Ivory Clay

Name: Pulad Mohammadi
Alter: 35
Beruf: Musiker/Maler

Geburtsort: Teheran
Wohnort: Düsseldorf-Bilk

Name: Nino Peschel
Alter: 31
Beruf: Musiker/Kameramann

Geburtsort: Düsseldorf
Wohnort: Düsseldorf-Pempelfort

Ivory Clay, das sind Nino Peschel und Pulad Mohammadi. Seit fünf Jahren machen die beiden als Ivory Clay zusammen Musik. Diese Woche, am 17. Februar 2017 erscheint endlich ihr langersehntes Debütalbum „Doubt“, was einen Tag später, am 18. Februar 2017 im MUSIKZIMMER vorgestellt wird. THE DORF traf die beiden Musiker zum Talk.

Die Düsseldorfer Band Ivory Clay ordnet ihren Musikstil schon seit längerer Zeit keinem herkömmlichen Genre mehr zu. Stattdessen agiert sie möglichst „genrefrei“, wobei sich ein bestimmter Charakter in ihren Songs immer wieder findet. Einfache Gesangslinien lassen dabei eine poppige Komponente entstehen. Ivory Clay gehört zu einer der wenigen Bands aus dem Underground der Independent Szene, die sich in ihrer Arbeit intensiv mit aktuellen sozialpolitischen Fragen auseinandersetzt und mit ihrem Video zu „Towards The Open Night“ eine Vorreiterrolle in der Thematisierung von Flucht und ungewisser Zukunft einnimmt.

„Die Unterscheidung zwischen elektronischer und akustischer Musik ist unserer Ansicht nach irrelevant geworden“, so Pulad Mohammadi (35 Jahre). Der gebürtige Iraner lebt bereits seit 1986 in Düsseldorf und schloss kürzlich erst als Meisterschüler von Marcel Odenbach an der Kunstakademie Düsseldorf sein Studium ab. Er kam schon früh in Kontakt mit Musik und gründete mit 12 Jahren seine erste Goth-Metal Schulband, nachdem er sich von einem Freund eine E-Gitarre geliehen hatte. Er lacht: „Unser größter Hit war ein Death-Metal Cover von Hardcore Vibes (Dune).“ Musiker wie Paul Simon, John Lennon, Ozzy Osbourne und John Scofield haben ihn während seiner musikalischen Laufbahn sehr geprägt. Pulad ist bei Ivory Clay der Gitarrist und übernimmt einen Großteil des Songwriting.

Bei Nino Peschel (31 Jahre), dem Sänger und Keyboarder von Ivory Clay, war es vor allem Jonas Burgwinkel, der für ihn mit seinem Schlagzeug und dem Jaylib-Sound lange Zeit unerreicht blieb. „Wenn wir heute Musik machen schwingen auch immer Einflüsse von Bohren & der Club of Gore nach, ebenso wie Fela Kuti oder Portishead“, so Nino. Nino war bereits mit fünf Jahren Drummer in einer Punkband und wies schon als Kind eine hohe Affinität zu Musik auf. Er erzählt: „Zunächst habe ein Set aus Dosen und Kisten zusammengestellt, alles was man so im Zimmer findet, später hat mein Sänger in einem Quiz ein Mickey-Mouse-Drumset gewonnen. Die Tapes haben wir dann als Flohmarkt auf der Straße an Omis vertickt und fanden es lustig, wenn sie später zu Hause nicht das auf der Kassette deklarierte Märchen erwartete, sondern unsere Punkmusik. Heute ist es natürlich schade, diese Raritäten nicht mehr zu besitzen.“ Neben der Rolle in seiner Band schloss Nino vor Kurzem sein Studium als Kameramann an der IFS Köln ab.

„In jedem Song des Albums stecken Angebote, wie der Zweifel, der uns als Menschen und unsere Zeit so ausmacht, musikalisch übersetzt werden kann. Letztlich geht es darum zu lernen, mit der Ungewissheit zu leben und daraus zu schöpfen.“ Ivory Clay

Anfänglichen Konzerten in der lokalen Szene wie dem Salon des Amateurs folgten überregionale Festivals. 2014 gewannen Ivory Clay den Preis der Bandprofessionalisierung der Stadt Düsseldorf, den sie in ihre Live-Show und einen selbst konzipierten Film investierten, der 2015 im Atelier im Savoy aufgeführt wurde.

Parallel stieg auch die mediale Beachtung. So wurde die Band von Klaus Fiehe entdeckt und ins Begleitprogramm zur Verleihung des PopNRW Preises 2015 im Rahmen der c/o Pop eingeladen, sowie von WDR 1Live für die Sendung „Heimatkult“ interviewt. 2016 bekam die Band zudem den Förderpreis für Musik der Stadt Düsseldorf verliehen.

Kein Wunder. Ivory Clay sticht vor allem durch die Vermischung organischer und digitaler Klänge heraus. Die Band versucht es gezielt, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den beiden Elementen zu schaffen. Dabei steht das Organische für das Menschliche, das Digitale oder Elektronische soll das Entmenschlichte symbolisieren. Im übertragenen Sinn versucht die Band dabei auf aktuelle gesellschaftliche Phänomene aufmerksam zu machen: „Wo ist noch der Mensch in uns in dieser Internetgesellschaft?“ An diesem Punkt klärt sich auf musikalischer Ebene, wann ein Instrument organisch ist und wo es ins Digitale abrutscht. Ihre Songs sollen das tatsächliche Erleben, was man als Mensch hat, ins Musikalische übertragen – „man lebt nicht nach einer klaren, harmonischen Melodie“. Das Motto der Band ist dabei so simpel wie einleuchtend: die Hinterfragung der Realität.

In Zukunft möchte die Band ihre eigens inszenierten Visuals während eines Konzerts noch weiter in den Vordergrund rücken. Das auditive Erlebnis soll durch die visuellen Geschehnisse erweitert werden. Davon überzeugen kann man sich am 18. Februar 2017 im MUSIKZIMMER. Hier findet das offizielle Release ihres neuen, lang ersehnten Debütalbums „Doubt“ statt, was beim Düsseldorfer Label Unique Records am 17. Februar erscheint. Los geht es um 20 Uhr, Gast ist Wolf Müller.

Samstag, 18. Februar 2017, 20 Uhr / MUSIKZIMMER
UNIQUE RECORDS Album Release
Ivory Clay + Wolf Müller
Eintritt: 8,-

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkt Ihr morgens Euren Espresso in der Stadt, um wach zu werden?
Pulad: Am liebsten zu Hause.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man Euch…
Pulad: Bei mir Zuhause. Ich war aber auch schon mal bei Miss Moneypenny.
Nino: Ich war hier erst zweimal Sonntags außerhalb Frühstücken. Einmal beim Suli’s und einmal bei Totti’s Eismanufaktur. Beide waren ganz geil, aber am liebsten bin ich dann doch auch zu Hause.

Den besten Kaffee gibt es…
Pulad: So ein Irish Coffee mittags im Bazaar, der macht schon munter.
Nino: Eine Zeit lang besaß ich mal die Muße, gute Bohnen in einen Espressokocher zu hauen. Das ist kein Vergleich. In Groningen hatte ich mal einen Espresso, ich glaube nur dafür fahre ich eines Tages nochmal hin. Das war wirklich unglaublich.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen geht Ihr in Düsseldorf…
Nino: Bei Laura’s Deli am Burgplatz war ich einmal. Das Essen war ok, die Preise absurd. Nochmal kann ich mir das nicht leisten. Das Mittagsmenü im Kirti’s Dhaba stimmt sehr gut, auch wenn leider das Paneer Masala nur auf der Abendkarte zu finden ist.

NACHMITTAGS

Eure Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen:
Nino: Ich hab mich sehr gerne an den Rheinwiesen aufgehalten. Gerne mache ich dort dann auch mal bei einer Fahrradtour rast auf der Mauer und genieße das schöne Düsseldorfer Panorama von der Altstadt bis zum Apollo, oder ich beobachte die glücklichen Menschen auf der Wiese. Leider ist dort seit dem großen Sturm alles hässlich.

Drei Plätze in Düsseldorf, die Ihr Euren Gästen unbedingt zeigen müsst?
Nino: Der Sandstrand bietet schon einen ungewöhnlichen Blick auf die Stadt, ansonsten auf jeden Fall Bolker und Kurze Straße.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man Euch hier:
Nino: Um punkt vier Uhr habe ich selten Zeit für Kaffeeklatsch, im Goldregen ist es aber sehr charmant und die Kuchen sind auch ausgezeichnet.
Pulad: Starbucks im Hbf.

ABENDS

Wo verbringt Ihr am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie?
Pulad: Im Ufa-Palast Hbf.
Nino: Zu Hause vorm Kamin.

Welches Restaurant repräsentiert für Euch am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf?
Nino: McDonald’s.
Pulad: Schlüssel.

Ein Restaurant, wo Ihr immer mal hinwolltet, aber noch nie wart:
Nino: Ein vielversprechender Geheimtipp war Langes No.1, zu dem Laden habe ich es leider nicht hinbekommen, mal hinzugehen, als es den noch gab, mittlerweile ist der schon wieder weg.

Euer absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den Ihr hier mit allen teilen möchtet?
Pulad: Mandu hinterm Hbf.
Nino: Wirklich ein ganz toller Koreaner. Man darf sich von dem ganzen Trash nicht abschrecken lassen.

Euer Lieblings-Altbier:
Nino: Kürzer ist nah dran, das mit Abstand beste Alt zu sein. Nur scheinen die ihre Batches nicht im Griff zu haben. Mal schmeckt es wirklich abgöttisch, traumhafte Würzigkeit, perfekte Malz- und Karamellnoten. Mal schmeckt es aber auch furchtbar bananig und nach Autoreifen. Ich hoffe, das pendelt sich noch ein, denn sie haben das Potenzial zum absoluten Champion.

NACHTS

Eure Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind:
Pulad: Nick im Ellington, auch wenn die Bar eingebildet ist und keinen Tiefgang hat. Nick rettet alles. Sonst natürlich Costa. Kürzlich noch entdeckt: die Bar Alexandra in Bilk. Die Einrichtung ist irgendwie krumm, da hab ich mich lang nicht reingetraut. Aber dann war ich überrascht – unprätentiös, persönlich, kenntnisreich und in den Cocktails steckte wirklich Liebe.
Nino: Ich hätte jetzt an das freundliche und kompetente Duo im Café de Paris gedacht, aber Costa, ganz klar.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf habt Ihr wo verbracht?
Pulad: Irgendwas wo Costa auch dabei war.

Dance the night away! Getanzt wird hier:
Nino: Meine Blütezeit habe ich im Unique Club verlebt. Seitdem eigentlich nicht mehr.
Pulad: Schicki!

Wo und wann fühlt Ihr Euch wie ein „richtiger Düsseldorfer“?
Nino: Wenn ich in Köln gemobbt werde.
Pulad: Auf dem Fischmarkt mit einem Gulasch-Alt in der Hand.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach…
Nino: Plastik.

Was liebst du am meisten an Düsseldorf?
Pulad: Dass ich mich hemmungslos abschießen und unmöglich daneben benehmen könnte und keinen juckt es, denn das ist in Düsseldorf Normalität.

Was hasst Ihr am meisten an Düsseldorf?
Nino: Den Kö-Bogen und vor allem diesen Teich davor mit seinen Sitzgelegenheiten. Richtig schlimm.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die Euch in Eurem Job inspirieren?
Pulad: Der Blick auf den Rhein und das andere Rheinufer von der Terrasse der Kunstakademie aus.

STIL

Wo sucht & findet Ihr Möbel für Eure Wohnung?
Pulad: IKEA Reisholz oder Kleinanzeigen. Das Zepter hält mittlerweile meine Freundin in der Hand.

Eure Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf?
Nino: Saturn, Ihr Bäcker Schüren, Kaas Frischdienst.
Pulad: Breuninger und COS, wenn Sale ist. Und Penny.

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den Ihr besonders schätzt und wenn ja, warum?
Pulad: Use möre Gas, wegen Costa

Der beste Ort, um Leute zu beobachten?
Pulad: In der Schaukel.
Nino: In der Bahn natürlich. Neulich hörte ich von diesem Typen, der dort aufgeschnappte Gesprächsfetzen twittert. Das wiederum gefällt mir dann aber überhaupt nicht.

Nach welchen Regeln stylt Ihr Euch? Was geht gut und was geht gar nicht?
Nino: Augen zu und durch.

Beschreibt den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten:
Nino: Fellkragen, Ballermann, Elyas M’Barek
Pulad: Möchtegern, Hip, Arty.

ALLGEMEIN

Was schätzt Ihr an Düsseldorf?
Pulad: Die vielen Kreativen die von Düsseldorf aus welthistorisch wichtige Werke geschaffen haben. Das fing schon mit Heine an, später Grass, Beuys, Kraftwerk , Richter um nur einige zu nennen.. Irgendwie konnte hier immer was neues entstehen, so ein Mythos macht Hoffnung.

Was vermisst Ihr, wenn Ihr auf Tour seid?
Nino: Nichts wirklich. In der Ferne merkt man, wie schön manche Dinge eigentlich sein könnten. Trotzdem, wenn ich dann nach einiger Zeit wieder in den Düsseldorfer Hauptbahnhof einfahre, aussteige und diese markant riechende graue Luft einatme, ist es irgendwie ein gutes Gefühl.
Pulad: Ich war noch nie auf Tour.

Was ist Euer Lieblingsessen?
Pulad: Lasagne
Nino: Paneer Masala

Wo oder wobei könnt Ihr am besten entspannen?
Nino: Beim Schlafen.
Pulad: Auf der Couch mit Ben und Jerrys Eis und einer perversen amerikanischen Serie.

Euer Lieblingsreiseziel ist?
Pulad: Mit meiner Maus.
Nino: Aktuell Bydgoszcz (PL), ich freue mich riesig aufs Camerimage Filmfestival.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch?
Pulad: Sei langer langer Zeit schon, der Mann ohne Eigenschaften von Robert Musil.

Welchen Kinofilm habt Ihr zuletzt gesehen?
Pulad: LalaLand
Nino: Zurück in die Zukunft Teil I bis III.

Euer All-Time-Favorite-Movie?
Pulad: Mississippi Burning
Nino: Puh, eine Mischung aus 2001 a space Odyssey, Citizen Kane und Das Turiner Pferd.

Aktuell läuft auf Eurer Playlist/Eurem Plattenspieler?
Nino: Paranoid von Black Sabbath.
Pulad: Life is Killing me von Type o Negative.

Euer All-Time-Favorite-Song?
Pulad: You can call me Al
Nino: Bohren & der Club of Gore – Kleiner Finger

Für welchen Verein schlägt dein Herz?
Pulad: Werder Bremen natürlich.
Nino: Ich bin wirklich kein Vereinsfan, aber Bayern spielt glaube ich aktuell ganz gut.

Vielen Dank!

Interview: David Holtkamp
Text:
 Nico Bülles & Tina Husemann

Fotos: Sabrina Weniger
© THE DORF 2016/17