Philipp Maiburg

Name: Philipp Maiburg
Alter: 42 Jahre
Beruf:Künstlerischer Leiter Open Source Festival
Gelernter Beruf: Tischler / Architekt

Geburtsort: Mönchengladbach
Stadtteil: Düsseltal
Webseite: www.open-source-festival.de

 „Hast Du nicht auf der Bolkerstraße über dem Spiegel gewohnt?
Da waren wir auch mal morgens um 5 Uhr. Ihr hattet immer After Party bei Euch“.

So beginnen, auch fast 15 Jahre später, immer noch Gespräche mit Open Source Gründer Philipp Maiburg.

Als Philipp nach Düsseldorf zog, mochte er die Stadt eigentlich nicht. Denn wenn man aus Gladbach kommt, dann findet man Düsseldorf scheiße. Warum das so war, weiß er nicht mehr. Aber es ist wahrscheinlich wie mit der Geschichte, dass man Neuss scheiße findet, wenn man aus Düsseldorf kommt. Wie auch immer, Düsseldorf kann froh sein, dass Philipp trotzdem hier gelandet ist. Grund dafür war sein Architekturstudium. Um das zu finanzieren, legte er im legendären Unique Club auf und suchte sich damals eine Wohnung in der Nähe des Clubs. Ohne genau zu wissen, in was sich die Bolkerstraße bei Einbruch der Dunkelheit verwandelt. Im Unique tauchte er immer tiefer in die Düsseldorfer Musik-Szene ein und hängte sein Architekturstudium irgendwann an den Nagel. Schon zu Beginn störte ihn der Fakt, dass es mehr Architekturstudenten als Maurerlehrlinge gab. Philipp sagt: “Es gab nie einen Masterplan, es gab nie eine passende Vision gepaart mit einer Strategie.“ Das ist wahrscheinlich ein Grund für Philipps Erfolg, denn er macht das alles mit unglaublicher Leidenschaft. Aus dieser Passion sind dann auch die Phoneheads und sein eigenes Label Combinations Records entstanden. Mittlerweile ist er zweifacher Vater und arbeitet als Marketing Manager bei Carhartt. Wer sich schon mal mit ihm über Musik unterhalten, oder es versucht hat, dem wird schnell schwindelig. Voller Verzückung sprudelt es nur so vor Bandnamen, Musikstücken und Konzertanekdoten. Mit tiefer Konzentration versucht man sich die Band zu merken, von der er besonders angetan referiert hat und im nächsten Moment ist einem der Name schon wieder entfallen, denn man möchte sich die darauffolgenden Informationen ja auch wieder merken. Zum Glück gibt es Aufnahmegeräte
und das Open Source Festival. Auch noch so ein Ding. Wie kommt man darauf ein Musikfestival in Düsseldorf zu starten? “Es gab hier nichts, was dem musikalischen Erbe der Stadt gerecht wurde. Aus dieser Intention ist das Festival entstanden. Hier wird zeitgenössische elektronische Musik präsentiert, nicht nur aus Düsseldorf, sondern auch international“, sagt Philipp. Das Festival gibt es seit zehn Jahren. Hätte Maiburg allerdings damals schon gewusst, mit welchen Rückschlägen und welchem Pech er zu kämpfen hat, er hätte es nicht gemacht. Trotzdem macht er weiter und sagt: „Uns war es wichtig, nicht so ein Ding von der Stange zu machen, wo eine Bühne aufs Feld geknallt wird und man zwischen Bungee Jumping und lustigen Hüten noch einen Döner verdrücken kann. Dort wird dann versucht mit einem dicken Line-up irgendwie Kohle zu machen.“ Da ist er wieder, dieser Pathos in der Stimme. Da sitzt jemand, der hat Lust & Leidenschaft und setzt diese um. Zum Glück wird er dafür mit zwischenmenschlichen Erlebnissen und unbezahlbaren Erinnerungen belohnt. Zum Beispiel erzählen ihm immer wieder Paare, dass sie sich auf dem Open Source kennengelernt haben und mittlerweile verheiratet sind. Oder die Gänsehaut-Geschichte als Jamie XX auf der Bühne stand und plötzlich die Nachricht von Amy Winehouse Tod die digitale Smartphone Runde machte. Alle sahen auf ihre Mobiltelefone, tauschten sich ob der traurigen aber leider absehbaren Nachricht aus und plötzlich fing es ganz kurz an zu regnen. „Das sind Momente, die nur ein Liveerlebnis bieten kann. Da kann man noch so viel vorm Internet hängen. Das sind Momente, die man nicht vergisst“, sagt Maiburg.
Dieses Jahr feiert das Open Source Jubiläum. Es gibt einige Highlights. Welche? Dafür lohnt es sich eine Karte zu shoppen und einen außergewöhnlichen Tag auf der Rennbahn zu erleben. Für Philipp passt das Open Source zu Düsseldorf und Düsseldorf zu seinem Festival. Denn viele kommen in die Landeshauptstadt ohne jemals was von Königsallee, Philipp Plein oder Altbier gehört zu haben. Nicht umsonst wählte der britische Guardian den „Salon des Amateurs“ zu einem der 25 besten Clubs Europas.

Maiburg sagt: „Musik aus Düsseldorf ist immer besonders. Nicht von der Stange. Klar gibt es da ein paar Ausnahmen. Aber die elektronische Musik, die aus Düsseldorf kommt, war immer sehr speziell und hat sich dadurch international etabliert. Das passiert auch durch die

Kunstakademie. Dadurch denken Musiker offener, die musikalische Äußerung der Szene wird von der Kunstakademie beeinflusst.“ Aber manchmal da muss er auch raus, raus aus Düsseldorf. Dann ist er sowohl beruflich wie auch privat gerne in anderen Städten, wie Köln oder London unterwegs. Meistens um Konzerte oder Ausstellungen zu besuchen. Wenn er dann wieder in die Landeshauptstadt kommt, gibt es eine Sache die er besonders schätzt. „Die Wege sind so schön kurz, man kann alles wunderbar mit dem Fahrrad erreichen und so ungeplante Abende mit vielen spontanen Spots verbringen.“

Wer weiß, vielleicht hält sein Fahrrad dann auch noch mal auf der Bolkerstraße beim Spiegel.

 MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Den ersten zu Hause, den zweiten Im Cafe Rekord. Und das mit erschreckender Konstanz.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… … am liebsten zu Hause.

 MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Gerne im Olio – am besten nach 14:00. Oder japanisch rund um die Immermann Straße. Da gibt’s einige gute Läden mit bezahlbaren Mittags Menüs. Im Winter auch schon mal bei Kati.

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Rotthäuser Bachtal, Grafenberger Wald und natürlich Rhein Ufer

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Das linksrheinsche Ufer, die Julia Stoschek Collektion und die Immermann Strasse.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Im Cafe Relax, bei Heinemann oder im Toykio.

ABENDS

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? KiKaKu

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Einmal war ich schon dort – totale Sensation: Nagaya

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Pssst…

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Solobar! Am besten Freitags. Mein Tip: Le Gurk

Dance the night away! Getanzt wird hier: Als DJ 1997 oder 98 in der alten Paketpost am HBF. Nicht in den Räumen des später eröffneten EGO Clubs sondern in einer ehemaligen Abfertigungs Halle im ersten Stock. Mit ca 2000 anderen Gästen. Brandneu hieß die nicht ganz legale Party und hat glaube ich nur zweimal stattgefunden. Jetzt sind die Räume mit Schauspielhaus Bühnen und Ordnungsamt belegt was sehr schade ist…

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Wenn ich im Ausland über meine Heimat spreche.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Nichts – wenn man in Düsseldorf lebt ist es gut immer mal wieder Abstand zu gewinnen. Das ginge mir aber an jedem anderen Ort aber genauso denke ich…

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Sauerbraten Nigiri

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Die Stadt hat zu Recht den Ruf offen zu sein und frisch Zugezogene oder Besucher egal woher sie kommen willkommen zu heißen. Das gibt eine positive Grundstimmung.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Die Eingriffe ins Stadtbild verändern den Ort nicht zum besseren, da läuft viel schief finde ich. Zudem verschwinden dadurch immer mehr Freiräume, die die Stadt aber unbedingt braucht.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Neben dem offensichtlich Schönen mag ich auch vermeintliche Unorte wie etwa den Mintrop Platz, die Straßen zwischen HBF und Stadtmitte, sowie ein paar Orte in Oberbilk und Garath.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Meistens kaufen wir alte Sachen. Neues baut uns öfter Stefan Schwander (Antonelli) von Teilmöbliert.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Robert Schmitz, Carhartt WIP Store, ELA.

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Marion Strelow. Ich mag ihre Konstanz und ihre Offenheit neuen Projekten gegenüber . Sie hat ihren ganz eigenen, strengen, eleganten und trotzdem unkonventionellen Ausdruck, den sie immer wieder neu ausformuliert. Außerdem hat sie hohe handwerklichen Fähigkeiten. All Made in Düsseldorf.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? An einem sonnigen Samstag Vormittag im Frühjahr auf der kleinen Terrasse bei Heinemann im Kö Center. Von dort kann man prima scannen was so alles in die Passage lang flaniert. Höchster Unterhaltungsfaktor. Da würde selbst Rene Zellweger noch mit Natürlichkeit glänzen.

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Was ich anziehe entscheidet meine Tagesform und der Moment. Wenn ich dann mal vorher plane was ich am nächsten Tag anziehe entscheide ich mich am Ende doch anders…

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Eigentlich esse ich fast alles sehr gerne wenn es gut zubereitet ist. Besonders Japanisch.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Die Klassiker: Musik, Sport, Natur, Rotwein…

Dein Lieblingsreiseziel ist? Tramuntana Gebirge – Mallorca.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch? John Williams – Stoner

Dein All-Time-Favorite-Movie? The Party

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler?
Linda Perhacs  – The Soul Of All Natural Things
Kendrik Lamar – To Pimp a Butterfly
Andy Stott – Faith in Strangers
Future Brown – Future Brown
Sir Simon Bishop – VDSQ Solo Acoustic Volume Eight

Dein All-Time-Favorite-Song? Das ist sehr schwer. Kann ich nicht sagen…

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Sorry. Da hat mich die Wahlheimat noch nicht gekriegt: Borussia Mönchengladbach

VIELEN DANK!

Text & Interview: Britt Lörcks
Fotos: Robin Hartschen
© THE DORF 2015