Marc Booten

Name: Marc Booten
Alter: 44 Jahre
Beruf: Dozent für biologische Haar & Hautpflege

Gelernter Beruf: Kräuterkundler
Geburtsort: Straelen

Wohnort: Düsseldorf-Derendorf
Webseite: www.marcbooten.de

Vor einigen Wochen waren wir bei ihm zuhause, damals ganz im Dienste der Kunst. In seinen privaten vier Wänden auf der Yorkstraße 1a initiierte Marc Booten mit seinem Kurator Leonard J.E. Pleschberger die Ausstellung Y1a2012. Doch neben der Kunst ist Marc Booten auch ein Mann des Handwerks. Heute besuchen wir den Friseur und gelernten Kräuterkundler an dem Ort seines Schaffens, in seinem Salon auf dem Gelände der ehemaligen Spoerl-Fabrik auf der Tußmannstraße.

Mittlerweile als „Star-Friseur“ bezeichnet, setzt der 44jährige seit 20 Jahren in seinem Fach auf Natürlichkeit und Nachhaltigkeit. Die eigens von ihm entwickelte biologische Haarpflegeserie entspringt seinem profunden Wissen über die Wirksamkeit der Kräuter und ziert unlängst so manches Badezimmerschränkchen – in Düsseldorf, deutschlandweit aber auch über die Landesgrenzen hinaus. In New York wurde er 2016 unter die 200 besten Friseure gewählt und bekam die „Salon of the World“ Auszeichnung.

Am Anfang war die Walnussschale: Zumindest beim jungen Marc Booten. Denn schon mit 17 Jahren fängt er an, mit Produkten aus der Hand von Mutter Natur zu experimentieren, sie auszukochen und –schwupps– Haarfarben herzustellen. Damals steckt er noch mitten in der Ausbildung an einer internationalen Friseurschule. Aus den Pflanzenfarben entstehen letztendlich ausgeklügelte Produkte. Aus der Ausbildung ein ausgereifter Beruf.

Nach der Lehre ist Marc viel unterwegs in seinem Fach und bereist regelmäßig Metropolen wie London, Paris oder Brüssel. Dort wandert er von Salon zu Salon und macht es sich zur Aufgabe, Schulungen im Friseur-Handwerk zu erteilen. „Die Stufe des klassischen Friseurs habe ich quasi übersprungen“ sagt er. „Bei uns in Deutschland tickte vor 25 Jahren der Friseurmarkt noch anders als wir ihn heute kennen. Die Schnitte waren nicht wirklich ausgereift und die Damen besuchten ihren Friseur des Vertrauens regelmäßig zum Waschen-Legen.“

Die neuen Haarschnitte aus London, die Marc im Gepäck hat, müssen sich daher hierzulande erst einmal harten Kritiken stellen. „Die Modefirmen haben den Look relativ schnell begriffen“ erklärt er und fügt hinzu: „Jil Sander beispielsweise wollte verstärkt einen natürlichen Look.“ So kommt es, dass er anfängt, an den Sets eben solcher Modefirmen mitzuwirken. Dort wird allerdings bald klar, dass immer wieder gezielte Produkte fehlen. Naturprodukte sind noch gar nicht auf dem Markt. „Es wurde damals alles mit Haarspray zubetoniert“ erinnert sich Marc. Die Idee, Natürlichkeit zu produzieren, wird in dieser Phase geboren und seine anfänglichen Versuche des Produzierens ausgefeilt.

Und dieses Vorhaben sollte bald Früchte tragen, denn schnell bekommen die großen Modemagazine Wind von Marc Booten und seinen Produkten. Frei nach dem Motto „Der macht so glänzende Haarfarben, den brauchen wir!“ wird er laufend gebucht. Der große Ritterschlag kommt schließlich von der deutschen VOGUE. Bei einem Frisierjob gerät die damalige Chefredakteurin selbst in Begeisterung über seine Naturprodukte, bekommt ihr eigenes Exemplar und veröffentlicht es prompt im Magazin. Das einzige Problem: „Von jetzt auf gleich brauchte ich 6.000 Flaschen Haarcreme!“

So nimmt die Entwicklung zur Marke „marc booten“ ganz ungewollt und unvorbereitet ihren Lauf. Sieben Tage die Woche dreht sich sein Leben alleinig um das neue System und geht meist noch darüber hinaus, da Haare & Make-Up Jobs in Redaktionen immer wieder hinzukommen. Im Jahr 2000 reift schließlich der Wunsch nach einem eigenen Laden. Bloß wo ist noch nicht klar. Zur Option stehen für den damaligen Hamburger die Städte Paris, Sylt und Düsseldorf.

Das passende Schloss zum eigenen Schlüssel lauert dann in der hiesigen Akademiestraße. Düsseldorf sollte sich als gute Wahl herausstellen, da die Stadt nah zur Heimat – dem Niederrhein – und zugleich zum Flughafen gelegen ist. Von dem aus befliegt der Haarmeister nämlich in den Anfängen noch einmal die Woche seinen alten Wohnort, an dem er eine Friseursendung im Fernsehen moderiert. Zusätzlich frisiert er nach wie vor für große Modefirmen wie Prada und Akris.

Nach drei Jahren auf der Akademiestraße winkt die Vergrößerung zur Heinrich-Heine-Allee in die zweite Etage eines Jugenstilhauses mit prächtigen Flügeltüren und vielen Mitarbeitern. „In der Zeit haben wir richtig geackert “ berichtet Marc. Doch mit dem Ruhm kommt auch die Schattenseite: Ein Zusammenbruch hat den Verkauf des großen Ladens und die Übersiedlung ins ruhigere Eckchen Derendorf, auf die Tußmannstraße, zu Folge. Heruntergekürzte drei Tage die Woche ist er dort persönlich am Werk und arbeitet danach neben Presseterminen und Seminaren zum Thema Haarpflege weiter an seiner Produktlinie.

Anfangs war der Vertrieb noch ein Ergebnis stundenlanger Handarbeit, denn jedes Produkt wurde nachts einzeln und mühevoll mit Aufklebern versehen, um am nächsten Morgen in die Geschäfte geschickt werden zu können. Heute ist „marc booten“ eine Marke mit internationaler Nachfrage. Sie agiert in Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Apotheker Dr. Schenck, der sich im Laufe der Zeit den Feldern Marketing, Vertrieb und Organisation angenommen hat. Marc fokussiert sich auf sein Steckenpferd, die Inhaltsstoffe und Kreation der Produkte. Neueste Entwicklung: Haarkapseln zur Nahrungsergänzung. Er sagt „Wenn Kunden berichten, wie ihnen dadurch Haare wieder nachwachsen, ist das sehr cool!“

Düsseldorf ist für den Friseur seit seiner Übersiedlung aus Hamburg schnell ein Zuhause geworden und konstant geblieben. Als gebürtiger Niederrheiner empfindet er sich auch nicht unbedingt als Nicht-Düsseldorfer. „Wir waren damals eben schon sonntags im Ratinger Hof. Es war also ein bisschen das Gefühl von nach Hause kommen. Viele alte Bekannte habe ich hier auch wiedergetroffen,“ erzählt er uns und fügt hinzu: „Wir haben hier eine super-coole Stadt mit super-coolen Leuten!“

Daher ist ihm Dankbarkeit für die Stadt ein besonders wichtiges Anliegen. Ob es dafür ist, dass Gelder in Schulen gesteckt, neue Fahrradwege geschaffen werden oder Mühe in die Verschönerung des Stadtbildes gesetzt wird. „Ich freue mich, dass gerade so viel Gas gegeben wird. Ich freue mich auch auf das Schauspielhaus, wer auch immer da Geld reinsteckt. Daher wünsche ich mir für Düsseldorf und seine Bürger auch Dankbarkeit.“

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Augen noch ganz klein, etwas wortkarg… den besten Espresso der Stadt gibt es im Baustoff. Dimi trinkt ebenfalls einen mit.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… im Café Heinemann. Seit meiner Kindheit ein Ort für Frühstück und natürlich gibt es dafür auch gerne mal die Mittagskarte. Die Gastlichkeit befindet sich auf höchstem Niveau und in der Bahnstraße gehören wir wohl fast zum Interieur. Heinemann Spezial ist übrigens meine Lieblingstorte, die bei einem Besuch nicht fehlen darf. Auch toll: Klassiker, wie die Rinderroulade mit Rotkohl und Püree. Meine Großmutter wäre ganz dolle froh gewesen, zu sehen, dass ein Portrait von mir an der Wand des Café Heinemann auf der Blumenstraße hängt – zwischen Prominenten & Düsseldorfer Gesichtern.

Den besten Kaffee gibt es… bei Maria aus der Mandelbrennerei Gagliardi in der Kapuzinergasse 2. Klein und fein, der Duft von frische Mandeln unbeschreiblich klasse! Besonders die Cappuccino Mandeln sind einfach mega lecker!

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf wo? Brigit gehört für mich zu Düsseldorf wie der Rhein: Die Alte Metzgerei in Flingern ist immer wieder eine Mittagspause wert. Da hier halbe Portionen erlaubt sind, probiere ich mich gerne durch die Auswahl!

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Der Rosengarten in der Citadelle. Aber auch den Rhein runter zum Beach und dort auf das Wasser schauen.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Das Café Rekord in Flingern ist für mich rekordverdächtig in Sachen Käsekuchen, dazu immer gerne einen Kaffee. In der Altstadt muss es Pure Freude sein. Dort dann auf jeden Fall ein Mango Törtchen.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Unser Stammtisch ist ja gern unterwegs und bekannt in vielen Gastronomien. Der Köbes fragt sich immerzu, was machen die wohl beruflich… so kehren wir mittwochs im Schumacher auf der Oststraße ein, herzlich willkommen und immer ein frisches Bier zum Pillekuchen.

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Am Zault in Unterbach, seit 225 Jahren die Grenze in Düsseldorf. Die Zault Dorfstube zaubert ein frisches Schlüssel vom Fass und dazu einen perfekten Düsseldorfer Senfrostbraten. Geschmaust wird auf alten Rathausbänken und im Sommer auf dem Dorfplatz, dem wohl schönsten Biergarten der Stadt.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Früher war es das Bistro oder der Aalschocker im Schiffchen, jetzt heißt es Enzo. Der Sterne Koch Jean Claude Bourgueil hat mich bereits einige Male eingeladen. Daher bin ich – versprochen – ganz bald in Kaiserswerth!

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Das Restaurant Spoerl! Früher war es mein Stammlokal, jetzt ist es mein Nachbar und zugleich meine Lieblingsküche. Wenn ich Besuch habe und wir uns fragen, was wir essen wollen, liefert die kleine Karte im Spoerl die passende Antwort. Ob Spaghetti mit Muscheln oder individuelle Kreationen der jungen und wilden Köche – nix bleibt übrig auf den Tellern.

Dein Lieblings-Altbier: Vor Ort ein Schumacher, daheim ein Bolten Ur-Alt.

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Immer schon die Melody Bar. Heidi & Erich haben mich nach meiner Wiederkehr aus Hamburg mit offenen Armen aufgenommen. Yvonne ist als jetzige Wirtin für mich grandios, die Cocktails perfekt. Ein Stück Düsseldorf, mein Zuhause.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Das Re-Opening der Hans Mayer Galerie am Grabbeplatz. Dort wurde ein Kraftwerk Konzert an das K20 gestrahlt und Gotthard Graubner sagte, es sei ein magischer Ort hier.

Dance the night away! Getanzt wird hier: Im Golzheim! Beton in der Brücke, Klang im Kopf – man fühlt sich wie in einer Kapsel aus Glück. Und auch wenn es sich nicht so anfühlt, es ist Düsseldorf!

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? An Karneval in der Altstadt, wenn die Marktfrauen zu mir sagen, DU bist doch ennne Altstädter Jung!

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Meinen Raum in der Yorckstr, Project Space und Office.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Champagner Trüffel von Heinz-Richard Heinemann

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Die morgendliche Frage beim Stammtisch: „Wohin gehen wir jetzt?“

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Die Kunstakademie samt ihren Studenten, Dozenten, Räumen und der Dachterrasse geben mir seit vielen Jahren Inspiration. Der Blick auf den Rhein, nebenan Menschen die den Ort als Labor nutzen.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Frank von neuReich berät mich seit langer Zeit. Unsere Wohnung in Berlin hat er sorgsam eingerichtet und den Düsseldorf-belgischen Style in den Hauptstadt-Look eingebracht. Meinen Salon in der Spoerl Fabrik hat er als Raum bestehen lassen und mit ausgesuchten Lichtobjekten zum Strahlen gebracht. Tische und Regale baut für mich HCK-Interior. Stahl und Holz passen zum Beton in meinem Atelier, der Eindruck bleibt.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Bei Selekteur finde ich immer ein Geschenk, egal für wen! Bei Friendly Hunting gibt es kuscheligen Cashmere, ganz ethisch korrekt! Und bei Kuck Jewellery finde ich pures Gold. Entweder für schlechte Zeiten oder gerade die Guten, in Love.

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Marion Strehlow ist seit unserer Jugend für mich eine besondere Inspiration. Unzertrennlich, liebevoll in jedem Detail, Dankbarkeit über so viele Jahre, ein Schatz in meinem Leben.

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Die Treppe vorm Salon. Im Sommer fragt man sich immer „Wo kommen dieses Menschen alle her?“

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Schwarz, Schwarz, Schwarz. Ich nehme mich zurück und setze meine Konzentration auf das Wesentliche, nicht auf mich. Labels: Comme des Garcons & stre-low.com

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Leicht, Lässig, Luxus

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Immer schon Tafelspitz im Roberts Bistro

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? In den Augen meines Freundes.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Sylt, das Hotel Kamps. Oma Inas Kuchen ist eine Sünde wert. Cornelia Kamp führt dort meine liebste Galerie. Tim von Geizenreder zeigt mir immer wieder die schönsten Orte und besten Restaurants. Allerdings ist seit Jahren immerzu mein Favorit das Webchristel im Westerland. Neu dazugekommen, das Johannes King Restaurant in Keitum, lecker!

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Ganz entspannt im Hier und Jetzt

Dein All-Time-Favorite-Movie? Trainspotting

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Stabil Elite

Dein All-Time-Favorite-Song? Tief im Westen

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Meine Geschäftspartner, die Herzogen Apotheken in Düsseldorf, sind Lieferant und Partner der F95. Somit hoffe ich, dass die Fortuna einige Marc Booten Shampoos in Gebrauch hat. Marc Booten ist aber auch Sponsor des TSV Nieukerk, F-Jugend. Da laufen zwei Mannschaften mit Kindern zwischen 7 und 9 Jahren in Marc Booten Trikots auf den Platz. Auch da bin ich Fan!

Vielen Dank!

Interview: David Holtkamp
Text: Vanja Janjic
Fotos: Jens Schneider
© THE DORF 2017