Chris Succo

Name: Chris Succo
Geburtsort: Düsseldorf

Webseite: www.chrissucco.com
Social: Instagram

Nach dem Klingeln an der Studiotür von Chris Succo rollt sich das silberne Garagentor mechanisch nach oben. Dahinter erscheint ein Mann mit verwuschelten blonden Haaren, ganz in schwarz gekleidet in einem Sweater mit Bandlogo. Nach der Begrüßung gehen wir an einem ebenfalls schwarzen Mini Cooper vorbei durch die Garage in sein Studio mit der roten Couch. Ein Thrasher Magazin liegt auf seinem Tisch, daneben eine Schuhschachtel von Vans, ein paar Skateboards, Gitarren und Bücherstapel sind auf dem Boden verteilt und mitten in dem ästhetisch ansprechenden Chaos findet sich ein Organizer von Smythson. „Ob du es glaubst oder nicht: Ein großer Teil meiner täglichen Arbeit involviert ziemlich ordinäre Tätigkeiten wie Katalogisierung und Archivierung“, sagt Chris Succo lachend.

Succo, der international bereits unter anderem in New York, London und Los Angeles ausgestellt hat, ist einer von Deutschlands vielversprechendsten Künstlern. Seine bisher begehrteste Arbeitsserie ist unter dem Titel  ‘White Paintings’ bekannt und besteht aus einer aufgesprühten Lackschicht und Ölfarbe, unter der Spuren anderer Farben hervorscheinen. Einflussreiche Sammler und MoMA Trustees kaufen seine Kunst und die Wartelisten sind lang. „Eine Menge Dinge fließen in eine Arbeit ein. Vieles passiert zwischen den Zeilen,“ erklärt Succo.

Kunst ist nicht die einzige Leidenschaft von Chris Succo. ‚The Price You Pay For Not Being Alone With Your Dying‘ ist der Titel seines ersten Gedichtbandes, den er gemeinsam mit Freund und Autor Paul Wassermann herausgebracht hat. Die beiden lernten sich 2009 in London kennen: „Ich habe Lieder und Texte für die Bands geschrieben, in denen ich gespielt habe, aber ich habe nie die Direktheit erreicht, die ich wollte. Es ist  spannend, wie wir zusammen diese Form von Unmittelbarkeit erreichen — fast wie beim Proben mit einer Band. Es ist so eine Art Collage-Technik. Wir diskutieren über Handlungen und Sätze, so entsteht eine Atmosphäre und die wiederum gibt dann vor, wie das Stück, an dem wir arbeiten, sich entwickelt. Einige der Gedichte sind fast romantisch, andere eher härter. Mann muss sie mit einer gewissen geistigen Offenheit lesen.“ Die erste Ausgabe des Buches, das in einer Auflage von 300 Stück erschienen ist, ist fast ausverkauft.

Fünf Jahre arbeiteten sie an dem Buch, jetzt sind sie mit Nummer zwei beschäftigt. „Ich bin nicht besonders gut darin, mit anderen zusammenzuarbeiten, und Paul geht es da ähnlich. Wir sind beide immer noch überrascht, dass unsere Zusammenarbeit dennoch so gut funktioniert. Außerdem hilft es uns, unsere jeweiligen Arbeitsprozesse zu verfeinern.“ Zum Beispiel sind die meisten Titel seiner Gemälde, wie ‚Don’t Let the Empty Cases Of Beer Fool You‘ aus dem Buch übernommen. Auch seine Liebe zur Musik bildet weiterhin eine Quelle seines Schaffens. Gerade befindet er sich im Prozess, zum aktiven Performen zurückzukehren und eine neue Band sowie ein Plattenlabel zu gründen.

Succos Show ‚Skin N’ Bones‘ wurde Anfang des Jahres in der Londoner Almine Rech Gallery eröffnet. Darin zeigen sich erste narrative Ansätze in seiner Arbeit. Schwarze Linien nehmen Form an: ein Nachmittag im Gun Club in L.A. oder ein sonniger Morgen im Chateau Marmont—überarbeitete Skizzen von Orten und Menschen, die er auf einer seiner letzten Arbeitsreisen nach Los Angeles gesammelt hat. Alex Bacon zog im Begleittext zu der Ausstellung Parallelen zu Maler Philip Guston, der seine Karriere mit abstrakter Kunst begann und dann zu einem figurativeren Stil wechselte. Chris Succos Werk befindet sich aktuell an einem ähnlichen Scheideweg. „In dieser neuen Werkreihe hat Succo das Potential für eine Weiterentwicklung gefunden, die ihm in den engen Grenzen seiner vorherigen Serien versperrt blieb, sowohl abstrakt als auch figurativ. Daher ist diese Ausstellung als eine Ankündigung von etwas zu betrachten, dessen Ausgang noch offen ist“, so Bacon weiter.

Was Succo zum Zeitpunkt unseres Treffens für die Art Cologne vorbereitet unterstreicht den mutigen Schritt in der Entwicklung seines Werks: „Die neuen Arbeiten verlassen sich nicht nur auf ästhetische Möglichkeiten. Sie sind konkreter, eine neue Frage“, sagt er und lacht. „Man muss alles vergessen. Der Gedanke an Erfolg existiert im Studio nicht. Ich bin froh, solange ich arbeiten kann.“

Succo wird von Almine Rech in London, Brüssel, New York und Paris, sowie von The Journal Gallery in New York repräsentiert. Er arbeitet aktuell an einem ausführlichen Bildband über die Entwicklung seiner Arbeit zwischen 2008 und 2016, der ebenso Fotografien aus seinem Archiv beinhalten wird und im September beim Distanz Verlag erscheint: „Es wird eher ein Künstlerbuch als ein Werksverzeichnis, sagt er. „Es wird ein tiefer Einblick in meine bisherige Arbeit.“

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Im Studio.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… Brunch: Ohme Jupp, Ratinger Straße.

Frühstück: Zicke Den besten Kaffee gibt es… Kaffeeschmiede in Oberkassel

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Akropolis, Dominikaner Straße

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Auf der Rennbahn in Grafenberg. Oder am Rhein entlang auf der Oberkasseler Seite.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Die Brauerein und Museen.

Zum Kaffeeklatsch mit Küchlein & Co. trifft man dich hier: Oma Erika oder Heinemann

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Brasserie Hülsmann, Pegasus oder Hot La Cucina.

Welches Restaurant repräsentiert für dich am meisten den typisch-charakteristischen Geschmack von Düsseldorf? Schumacher und Füchschen.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Ashley’s Garden.

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Bistro Fatal.

Dein Lieblings-Altbier: Uerige frisch vom Fass.

NACHTS

Deine Lieblingsbar oder Dein Lieblingsbartender sind: Alle im Paul’s, Sassafras und Tannenbaum

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Beim Zweite-Reihe-Parken vorm Schumacher, um ein kaltes Bier zu trinken.

Was vermisst du an der Stadt, wenn du nicht in Düsseldorf bist? Das Zweite-Reihe-Parken vorm Schumacher, um ein kaltes Bier zu trinken.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Mettbrötchen.

Was liebst du am meisten an Düsseldorf? Den Flughafen. Düsseldorf ist großartig zum Arbeiten.

STIL

Deine Top 3 Shopping-Adressen in Düsseldorf? Hitsville Records, A&O Medien und Robert Schmitz Berufsbekleidung.

Gibt es (einen) Düsseldorfer Künstler, den du besonders schätzt und wenn ja, warum? Ich schätze alle!

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Jeans, T-Shirt, Sneakers.

ALLGEMEIN

Dein Lieblingsreiseziel ist? Wo immer mich die Arbeit hinbringt!

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachttisch? ‘Die Toten’ von Christian Kracht.

Welchen Kinofilm hast du zuletzt gesehen? One more Time with Feeling, die Nick Cave Dokumentation

Aktuell läuft auf deiner Playlist/deinem Plattenspieler? ‘Time fades away’ von Neil Young und das neue Iggy Pop Album ‘Live At the Royal Albert Hall’.

Dein All-Time-Favorite-Song? Heute ist es “Have Love Will Travel” von Tom Petty.

Danke!

Text & Interview:
Barbara Russ

Fotos: Robert Eikelpoth
Produktion: David Holtkamp

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