kochen unglaublich gerne, besonders wenn viele Gäste am Tisch sitzen. Ansonsten trifft man mich im Kreise meiner Familie beim alljährlichen Muschelessen im Benders Marie in der Altstadt oder bei festlichen Anlässen immer wieder im Sila Thai, wenn es stilvoller sein soll. Mit Freunden in größerer Runde bin ich hin und wieder im Track 21 zu finden. Das Ambiente ist zwar sehr basic, aber es gibt authentische Szechuan Gerichte. Die stehen nicht immer auf der Karte, man muss danach fragen.

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Füchschen mit dem Düsseldorfer Senfrostbraten und Benders Marie mit Rheinischen Muscheln.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Edo am Seestern.

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Das Kushi-Tei-Of-Tokyo auf der Immermannstraße ist mein Lieblingsspot. Geheim ist der Grill-Japaner leider nicht mehr, denn man muss schon früh genug am Abend dort auftauchen, um noch einen Platz zu bekommen.

Dein Lieblings-Altbier: Füchschen Alt

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Salon des Amateurs und die Liq Bar direkt bei mir um die Ecke.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? In der Sennhütte auf der Rethelstraße. Eine Nacht, die man nicht vergisst, aber lieber vergessen möchte. Drei Freunde, viele Biere, viel Schnaps und … dummerweise gibt es davon Fotos!

Dance the night away! Getanzt wird hier: Ich tanze nicht! Aber für mich tanzen schon mal andere zu später Stunde im Salon des Amateurs!

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Sobald ich die Stadt verlasse!

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Den Rhein, der jeden Tag anders aussieht auf meinem morgendlichen Joggingparcour an den Rheinwiesen am Regierungsgebäude entlang. Ich mag auch die kurzen Wege, weil in Düsseldorf alles so zentriert ist. Alles ist überschaubar und dennoch ist Düsseldorf nicht Provinz. Ich mag die Menschen in Düsseldorf. Sie sind positiv, aufgeschlossen, entspannt und reden nicht lange um den heißen Brei. Selbst wenn sie hin und wieder launisch sind, bleiben sie dabei immer rheinisch höflich.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Dass die Mieten ständig steigen und deswegen die Gentrifikation in den durchwachsenen Stadtteilen wie Flingern, Pempelfort und Bilk immer weiter fortschreitet. Auch ein trauriges Beispiel ist das Les Halles. Das was das Viertel einst ausgemacht hat, wird weggerissen, aber beim Neubau der Straße machen die Stadtplaner immer noch auf französische Lebensart und vergeben dann Namen wie Toulouser Allee. Was dann natürlich völlig sinnfrei ist!

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Die Museen, allen voran das K21.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Meine Freundin und ich lieben es eher puristisch. Für uns ist Platz am wichtigsten. Allein schon, weil wir den für unsere Arbeit brauchen. Unsere Möbel stammen nicht nur aus Designer-Läden. Wir kaufen auch schon mal Lampen, Tisch oder Stühle auf dem Flohmarkt.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Die Buchhandlung König, der Apple-Store und der japanische Supermarkt auf der Immermanstraße.

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Detlef Weinrich, weil er sich ständig weiterentwickelt und sich dabei aber immer treu bleibt!

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Keine Ahnung, habe ich schon echt lange nicht mehr gemacht!

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Cool, arrogant, teuer.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Immer wieder Sushi und japanische Suppen.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? In einer finnischen Sauna, in Finnland.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Der Mars, aber Neufundland wäre auch mal interessant.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Interstellar.

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Factory Floor

Dein All-Time-Favorite-Song? Everything gone green, New Order.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Für den Miyamoto Musashi Jiu-Jitsu Verein, in dem ich zweimal in der Woche trainiere.

VIELEN DANK!

Text & Interview: Katja Hütte 
Fotos: © THE DORF 2015