Angelika J. Trojnarski

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Name: Angelika J. Trojnarski
Alter: 36 Jahre
Beruf: Künstlerin
Gelernter Beruf: Kunststudium an der Düsseldorfer Akademie

Geburtsort: Mrągowo (Polen)
Stadtteil: Reisholz
Webseite: www.trojnarski.com

Ich als Künstlerin nutze Formen, Farbe und Material als Sprache, ein Wissenschaftler drückt sich mit den Mitteln der Mathematik aus.

Der Künstler ist ein Forscher, der Forscher ein Künstler. Das ist der Ansatz von Angelika J. Trojnarski. Studiert hat Angelika J. Trojnarski bei Andreas Gursky an der Düsseldorfer Kunstakademie. Umgetan hat sie sich vor allem auch in der naturwissenschaftlichen Fachliteratur, begleitet von eigenen Naturbeobachtungen.

Die Physik darf nie fehlen, wenn die 36-Jährige in ihrer Kunst zu den Sternen greift. Immer ist sie auf der Suche nach Antworten auf Fragen wie – was treibt den Menschen an? Wodurch wächst er, was macht ihn kreativ? Was bewegt den Forscher – was den Künstler?

Gesteinsbrocken haben Schnäbel. Glatte Keramik, perfekte Oberfläche. Wie präparierte Skelette kommen sie daher. Die Überbleibsel von Wesen, wie wir sie nicht kennen. Kraft steckt in allem, was Angelika J. Trojnarski erschafft.

Da sind neben den Objekten andererseits ihre gleichsam explodierenden Gemälde, in denen Vertrautes und Verwirrendes im Spannungsverhältnis zueinander stehen. Sich Kraftfelder aufbauen oder Symbiosen voller Energie miteinander eingehen. Flugobjekte, Schiffe und andere Vehikel bekannter und unbekannter Art, die organisch in Farben zerfließen. Manchmal ist nicht klar, ob es sich um den Entstehungsprozess handelt oder doch schon um die Zersetzung.

Gerade die Widersprüchlichkeit in Trojnarskis Arbeiten birgt für den Betrachter ein grandioses Potenzial. Die polnisch-stämmige Künstlerin erforscht für uns die Welt und entdeckt dabei ganz neue Dimensionen, die uns ohne sie möglicherweise verschlossen geblieben wären.

Wer will, kann sich davon vergewissern. Sich in andere Sphären katapultieren lassen. Fern der Heimat allerdings. Im Juni in der Galerie Tanja Wagner in Berlin.

Welche Highlights gab es in deiner Künstlerkarriere bisher?
Das waren die zwei Einzelausstellungen in Los Angeles bereits zu Beginn meines Studiums. Und dann natürlich der Wechsel in die Freie Klasse von Andreas Gursky 2010. Der Diskurs beeinflusste meine künstlerische Arbeit hin zu höherer Materialität und Intellektualität. Ein weiteres Highlight war auch meine erste größere institutionelle Einzelausstellung in der Neuen Galerie Gladbeck 2013, parallel zur Gruppenausstellung im KIT. Und die Zusage für das anstehende Dallas-Stipendium.

Woher beziehst du deine Inspiration?
Ich interessiere mich für die Wissenschaft, da ich zwischen ihr und der Kunst starke Parallelen sehe. Forscher sind Künstler und Künstler sind Forscher. Ich möchte die Welt in ihrem Zusammenhang erkennen und erforschen, sie verstehen und sie mit meinen Möglichkeiten beschreiben. Ich als Künstlerin nutze Formen, Farbe und Material als Sprache, ein Wissenschaftler drückt sich mit den Mitteln der Mathematik aus.

Künstler und Wissenschaftler sind Seismographen, die ansonsten kaum wahrnehmbare Verschiebungen und Erschütterungen in der Umgebung wahrnehmen. Obwohl die Ergebnisse der Arbeitsprozesse zwischen den Künsten und Wissenschaften prinzipiell verschieden sind, ist der Entstehungsprozess in beiden Fällen durch eine kreative Arbeitsweise geprägt.

Wir beide suchen nach Antworten. Die Inspiration für meine Arbeit ziehe ich deshalb aus wissenschaftlicher Literatur zu klassischer Physik, aus aktuellen Forschungsergebnissen aus eigener Naturbeobachtung. Wie zum Beispiel die seltenen irisierenden Wolken am Himmel, die ich tatsächlich in Andratx entdeckt habe.

Wie war dein Mallorca Projekt? Kannst du den Aufenthalt und deine Arbeit dort in ein paar Worten beschreiben?
Im Oktober letzten Jahres nahm ich am internationalen Künstlerprogramm in CCA Andratx, Mallorca, teil. Vor Ort recherchierte und arbeitete ich mit der Sternwarte in Costitx zusammen: ich bekam Führungen über das Gelände, Erklärungen zu den Teleskopen und dem aufgenommenem Bildmaterial, sowie Anekdoten zu den ausgestellten Exponaten. Der Blick in den Himmel war völlig anders als in Düsseldorf: da auf Mallorca eine geringe Lichtverschmutzung herrscht, konnte ich die Milchstrasse sehen, die vorbeiziehende ISS, klar sichtbare Sternzeichen und Planeten.

Mein zunächst geplantes Supernova-Projekt wich im Laufe der Zeit einer allgemeinen Herangehensweise und einer breiteren Projektthematik. Wie wird der Weltraum erfasst bzw. vermessen? Wie werden Veränderungen wie zum Beispiel das kurze Aufleuchten einer Supernova erkannt, in der schieren Unendlichkeit der Sterne? Welche Spektren, Energiefelder oder interstellare Ereignisse sind für den Menschen allein, welche nur mit Hilfsmitteln sichtbar? Wie bildet man das Universum in Daten ab?

Den Andratx-Aufenthalt nahm ich auch zum Anlass meine Arbeitsvorgänge zu hinterfragen und Routinen zu unterbrechen. Aus diesem Grund konzentrierte ich mich hier auf die reine Arbeit mit Papier. Dieses habe ich in Form gerissen, collagiert, mit Chemikalien behandelt und um Zeichnung erweitert. Zurück in Düsseldorf kam zu den geschichtet Papierfragmenten partiell Malerei hinzu.

Was passierte in Dallas?
Meinen zweimonatigen Arbeitsaufenthalt in Dallas verbrachte ich im CentralTrak, einer Kunstinstitution der dortigen University of Texas. Bereits zu Beginn am 5. März fand dort meine Einzelausstellung statt. Die Ausstellung thematisierte meine bereits oben genannten Gedanken zur Vermessung der Welt, der Visualisierung von Messdaten, der Verschiebung und Überschreitung menschlicher, territorialer Grenzen.

Was ist sonst noch in 2016 geplant?
Im Juni nehme ich an einer Gruppenausstellung in meiner Galerie Tanja Wagner in Berlin teil. Die Ausstellung lädt zum Diskurs über Malerei ein. Was leistet das Medium heute und welche neuen Tendenzen lassen sich erkennen? Ich freue mich sehr auf die Ausstellung, da sich das Medium trotz der Totsagung der letzten Jahre immer noch behaupten kann und wird.

Genauso spannend werden meine beiden kuratorischen Projekte. Für die Neue Galerie Gladbeck kuratiere ich die September-Ausstellung Das Moment, die sich auf Abstraktion und Destruktion in der Arbeit vierer Künstlerinnen bezieht. In meinem Düsseldorfer Offraum TRABANTEN, den ich gemeinsam mit Kai Richter betreibe, wird es zwei Ausstellungen geben (Licht-Raum-Interventionen und Zeichnung mit experimenteller Bildhauerei). Da müsst Ihr alle kommen!

MORGENS

Guten Morgen – wo trinkst du morgens Deinen Espresso in der Stadt, um wach zu werden? Espresso und Kaffee putschen mich überirdisch auf, deshalb starte ich jeden den Tag mit einem Pott milden japanischen Tees.

Zum Sonntags-Brunch und ausgedehnten Frühstück trifft man dich… Ehrlich gesagt mag ich keinen Brunch. Ich esse eh nie viel und habe morgens keine Ruhe und Lust ausgedehnt beim Frühstück zu sitzen.

MITTAGS

Lecker, gesund und frisch lunchen gehst du in Düsseldorf… Pardo Bar im K21.

NACHMITTAGS

Deine Lieblingsroute zum Spazierengehen, Schlendern, Kopf-Frei-Kriegen: Um die Ecke in die Urdenbacher Kämpe, Düsseldorfs größtem Naturschutzgebiet mit Auwäldern, Feuchtwiesen und ursprünglichen Obstbäumen.

Drei Plätze in Düsseldorf, die du deinen Gästen unbedingt zeigen musst: Wenn es terminlich reinpasst unbedingt das Japanfest. Den Rhein. Ein obligatorischer Gästewunsch ist, ihnen mein Atelier zu zeigen.

ABENDS

Wo verbringst du am allerliebsten einen gemütlichen Abend mit Freunden oder der Familie? Im Ristorante Fernando in Urdenbach. Die Einrichtung wurde seit circa 30 Jahren nicht verändert und lullt einen sanft und urig ein.

Ein Restaurant, wo du immer mal hinwolltest, aber noch nie warst: Nagaya und Berens am Kai.

Dein absoluter Gastro-Geheimtipp-Lieblings-Spot, den du hier mit allen teilen möchtest? Das KOMBU in der Sophienstraße. Ein Bistro in einer ehemaligen, freundlich umgebauten Pommesbude, das moderne, japanische Küche mit westlicher verbindet. Nur 10 Sitz-Steh-Plätze, deshalb nicht selten Wartezeit einplanen.

Dein Lieblings-Bier: frisches Radler.

NACHTS

Eine ganz besondere, erinnerungswürdige Nacht in Düsseldorf hast du wo verbracht? Ach, damals noch in der Harpune im Medienhafen… im unangepassten, hemmungslosen Electroclub, der von steigenden Mieten platt gemacht wurde. Ist für mich eine nostalgische Erinnerung.

IMMER

Wo und wann fühlst du dich wie ein „richtiger Düsseldorfer“? Wenn ich mir nicht gängige Straßen ohne Navi finde.

Könnte man Düsseldorf essen, schmeckt es nach… Lachsröllchen.

Was hasst du am meisten an Düsseldorf? Die dem unaufhörlichen Bau von überflüssigen, aalglatten Hotels, einfallslosen Einkaufszentren und biederen, reizlosen Straßen begleitenden Umleitungen.

Gibt es Plätze oder Orte in der Stadt, die dich in deinem Job inspirieren? Zentralbibliothek, 1. Stock, Regal Uca bis Ucz, Abteilung Naturwissensschaften/Physik.

STIL

Wo suchst & findest Du Möbel für Deine Wohnung? Ich lebe in einem Konglomerat aus Designerstücken (Stilwerk), Flohmarkt (Aachenerplatz) und DIY (Baumarkt & Atelier).

Der beste Ort, um Leute zu beobachten? Besser als auf der Kö kann man nicht observieren.

Nach welchen Regeln stylst du dich? Was geht gut und was geht gar nicht? Ich bin der Clean Chick & Less is More-Typ wie bei Jil Sander und COS. Bloß kein Cavalli oder Philipp Plein-Gedöns, kein Bling-Bling-Style.

Beschreibe den typischen Düsseldorfer-Stil in drei Worten: Dem Lachsröllchen entsprechend: cool, frisch, teurer als der Ø.

ALLGEMEIN

Wo oder wobei kannst du am besten entspannen? Bin ich ausgeschlafen, bin ich entspannt.

Welches Buch liegt aktuell auf dem Nachtisch? Mehrere, die ich in Dallas lesen möchte: Polski Tango – tiefsinnige, komische Geschichten auf Reisen zwischen Polen und Deutschland. Dann Stoner – über den Sinn und Würde des Lebens sowie Isaac Newton – eine Kurzfassung von Richard Westfalls monumentaler Newton-Biografie.

Dein All-Time-Favorite-Movie? Requiem for a dream. Allerdings bin ich jedes Mal danach arg mitgenommen.

Für welchen Verein schlägt dein Herz? NASA, PETA und AFRICAN ANGEL. In den 90ern hat Harriet Bruce Annan als ehemalige Toilettenfrau in Düsseldorfer Altstadtlokalen Geld für afrikanische Slumkinder gesammelt und später den Verein gegründet. 2013 erhielt sie für ihr soziales Engagement das Bundesverdienstkreuz. Ich bin mal aus Versehen auf ihr …ääh… parkendes… Auto gefahren und lernte sie auf diesem Wege kennen.

Vielen Dank!

Text: Katja Hütte 
Fotos: Paula Winkler (Galerie Tanja Wagner) / Ben Hermanni (Neue Galerie Gladbeck) / Simon Thon
© THE DORF 2016

 

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