Foto Schiko

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Name: Schiko
Alter: 49 Jahre
Beruf: Fotograf
Gelernter Beruf: Testpilot

Geburtsort: Düsseldorf
Stadtteil: Friedrichstadt
Webseite: schiko.de

Selbst die Punks haben hier schon Markenklamotten getragen.

2-3 Sätze zu Deiner Person: Männlich, 1,78m, ledig, aber schon vor 20 Jahren kein Frischfleisch mehr, sucht sie, reich, schön, Alter egal, zwecks gemeinsamen Lebens. Ich bin gesund und liebe Kinder. Ohne Intimitäten keine Erektion.

Wahrscheinlich ist das jedem schon mal passiert: Irgendjemand sagt etwas und man mag ihn direkt. Egal, ob es tiefgründig oder banal ist. So erging es uns beim Interview mit Schiko. Er entpuppte sich als Rod Stewart, Elton John und Stevie Wonder Fan – und gleichzeitig als wandelndes Lexikon in Sachen Hip-Hop-Historie. Aber noch mal auf Anfang. Wer ist dieser Schiko überhaupt?!
Wer öfter in Bilk und Friedrichstadt unterwegs ist, dem ist vielleicht schon mal ein Typ mit gelber Cap aufgefallen. Das Auffallende ist nicht unbedingt die Cap selber, sondern eher der Fakt, dass die Hutkreation mit ihm verwachsen scheint. Meistens kombiniert er diese mit einem extravaganten Klapprad oder mit seinem Plastikfahrrad, eine Rarität der Firma ITERA. Die Rede ist von Schiko, Vorname Foto. Beruf Fotograf.
Eigentlich hat Schiko einen anderen Vornamen, aber der scheint so lange her, dass er keine Rolle mehr spielt. Wir treffen uns also mit Foto Schiko im Kucheneck in Bilk. Erste Frage: „Was ist Düsseldorf für dich?“„Düsseldorf ist meine Heimat, Punkt.“ Schiko hält es da wie der französische Schriftsteller Guy de Maupassant: „Wer seine Heimat wirklich kennt, begnügt sich nicht mit täglichen Lobgesängen, sie sei die Beste, die Erste auf der Welt. Nein, er arbeitet unablässig daran, dass sie es ist, die bleibt.“ Und das macht er. Und zwar mit seiner Kamera.
Er fotografiert fast ausschließlich analog, bereits sehr lange und mit einer ungeheuren Intensität, dass sein Archiv circa 7.000 Filme umfasst. Das sind dann locker eine Viertelmillion Aufnahmen. Menschen, Kultur, Zeitgeschichte. Alles was Schiko berührt, bewegt und interessiert. Eine seiner ersten Fotoarbeiten war das Cover für das Plattenpapst-Album „Full House.“ Sein Stammlokal war der Unique Club, hier war er Haus- und Hoffotograf, hier entstanden viele seiner intensivsten Bilder von Menschen, bevorzugt von Musikern.
2008 veröffentlichte Schiko zum 20jährigen Bestehen von Unique Records gemeinsam mit Max Gaddatsch das Buch „Unique Records – High Quality Recordings Since 1988“. Neben Geschichten um Tonträger, Partys und unvergessene Live-Acts sind die zahlreichen Fotografien von Schiko Hauptbestandteil des Buches. Fotografien von DJs wie Eddie Piller, Gilles Peterson oder Hans Nieswandt, hinter den Plattenspielern des Unique. Menschen, die tanzen und feiern, Musiker, wie Bobby Hebb oder Brian Auger, die auf der kleinen Unique Bühne in ihrem Sound aufgehen.
Um sich einen Überblick über Schikos Schaffen zu verschaffen, empfiehlt sich folgendes Szenario: Ein paar gute Platten rauslegen, je nach Uhrzeit Wein oder Kaffee, (oder beides) und ein paar Stunden Zeit. Und dann schaut man sich seinen Blog auf www.schiko.de an und versinkt. Versinkt worin? Zunächst beruhigen die Schwarz-Weiß-Aufnahmen ungemein. Man entdeckt immer wieder versteckte Details und dadurch, dass man weiß, dass seine Bilder fast alle analog entstanden sind, bekommen sie eine ganz andere Wertigkeit.
Ein Foto zeigt den Überwachungsmonitor seines schwerkranken Vaters im Hospital. Kombiniert mit einem sachlichen und doch persönlichen Text erlangt diese Aufnahme eine spezielle Bedeutung und Wertigkeit, selbst für jemanden, der Schikos Vater nicht kennt. Man erinnert sich auch Tage später daran, während man teilweise heute nicht mehr weiß, was man gestern bei Instagram hochgeladen hat. Schiko empfindet sich im Zuge der Globalisierung als Rheinländer. Er mag die offene Art, dass man jemandem
auf der Straße sagen kann: „Ey, mir gefällt deine Hose. Mach das mal in München, da gucken die dich nur blöd an.“ Die Menschen sind gut angezogen, gerade das schätzt er an Düsseldorf. „Selbst die Punks haben hier schon Markenklamotten getragen. Diese Verbindung von Kunst, Mode, Musik und Lebensart, die finde ich sehr interessant und die ist in Düsseldorf sehr vorherrschend. Fahr mal nach China und frag nach Düsseldorf. Kennt keiner. Sagst du aber Kraftwerk oder Bernd Becher, die kennen sie alle.“

Seine Kamera ist für Schiko wie für andere der Lippenstift oder das Päckchen Kippen – sie ist immer dabei. Und wenn er sie vergessen hat, dann kommt er auch schon mal zu spät, weil er noch eben mit dem Klapprad nach Hause düsen muss, um Film oder Kamera zu holen. Neben seinen Bildern realisiert er Bücher mit einer Düsseldorfer Germanistik Professorin oder arbeitet als Dozent an der Fachhochschule. Aber Schiko liegt eigentlich noch eine ganz andere Sache am Herzen. Die Archivierung seiner Bilder. Und zwar so, dass die Welt etwas mit den 250.000 Bildern anfangen kann, wenn er mal nicht mehr ist.

Denn der Fotograf ist sich sicher: „Das Schriftliche wird als Übertragungsmöglichkeit von Geschichte vom Visuellen abgelöst.“ Wir würden uns freuen, wenn immer noch genug Zeit fürs Fotografieren bleibt.

TIPP: AUSSTELLUNG ZEHN JAHRE OPEN SOURCE FESTIVAL
Noch bis Freitag, den 26. Juni sind Schikos Arbeiten im Carhartt WIP Store am Carlsplatz zu sehen. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Open Source Festivals werden in einer Fotoausstellung die Aufnahmen von Schiko sowie dem Düsseldorfer Fotografen 7daysisaweekend gezeigt. Die beiden haben das Festival seit seiner Gründung im Jahr 2006 mit ihrer Kamera begleitet und durch ungewöhnliche Perspektiven Künstler und Gäste dokumentiert. Diese und viele weitere magische Augenblicke haben die Fotografen mit scharfem Blick und blitzschnellem Finger am Auslöser eingefangen. Unter den ausgestellten Werken befinden sich auch zahlreiche Bilder von Musikern wie DJ Koze, Modeselektor oder The Whitest Boys Alive, die einst als vielversprechender Newcomer zum Open Source Festival anreisten und heute weltweit gefeierte Stars sind. 

Persönlich trefft Ihr Schiko beim Open Source Festival am 27. Juni 2015 auf der Rennbahn. Einfach die Augen nach dem gelben Cap aufhalten – und ihr könnt ihn nicht verpassen. 

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Kucheneck, Bilker Allee.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… vorm Rechner.

Den besten Kaffee gibt es... morgens.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Was ist lunchen?

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Mit dem Fahrrad nach Wittlaer.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Oberkasseler Rheinwiesen, Kunstakademie, Izmir am Worringer Platz.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Kucheneck.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Bei denen.

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Bar Olio.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Schiffchen in Kaiserswerth.

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Cafe Taverne Savas.

Dein Lieblings-Altbier: Egal, Hauptsache kalt.

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Cafe Taverne Savas, Knülle, Treppen vorm Salon des Amateurs.

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Im Unique Club.

Dance the night away! Getanzt wird hier: Salon des Amateurs und bei mir zu Hause.

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Immer.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Den Rhein, die laute und direkte Art.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach... Parfümierte Altbiersuppe mit Reis.

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Meine Freunde, meine Familie, den Rhein.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Schicki Micki Bussi Bussi, alles muss geschäftlich finanziell funktionieren.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Alles!

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Meine Möbel haben mich gefunden, sind aus dem Familienbestand oder selbst gebaut.
Viel warmes Neonlicht.

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Ich hasse shoppen!

Gibt es (einen) Düsseldorfer Designer oder Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Klaus Dinger, Stefan Schwander, Bernd und Hilla Becher, Der Plan, Hank Chrenko, Dj Rafik, Heinz Hausmann …

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Altstadt.

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Boxershort, Socken, T-shirt, Jeans, Sneaker, Hemd oder Pullover, Jacke, gelbe Kappe.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Passend modern geschult, manchmal zu dick mit Bling-Bling, aber immer gestylt.

ALLGEMEIN

Was ist dein Lieblingsessen? Pasta, Reibekuchen mit Lachs, Wiener Schnitzel.

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Mit Freunden zu Hause dumm quatschen.

Dein Lieblingsreiseziel ist? Köln.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Peter Geimers „Theorien der Fotografie“.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? Die Taube sitzt auf einem Ast und denkt über das Leben nach.

Dein All-Time-Favorite-Movie? Der Sinn des Lebens.

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? Nick Drake.

Dein All-Time-Favorite-Song? Superwomen von Stevie Wonder.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? Metzgerei Schnitzel e.V.

VIELEN DANK!

Text & Interview: Britt Lörcks
FotosSabrina Weniger
© THE DORF 2015